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Stefan Reuß im Interview: HFV hofft auf einen planmäßigen Saisonstart

Fans und Spieler dürfte es freuen: Beim HFV hofft man auf einen pünktlichen Start in die neue Saison.
Archivfoto: Hendrik Urbin
von FELIX.HAGEMANN


Mittwoch, 20.05.2020

Nach der wegweisenden Vorstandssitzung des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) mit der einstimmigen Empfehlung des vorzeitigen Saisonendes der hessischen Amateurligen beantwortet HFV-Präsident Stefan Reuß im Interview mit der Pressestelle des HFV wichtige Anschlussfragen.

Hallo Herr Reuß, was genau hat der Verbandsvorstand am vergangenen Samstag im Rahmen seiner Sitzung beschlossen?

Stefan Reuß: Nachdem in den letzten Wochen in allen 32 hessischen Fußballkreisen virtuelle Konferenzen veranstaltet wurden, um bezüglich des Umgangs mit der Saison 2019/2020 ein detailliertes Meinungsbild der Vereine einzuholen, hat der Verbandsvorstand nach Sammlung aller Ergebnisse über die Regionalbeauftragten und des daraufhin erarbeiteten Vorschlags des Verbandsspielausschusses ein vorzeitiges Saisonende zum 30. Juni 2020 ohne weiteren Spielbetrieb als wünschenswerteste Lösung auserkoren. Dabei soll es Aufsteiger, aber keine Absteiger geben. Die Tabelle wird nach der Quotienten-Regelung ermittelt. Doch um diese Empfehlung amtlich zu beschließen ist ein außerordentlicher Verbandstag notwendig.

HFV-Präsident Stefan Reuß - Foto: Gerhard Manns

Was bedeutet Quotienten-Regelung?

Reuß: Da nicht alle Mannschaften in ihren jeweiligen Ligen gleich viele Spiele absolviert haben, wird zur Ermittlung eines gerechten Punktewerts die Anzahl der Punkte durch die Anzahl der Spiele geteilt. Das Ergebnis dient zur Ermittlung des Tabellenstandes. 

Ist das eine faire Lösung?

Reuß: Es wird bei jeder Lösung Vereine oder Mannschaften geben, die die getroffene Entscheidung als unfair ansehen. Wir haben die Entscheidung getroffen, die dem sportlichen Gedanken am nächsten kommt, die die meisten Vereine favorisieren und sind dabei auch vielen Vereinen entgegen gekommen, indem es keine Absteiger geben wird.

Was passiert mit den potentiellen Relegationsteilnehmern?

Reuß: Das ist eine Frage, die wir auch juristisch noch einmal prüfen lassen. Dafür benötigen wir einige Tage. Wenn wir alle potentiellen Relegationsteilnehmer ebenfalls aufsteigen ließen, ergäbe dies natürlich noch größere Klassen im oberen Bereich auf Kosten der Basis, die gegebenenfalls zu wenige Mannschaften hätte. Umgekehrt wird auch argumentiert, dass man die potentiellen Aufsteiger nicht schlechter behandeln dürfe, als potentielle Absteiger. Die Organisation des Spielbetriebs mit den erhöhten Klassenstärken durch den Wegfall der Absteiger ist aber natürlich jetzt schon eine Herausforderung der kommenden Saison.

In dieser Saison werden die Tore nicht mehr heruntergeklappt - Archivfoto: Tobias Herling

Ist die Saison jetzt für alle beendet?

Reuß: Die Saison kann erst durch den Beschluss des außerordentlichen Verbandstages beendet werden. Der Verbandsvorstand hat dieses Vorgehen einstimmig empfohlen. 

Was passiert mit den Pokalspielen?

Reuß: Das ist eine Frage, die ebenfalls noch final geklärt werden muss. Im Bitburger Hessenpokal verbleiben noch der Finalist FSV Frankfurt sowie die beiden Halbfinalisten FC Gießen und der TSV Steinbach Haiger. Dieser Wettbewerb hängt mit dem Finaltag der Amateure zusammen, daher wäre auch die Abstimmung unter allen Landesverbänden sinnvoll. In den Kreispokalwettbewerben sieht es in punkto zu absolvierende Spiele völlig unterschiedlich aus, was eine einheitliche Regelung ebenfalls nicht vereinfacht.

Wann werden die offenen Punkte geklärt?

Reuß: Natürlich möchten wir die Punkte so schnell wie möglich klären, sind aber wie beispielsweise oben erwähnt auch von anderen Faktoren tangiert. Wir haben bisher nach dem Grundsatz gehandelt, dass eine richtige, sinnvolle und wohl durchdachte Entscheidung wichtiger ist als eine schnelle Entscheidung. Davon sind wir auch weiterhin überzeugt. Aber spätestens am außerordentlichen Verbandstag müssen diese Entscheidungen fallen.

Wann soll der virtuelle außerordentliche Verbandstag stattfinden?

Reuß: Wir gehen momentan vom 13. oder 20. Juni als Datum der Austragung aus. Auch in diesem Fall können wir nicht einfach ein Datum festlegen, sondern sind von der Bestätigung des Vereinsregisters abhängig, um die verkürzte Ladungsfrist anerkennen zu lassen. 

Ist ein virtueller Verbandstag technisch überhaupt möglich?

Reuß: Natürlich ist es ungewohnt und es gibt einige Hürden zu überspringen, aber möglich ist es und andere Landesverbände gehen den gleichen Weg. Wir haben in den letzten Wochen zahlreiche Videokonferenzen absolviert und ein Gefühl für virtuelle Veranstaltungen bekommen. Der Verbandstag fällt natürlich etwas größer aus, aber wir sind schon dabei, die Veranstaltung zu planen.

Und wenn das vorzeitige Saisonende abgesegnet ist: Wann geht die neue Saison 2020/2021 los?

Reuß: Das ist eine Frage, die auch bei sämtlichen Szenarien der aktuellen Saison mitschwang, denn das weiß natürlich niemand. Wir hoffen, dass wir zum gewohnten Zeitraum mit der nächsten Saison starten können. Aber das kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand vorhersagen, ob es so zutrifft. 

Wird die nächste Saison im gewohnten Modus gespielt?

Reuß: Nach jetzigem Stand schon. Aber wer weiß schon in der aktuellen Situation, wie es im September, im Oktober oder im kommenden März aussieht? Es könnte auch sein, dass wir die Saison beginnen und dass diese aufgrund einer weiteren Covid19-Welle erneut unterbrochen werden muss. Sollten wir nicht in der Lage sein, die komplette Zeit zur Austragung der Saison zu nutzen, müssten wir auch über alternative Spielmodelle nachdenken.

Können Sie die Stimmung unter den hessischen Fußballern einschätzen?

Reuß: Ich habe viele Rückmeldungen bekommen und daher einen Eindruck, wie Hessens Fußballfamilie denkt und sich fühlt. Viele Spielende, Vereinsvertretende und Fans hat die Unsicherheit am meisten belastet. Da nun der Weg für die Gewissheit bereitet ist und dabei der Wunsch der meisten in die Spielzeit Involvierte berücksichtigt ist, ist eine große Erleichterung zu spüren. Wie eingangs erwähnt, gibt es natürlich auch Personen, die sich eine andere Lösung wünschen, aber die Mehrheit begrüßt unseren vorgeschlagenen Weg.

Strenge Hygieneauflagen machen das trainieren für viele Vereine unmöglich - Foto: Hans Hubertus Braune

Um sich im Rahmen der kürzlich behördlich geschaffenen Möglichkeiten weiterhin fit zu halten, wurden vom HFV Tipps zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes verschickt. Müssen sich die Vereine an dieses Schreiben halten?

Reuß: Das Land Hessen entscheidet durch entsprechende Vorgaben als Maßnahme zur Eindämmung der Infektion mit dem Coronavirus, was momentan erlaubt ist und was nicht. Der HFV kann und möchte mit den versendeten Tipps nichts verbieten oder vorschreiben, sondern nimmt lediglich die Entscheidungen des Landes Hessen auf und unterbreitet auf dieser Basis durch seine Fachleute Vorschläge, wie diese behördlichen Vorschriften in die Praxis umgesetzt werden können. Auch der HFV wünscht sich schnellstmöglich normale Verhältnisse auf den Sportplätzen und den gewohnten Spielbetrieb. Da dies jedoch aktuell noch nicht möglich ist, versuchen wir mit erwähnten Empfehlungen mögliche praktische Lösungswege für eine Umsetzung aufzuzeigen.

Was sollen Vereine machen, die die Empfehlungen nicht umsetzen können?

Reuß: Wir sind in diesen Zeiten alle gefragt, die vorgegebenen Regeln umzusetzen. Dass dies aufgrund von infrastrukturellen und personellen Ressourcen nicht in jedem Verein gleich gut durchführbar ist, wissen wir. Einige Vereine haben sich auch gemeldet und möchten unter diesen Umständen besser kein Training abhalten. Diese Entscheidung steht natürlich jedem frei. Andere Clubs finden Wege, wie sich mit etwas Improvisation ein sinnvolles Training durchführen lässt.

Ihr Schlusswort für alle HFV-Mitglieder?

Reuß: Ich wünsche allen in erster Linie Gesundheit. Wir haben alle großem Spaß am Fußballsport und wollen diesen baldmöglichst so ausführen, wie wir es gewohnt sind. Bis es soweit ist, bitte ich weiterhin um Geduld. Der Tag des „normalen“ Fußballs wird kommen!