HANAU

"Raum im Wandel" - Vorstellung der Studie zur Kreisfreiheit der Grimmstadt


Foto: Jonas Wenzel
von Lena Riemann


Dienstag, 09.07.2019

"Für Hanau wäre die Kreisfreiheit ein einschneidender und bedeutender Schritt", sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky am Montagmittag in der Feuerwache Hanau-Mitte. Zusammen mit der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte stellte der OB die Studie zur Kreisfreiheit der Brüder-Grimm-Stadt vor. Neben der raumordnerischen Bedeutung, wurden zehn Thesen dargelegt, die für eine Trennung vom Main-Kinzig-Kreis sprechen würden.

Bereits im August 2018 beschloss die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Hanau die Kreisfreiheit für die Grimmstadt zum 1. April 2020. Im nächsten Schritt wurde die Unternehmensgruppe der Nassauischen Heimstätten beauftragt eine Studie zur möglichen Auskreisung Hanaus zu erstellen. "Wir wollen hier keinen Schlagabtausch, zwischen Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis, sondern sehen hierdrin die Chance für einen Dialog", sagte Marion Schmitz-Stadtfeld, Leiterin für integrierte Stadtentwicklung. Das Ergebnis wurde in insgesamt zehn Thesen zusammengefasst und von Projektleiter Daniel Winter vorgestellt.

"Zunächst sei mit der Auskreisung der Stadt Hanau aus dem MKK langfristig die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in der Region möglich", sagte Winter. Der Projektleiter betonte weiter, dass sich die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des Kreises und Hanau signifikant unterscheiden würden. Dazu nannte er Beispiele, wie die Arbeitslosigkeit, die im Main-Kinzig-Kreis zusammen mit der Stadt Hanau bei sieben Prozent läge und ohne die Grimmstadt bei zwei bis zweieinhalb Prozent. Zudem sei im gesamten Kreis eher ein Branchenmix zu verzeichnen, während in Hanau eher spezialisierte Fachkräfte gesucht werden, die in den ansässigen Betrieben sehr spezifische Aufgaben nachkommen.

(von links) Bürgermeister Axel Weiss-Thiel, Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtrat Thomas Marlock - Fotos: Lena Riemann

So würden sich die Anforderungen und Herausforderungen des Raumes zwischen den verschiedenen Gemeinden und damit nicht nur die Entscheidungsfindung, sondern auch Problembearbeitung erschweren. "Gemeinden wie Bad Orb mit 10.000 oder Ronneburg mit knapp 3.400 Einwohner, haben ganz andere Interesse als eine Großstadt mit fast 100.000 Bürgern wie Hanau", sagte Winter. Auch die Mittelzentren wie Gelnhausen, Bad Soden-Salmünster oder Schlüchtern, seien einer statusgefährdenden Konkurrenz durch Hanau ausgesetzt. Die Städte könnten so eigene Themen und Interessen verfolgen, ohne das bei Förderungen vom Land oder Bund auf Hanau verwiesen werden könnte. "Aktuell werden mit Hanau Probleme in den anderen Gemeinden nicht sichtbar, da die Durchschnittswerte aufgrund der Großstadt, oftmals von den realen Zahlen in den Statistiken abweichen", so der Projektleiter. 

Ebenfalls spräche für eine Kreisfreiheit, die Verlegung des Kreissitzes nach Gelnhausen im Jahr 2005. "Dies zeigte schon damals eine weitsichtige thematische Schwerpunktverschiebung in den ländlichen Raum und nimmt die Auskreisung Hanaus strategisch vorweg", so Winter. Bliebe jedoch die Grimmstadt im Kreis, würde eine neue Prioritätensetzung des Kreises erfolgen müssen. 


(von links) Die Leiterin für integrierte Stadtentwicklung Marion Schmitz-Stadtfeld und Projektleiter Daniel Winter
Projektleiter Daniel Winter erläutert die zehn Thesen zur Kreisfreiheit

Ebenfalls spräche für eine Kreisfreiheit, die Verlegung des Kreissitzes nach Gelnhausen im Jahr 2005. "Dies zeigte schon damals eine weitsichtige thematische Schwerpunktverschiebung in den ländlichen Raum und nimmt die Auskreisung Hanaus strategisch vorweg", so Winter. Bliebe jedoch die Grimmstadt im Kreis, würde eine neue Prioritätensetzung des Kreises erfolgen müssen. "Oft heißt es Hanau bekommt eine Extra-Wurst, aber wir sprechen hier von einer bundesdeutschen Normalität", betonte OB Kaminsky, "Hanau ist bislang die einzige Stadt, bis auf eine Ausnahme, die bei ihrer Größe nicht kreisfrei oder der Kreissitz ist." Die Studie wird im nächsten Schritt dem Kreisausschuss vorgelegt.+++