MAIN-KINZIG-KREIS

Nur mit innovativen Ideen sind Landwirte im Kreis gewappnet

v.l.): Roland Reidel, Winfried Ottmann, Srita Heide, Helga Schmidt, Thomas Rau - Foto: privat


Montag, 01.03.2021

Niedrige Milch- und Getreidepreise, strenge EU-Regularien, immer weniger Ackerland und dazu noch die oft mühselige Suche nach einem Nachfolger – Landwirte sehen sich seit Jahren mit einer ganzen Reihe existenzieller Herausforderungen konfrontiert. Das ist im Main-Kinzig-Kreis nicht anders. Winfried Ottmann, als CDU-Kreisbeigeordneter für Veterinärwesen und Verbraucherschutz zuständig, ließ sich gemeinsam mit Srita Heide, Vorsitzende des Kreisausschusses für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Umwelt und Landwirtschaft (WEVUL) darüber informieren, wo die heimischen Bauern der Schuh drückt. Sie trafen sich zu einem Gespräch vor Ort mit Helga Schmidt, Mitinhaberin eines mittlerweile in vierter Generation geführten landwirtschaftlichen Familienbetriebs in Ronneburg.

Landwirtschaftlicher Kreislauf

Neben Milchviehwirtschaft und Ackerbau betreibt die Familie Schmidt seit einigen Jahren zudem seit 2012 eine Biogasanlage mit einer Leistung von insgesamt 445 KW und ist auch in Sachen Photovoltaik aktiv. Die Biogasanlage ist mit dem Milchviehstall gekoppelt und wird durch die anfallende Gülle, Mist und einem geringen Anteil Silage betrieben. Mit den Gärresten aus der Anlage werden die Felder gedüngt. So kommen erneuerbare Energien vom Feld, ernähren die Kühe, produzieren Strom – und die Restnährstoffe werden den Feldern wieder zugeführt. Der Kreis schließt sich.

Mittlerweile haben auch die vier Söhne Verantwortung übernommen und arbeiten mit. Der landwirtschaftliche Betrieb läuft also sozusagen geräuschlos. Doch Helga Schmidt weiß aus Gesprächen, dass viele, gerade kleinere Höfe es hier weitaus schwerer haben. Viele Kollegen hätten in den vergangenen Jahren ihre Betriebe auflösen müssen; mit den psychologischen Folgen stünden die Familien, die seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten in der Landwirtschaft tätig waren, meist alleine da. Winfried Ottmann: „Das dürfen wir nicht zulassen. Es ist Aufgabe von Politik und den zuständigen Verwaltungsstellen, vor Ort zuzuhören und den Landwirten unterstützend zur Seite zu stehen.“

Srita Heide ergänzt: „Moderne Landwirtschaft ist heute ohne unternehmerisches Denken gar nicht mehr möglich.“ Viele Landwirte hätten sich bereits ein zweites Standbein aufgebaut, sei es Direktvermarktung, erneuerbare Energien oder Tourismus. Nur so sei es möglich, sich ein festes Einkommen zu sichern, unabhängig von Preisschwankungen auf dem Milch- oder Getreidemarkt.

Bei der Innovation ist noch Luft nach oben

Auf ihrem Hof hält die Familie Schmidt rund 650 „glückliche Hühner“. Sie wohnen in einem Hühnermobil in Freilandhaltung artgerecht und umweltschonend. 2019 haben die Schmidts ihren Hofladen eröffnet, das „Ronneburger Eiernest“. „Auch viele andere Bauern in der Region sind innovativ, haben neue Geschäftswege gefunden und tragen zum Unternehmergeist in der Region bei“, so Winfried Ottmann. Dass in der Landwirtschaft in Sachen Innovation noch Luft nach oben ist, davon ist auch Helga Schmidt überzeugt.

Von ihr wollten die beiden CDU-Kreispolitiker abschließend wissen, wie sie persönlich junge Menschen für die Arbeit in der Landwirtschaft gewinnen will. „Meine vier Söhne, die in den Familienbetrieb integriert sind, sind das beste Beispiel, das auch andere junge Menschen motivieren kann. Meine Erwartungen sind ein gutes Miteinander mit der Gesellschaft und Anerkennung für unseren Berufsstand, auch wenn’s mal Laut ist oder es nach Gülle riecht.“ (pm)+++

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