HANAU

Bundespräsident Steinmeier: "Lasst nicht zu, dass diese böse Tat uns spaltet"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Rede - Foto: picture alliance/dpa /Boris Roessler


Freitag, 19.02.2021
von MORITZ PAPPERT

Hanau ist in tiefer Trauer: Bei einer Gedenkfeier im Congress-Park Hanau wurde der neun jungen Menschen gedacht, die am 19. Februar 2020 durch rassistische Morde ihr Leben verloren. Neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Volker Bouffier nahm auch der Hanauer Fußballer Rudi Völler als Ehrengast teil. In der ganzen Stadt gab es außerdem Aktionen, Mahnwachen und Gedenkminuten.

Fotos: Tobias Rehbein

"Es dauerte fünf Minuten und sechs Sekunden, in denen neun Menschen starben", so beginnt die ergreifende Trauerfeier mit den Angehörigen und Politikern im Congress-Park. In einem Film der Stadt Hanau wurde die Tatnacht aus Sicht der Familien nacherzählt. Zuvor hatte der ehemalige Fußballer und Hanauer Ehrenbürger Rudi Völler ein Wilhelm-Grimm-Zitat verlesen.

"Mehrheit muss sichtbar werden"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fordert in seiner Gedenkrede Antworten für die Angehörigen. "Aufklärung und Aufarbeitung stehen nicht in freiem Ermessen. Sie sind die Bringschuld des Staates gegenüber der Öffentlichkeit und der Angehörigen." Wie der Mord an Walter Lübcke und das Attentat in Halle seien auch die Morde in Hanau kein Zufall gewesen.

Auch wenn der Schmerz nicht geringer geworden sei, mahnt er: "Das Böse wird nicht durch Böses besiegt." Der Staat sei gefordert, aber genauso auch jeder einzelne von uns. "Ich versichere ihnen: die überwiegende Mehrheit in unserem Land ist gegen Ausgrenzung und Rassismus", sagt Steinmeier. Diese Mehrheit müsse sichtbar werden. Zum Schluss mahnt er: "Lasst nicht zu, dass diese böse Tat uns spaltet."

Ministerpräsident Volker Bouffier
Ministerpräsident Volker Bouffier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

"Nichts ist mehr, wie es einmal war"

Nach der Gedenkrede wurden Videos gezeigt, in denen die Angehörigen der Familien lückenlose Aufklärung forderten. Unter anderem müssten offene Fragen, wie der Besitz des Waffenscheins des Attentäters und der verzweifelte Versuch, den Notruf zu alarmieren, aufgeklärt werden.

In einer Rede sprach Armin Kurtovic, der Vater von Hamza, im Namen der Angehörigen. "Nichts ist mehr, wie es einmal war", sagt er. Er bedankte sich auch bei Bundespräsident Steinmeier und besonders bei Oberbürgermeister Claus Kaminsky für seinen Einsatz. Die breite Anteilnahme der Menschen gebe den Familien Kraft, Trost und Zuversicht. "Unsere Kinder waren keine Fremden. Sie waren liebevolle Kinder, Eltern und Geschwister", sagt Armin Kurtovic.

Am Ende der Gedenkfeier läuteten in der ganzen Stadt die Glocken - exakt fünf Minuten und sechs Sekunden lang. +++

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