FULDA / MKK
Impuls von Stefan Buß: Das Kleine mit großer Liebe
Foto: Hendrik Urbin/KN
Mittwoch, 28.10.2026
„Tu das Kleine mit großer Liebe, vertraue Gott dein Leben an und glaube daran, dass auch durch dich etwas von Gottes Liebe in diese Welt kommt.“
Dieser Satz auf einem Abreißkalender ist mir nachgegangen. Denn er erinnert an zwei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise zu großen Heiligen geworden sind: Mutter Teresa von Kalkutta (1910 – 97) und die heilige Therese von Lisieux (1873- 1897).
Mutter Teresa sagte einmal: „Wir können keine großen Dinge tun, nur kleine Dinge mit großer Liebe.“
Und die heilige Therese von Lisieux entdeckte ihren „kleinen Weg“. Sie wusste: Ich muss nicht Außergewöhnliches leisten, um Gott nahe zu sein. Ich kann Gott gerade in den kleinen Dingen des Alltags begegnen. Ein Lächeln, obwohl mir eigentlich nicht danach ist. Geduld, wenn jemand mich nervt. Ein gutes Wort, wo ein hartes Wort leichter wäre. Eine Hilfe, ohne dafür Dank zu erwarten. Ein Gebet, auch wenn ich dabei nichts Besonderes spüre.
Das klingt zunächst unspektakulär. Aber vielleicht liegt gerade darin etwas sehr Wichtiges für unser Leben. Wir warten manchmal darauf, dass wir etwas Großes tun können: etwas bewegen, etwas verändern, etwas Bleibendes schaffen. Dabei übersehen wir leicht die vielen kleinen Möglichkeiten, die uns jeden Tag geschenkt werden.
Das Leben besteht aus kleinen Augenblicken – und aus der Liebe, die wir in diese Augenblicke hineinlegen. Ein Mensch kann vielleicht nicht den großen Frieden in der Welt schaffen. Aber er kann heute Frieden in seiner Familie stiften. Er kann einen Streit nicht weitertragen. Er kann einem einsamen Menschen Zeit schenken. Er kann einem anderen Mut machen. Er kann jemandem das Gefühl geben: Du bist nicht allein.
Und vielleicht ist das auch eine wichtige Botschaft unseres Glaubens: Gott braucht nicht zuerst unsere großen Taten. Er möchte unser Herz. Wenn wir ihm unser Leben anvertrauen, kann er selbst durch unsere kleinen Möglichkeiten wirken.
Therese von Lisieux hat darauf vertraut. Mutter Teresa hat es gelebt. Beide zeigen uns: Es kommt nicht darauf an, wie groß unsere Aufgabe ist. Es kommt darauf an, wie viel Liebe wir in das hineinlegen, was uns heute aufgetragen ist.
Vielleicht ist deshalb eine gute Frage für jeden neuen Tag: Was ist heute mein kleines Stück, das ich mit großer Liebe tun kann? Vielleicht ist es nur ein Gespräch. Ein Besuch. Eine helfende Hand. Ein geduldiger Blick. Ein Lächeln. Ein Gebet.
Wir dürfen darauf vertrauen: Was wir in Liebe tun, ist niemals zu klein für Gott. Und vielleicht wird durch all diese kleinen Liebeszeichen unsere Welt tatsächlich ein wenig menschlicher, wärmer und heller.
Wir müssen nicht die ganze Welt verändern. Aber wir können den kleinen Teil der Welt, in den Gott uns heute gestellt hat, mit seiner Liebe berühren.