HANAU
Großauheims letzte verbliebene Schreinerei feiert 150. Geburtstag: Weltrekordversuch fest im Fokus
Fotos: Stadt Hanau/Moritz Göbel
Montag, 19.10.2026
Seit 150 Jahren ist die Schreinerei Kurzschenkel im alten Ortskern von Hanau-Großauheim verwurzelt ...
Anlässlich des besonderen Firmenjubiläums hat Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri den traditionsreichen Familienbetrieb in der Rochusstraße besucht. Im Gespräch mit Inhaber Eric Kurzschenkel ging es um die Entwicklung des Unternehmens, die Herausforderungen kleiner Handwerksbetriebe und die Zukunft des Schreinerhandwerks.
Ausbildung, Fachkräfte und Bürokratie im Fokus
„150 Jahre Unternehmensgeschichte bedeuten nicht nur Tradition, sondern auch die Fähigkeit, sich über Generationen hinweg immer wieder an neue wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Bedingungen anzupassen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri.
„Familiengeführte Handwerksbetriebe wie die Schreinerei Kurzschenkel sind ein wichtiger Teil unserer Wirtschaftsstruktur. Sie sichern Arbeits- und Ausbildungsplätze, eröffnen jungen Menschen und Quereinsteigern berufliche Perspektiven und prägen zugleich das Leben in unseren Stadtteilen. Dass ein Unternehmen seit 1876 in Großauheim verwurzelt ist, macht es auch zu einem Stück Hanauer Stadtgeschichte.“
Alles begann 1876
Gegründet wurde die Schreinerei 1876 von Christian Heuser. 1936 übernahmen Willi Kurzschenkel und der Glasermeister August Schramm den Betrieb. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung entwickelte sich das Unternehmen weiter und beschäftigte zeitweise bis zu 18 Mitarbeitende. Erich Kurzschenkel wurde 1970 Teilhaber und führte die Schreinerei ab 1986 als alleiniger Inhaber. 2011 übernahm sein Sohn Eric Kurzschenkel den Betrieb in vierter Generation.
„Unter dem Namen ‚Schramm und Kurzschenkel‘ waren wir auch ein Möbelhaus, die Ausstellungsfläche war im ersten Stock. Heute sind wir eine reine Schreinerei und Tischlerei, beschäftigen fünf Mitarbeitende, darunter mit Alissa Büning erstmals eine Tischlerin, die wir ausgebildet haben“, so Firmenchef Eric Kurzschenkel.
Weltrekordversuch fest im Fokus
Vom individuellen Innenausbau und Einbaumöbeln über Böden, Decken, Wandverkleidungen, Türen und Fenster bis hin zu Rollläden, Insektenschutz, Glasereiarbeiten, Reparaturverglasungen, Einbruchschutz und Schlüsselnotdienst reicht das Leistungsspektrum. „Unsere Kunden stammen aus Hanau und der näheren Umgebung“, sagt Eric Kurzschenkel, bei dem „schon vor der Geburt klar war, dass ich den Betrieb übernehmen würde“.
Auch in seiner Freizeit lässt ihn das Thema nicht los: Im kommenden Jahr will er an einem Weltrekordversuch teilnehmen: „1.000 Menschen sollen mit ihren Kettensägen an einem Schnitzkurs teilnehmen.“
Kurzschenkel schilderte Oberbürgermeister Dr. Bieri den Wandel des örtlichen Handwerks. Während es früher nach seinen Angaben fünf Schreinereien in Großauheim gab, ist sein Unternehmen heute die letzte verbliebene. Der Besuch bot damit auch Gelegenheit, über die Rahmenbedingungen zu sprechen, die inhabergeführte Betriebe benötigen, um langfristig bestehen und sich weiterentwickeln zu können. (red)