HANAU

„Ausgrenzung verhindern und jeder Form des Hasses entgegentreten“

Ein Jahr nach den Mordanschlägen von Hanau: Evangelische Kirchen gedenken der Opfer von Hanau - Archivfoto KN/Tobias Rehbein


Mittwoch, 17.02.2021

Anlässlich des Jahrestags des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau hat der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung die gemeinsame gesellschaftliche Herausforderung betont, Ausgrenzung und Menschenverachtung entgegenzutreten. Am 19. Februar 2020 hatte ein Attentäter in Hanau neun Menschen aus Einwandererfamilien, seine Mutter sowie sich selbst erschossen. Viele evangelische Kirchen öffneten nach dem Anschlag und boten Andachten an. Im Gedenken an die Opfer hatte damals auch die hessen-nassauische Kirche an ihren öffentlichen Gebäuden die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

Kirchenpräsident: Rassistischer Terror in der Mitte der Gesellschaft

Auch ein Jahr später ist es nach Worten Jung noch immer „schockierend, mit welch abgrundtiefer Menschenverachtung die Tat verbunden war“, so der Kirchenpräsident am Dienstag in Darmstadt. Hanau habe zudem gezeigt, dass rassistisch motivierter Terror „in der Mitte der Gesellschaft wächst“. Jung: „Rassismus vergiftet Gesellschaften. In Hanau und überall auf der Welt“. Die biblische Botschaft zeigt nach Ansicht Jungs einen Weg, wie Menschen zusammenleben können und sollen. „Gottes Geist will Menschen über alle Grenzen hinweg zu einer weltweiten Gemeinschaft miteinander verbinden“, so Jung. Christinnen und Christen seien dazu aufgerufen, „Gottes Liebe, die allen Menschen gilt, in dieser Welt zu bezeugen“. Deshalb hätten die Kirchen eine besondere Verantwortung, „aus dem Glauben heraus gesellschaftliche Ausgrenzung zu verhindern und jeder Form von Hass entgegenzutreten.“

Hanau: Friedensgebete in Marienkirche am Freitag

In Hanau, das größtenteils auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) liegt, finden am Freitag zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt. Zu Friedensgebeten wird am 19. Februar die Hanauer Marienkirche von 12 bis 20 Uhr öffnen. Zu jeder vollen Stunde soll es mit dem Glockengeläut ein Gebetsangebot geben. Den Auftakt macht am Freitagmittag die kurhessen-waldecksche Bischöfin Beate Hofmann. An der Eröffnung um 12 Uhr wird auch die kommissarische Dekanin des angrenzenden Dekanats Dreieich-Rodgau der hessen-nassauischen Kirche, Sonja Mattes, teilnehmen.

Hessen-Nassau: Aktionen in Gemeinden zum Jahrestag

Aus Solidarität haben auch hessen-nassauische Kirchengemeinden zu Aktionen am Jahrestag des Anschlags aufgerufen. So lädt das auch zwei Hanauer Stadtteile umfassende Dekanat Dreieich-Rodgau ein, mit dem Evangelischen Dekanat Hanau am Freitag um 19.02 Uhr in ein gemeinsames Geläut einzustimmen. Zum Zeitpunkt des Anschlags vor einem Jahr sollen die Glocken zu stillem Gebet und Totengedenken aufrufen. (Internet: https://dreieich-rodgau.ekhn.de)

Dekanin Mattes: Zeichen für Zusammenleben setzen

"Damit wollen wir gemeinsam den Opfern rechten Terrors in Hanau und anderswo gedenken, unsere Fürbitten für die Hinterbliebenen und unsere Überzeugung ausdrücken, dass gelingendes Zusammenleben nur in einer solidarischen, toleranten und offenen Gesellschaft möglich sind", begründet die kommissarische Dekanin des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau, Sonja Mattes, ihr Engagement. Auch das Evangelische Stadtdekanat Darmstadt will am Freitag bei seiner Dekanatssynode an den Anschlag von Hanau erinnern. Es ruft, wie auch Dreieich-Rodgau, zu Fürbitte für die Opfer in den bevorstehenden Gottesdiensten am kommenden Sonntag auf.

Soziale Netzwerke: Aktion in Facebook geplant

Das Gedenken soll zudem nicht nur vor Ort und in angrenzenden Gemeinden, sondern auch im Internet stattfinden. Unter dem Motto „Ein Licht für Hanau“ startet die EKKW auf dem Sozialen Netzwerk Facebook eine besondere Aktion unter https://www.facebook.com/kirchenkreishanau/. Hier können virtuelle Kerzen angezündet werden, die dann ihren Weg in die Marienkirche finden: Für jedes online geteilte Kerzenbild soll vor Ort eine echte Kerze entzündet werden.

Fachgespräch: Journalistischer Austausch zu medialen Folgen

Bereits im Vorfeld des Jahrestages hatte die Öffentlichkeitsarbeit der EKHN Journalistinnen und Journalisten am Mittwoch zu einem Fachgespräch über die medialen Folgewirkungen des Anschlags von Hanau eingeladen. Unter dem Titel „Vom NSU über Halle bis Hanau – Diskursverschiebungen in der Berichterstattung? diskutierten die Teilnehmenden bei einem „Interkulturellen Mediendialog“ per Videokonferenz unter anderem darüber, ob die Sensibilität für interkulturelle Fragen in den Redaktionen seitdem zugenommen hat. (pm) +++

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