HESSEN

Wenn Dunkelheit und Müdigkeit aufeinandertreffen: Auf diese Warnsignale sollten Autofahrer achten

Dunkelheit und erhöhte Müdigkeit in der dunklen Jahreszeit können die Konzentration während der Autofahrt stark belasten ...
Symbolbild: Pixabay


Donnerstag, 29.10.2026

Dunkelheit und erhöhte Müdigkeit in der dunklen Jahreszeit können die Konzentration während der Autofahrt stark belasten ...

Vielen Menschen ist dabei nicht bewusst, wie schnell es durch Schläfrigkeit zu schweren Unfällen kommen kann. Der ADAC Hessen-Thüringen erklärt, auf welche Warnsignale Autofahrer achten sollten und wie man Schläfrigkeit vorbeugen kann.

Übermüdung mit Folgen


Für viele Menschen ist Müdigkeit am Steuer keine Seltenheit. Vor allem Autofahrer, die frühmorgens in der Dämmerung zur Arbeit unterwegs sind, sind davon betroffen. Den meisten ist dabei nicht bewusst, wie gefährlich Schläfrigkeit am Steuer sein kann – ein paar Sekunden Unaufmerksamkeit können im Straßenverkehr schlimme Folgen haben. Bei 100 Stundenkilometern legt das Fahrzeug bei fünf Sekunden Unachtsamkeit fast 140 Meter blind zurück.

„Wer müde ist, kann sich schlechter konzentrieren, reagiert langsamer und überschätzt sich selbst“, so Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen. „Durch Übermüdung steigt zudem die Gefahr des Sekundenschlafs, der besonders schwerwiegende Unfälle zur Folge haben kann.“

Im Jahr 2023 wurden bundesweit insgesamt 1.902 Unfälle mit Personenschaden registriert, bei denen Übermüdung von Fahrern vorlag. Die Dunkelziffer ist nach Expertenschätzung deutlich höher. Was viele nicht wissen: Müdigkeit kann die Fahrtauglichkeit ähnlich stark einschränken wie Alkohol. Schon nach 17 Stunden ohne Schlaf ist die Leistungsfähigkeit ähnlich schlecht wie bei einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille, 22 Stunden Schlafentzug entsprechen sogar knapp ein Promille.

Warnzeichen erkennen


Sekundenschlaf tritt dabei nie von jetzt auf gleich auf – davor gibt es verschiedene Warnzeichen, die auf eine deutliche Übermüdung hinweisen. Es gilt, die ersten Signale zu erkennen und die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Akute Warnzeichen sind zum Beispiel häufiges Gähnen, plötzliches Frösteln oder ein starkes Bewegungsbedürfnis. Auch unscharfes Sehen oder schwere Augenlider zählen dazu.

Wer Schwierigkeiten hat, die Spur zu halten oder das Gefühl hat, die Straße würde sich verengen, sollte schnellstmöglich eine Pause mit körperlicher Bewegung einlegen. Tatsächlicher Sekundenschlaf zeigt sich häufig durch zufallende Augen, plötzliches Erschrecken und ruckartige unwillkürliche Kopfbewegungen des Fahrers.

Müdigkeit vorbeugen


Besonders auf langen, monotonen Autofahrten mit einer konstanten Geschwindigkeit oder Nachtfahrten kann es zu Übermüdung kommen. Der Verkehrsexperte Wolfgang Herda rät daher: „Grundsätzlich sollte eine Fahrt nur dann angetreten werden, wenn man sich fit und ausgeschlafen fühlt. Auf Langstrecken, wie zum Beispiel Urlaubsfahrten, sollte etwa alle zwei bis drei Stunden eine Pause eingelegt werden.“ Beifahrer sollten zudem auf Müdigkeitsanzeichen des Fahrers achten und frühzeitig einen Wechsel anbieten.

Ein kurzer Spaziergang oder Lockerungsübungen während der Pause können helfen die Konzentrationsfähigkeit zu steigern und die Müdigkeit zu vertreiben. Aufputschende Getränke, wie Kaffee oder Energy Drinks verringern hingegen nur kurzzeitig die Müdigkeit, die Übermüdung selbst können sie nicht beseitigen. Auch laute Musik oder offene Fenster bieten nur eine kurzfristige Lösung. „Wer müde ist, sollte sich ausruhen und kein Auto fahren“, so Wolfgang Herda. „Im Zweifelsfall ist dann der nächstgelegene Parkplatz die passende Option, um sich kurz auszuschlafen.“

Müdigkeitswarner im Auto


Seit Juli 2024 verpflichtet die EU-Kommission Autobauer zum Einbau von Müdigkeitswarnern in Neuwagen. Durch die Auswertung von Lenkverhalten oder Spurhaltevermögen erkennt die Software aufkommende Müdigkeit und fordert den Fahrer auf eine Pause einzulegen. Je nach "Intelligenz" des Müdigkeitswarners werden auch Fahrtdauer, Blinkverhalten und Tageszeit in die Berechnung einbezogen. Ein solches Assistenzsystem kann müde Autofahrer frühzeitig auf eine potenzielle Gefahr aufmerksam machen und Übermüdungsunfälle vorbeugen, die Systeme ersetzen jedoch nicht die gesunde Selbsteinschätzung.

Wichtig: Autofahrer sollten jederzeit sicherstellen, dass sie ihr Fahrzeug aktiv kontrollieren können, unabhängig davon, welche Assistenzsysteme darin verbaut sind. (red)