SCHLÜCHTERN

Geschäftsmodell bewährt sich auch in der Krise

Der Sparkassen-Vorstand in alter und neuer Besetzung Von links: Rene Daniel, Thomas Maus, Torsten Priemer - Foto: privat


Samstag, 27.03.2021

Der kürzlich ausgeschiedene Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Schlüchtern, Thomas Maus, zieht ein positives Fazit zum letzten von ihm verantworteten Geschäftsjahr. „Das Geschäftsmodell einer kleinen Sparkasse mit kurzen Wegen, engagierten Mitarbeitern und treuen Kunden hat sich in der aktuellen Corona-Pandemie bewährt“, bezieht Thomas Maus Stellung.

„Das Jahr war aufregend und anstrengend“, ergänzt sein Nachfolger im Amt, Torsten Priemer. Trotzdem seien Ergebnisse erzielt worden, die er als auskömmlich bezeichnet. Insbesondere das weiterhin ungebremste Wachstum der Kundeneinlagen prägt dabei die Sparkassenbilanz. Mit einem Wachstum um 8% oder 38,6 Mio. Euro hat die Sparkasse die 500-Millionen-Euro-Marke in diesem Bereich deutlich übersprungen. „Insbesondere im vierten Quartal haben die Kunden, überwiegend die Privatkunden, ihr Geld zusammengehalten und auf Tagesgeldkonten geparkt“, erklärt Priemer. Er wertet diese Entwicklung als Vertrauensbeweis in unsicheren Zeiten. Belastend wirke dies auf der anderen Seite darin, dass die Sparkasse für Kundengelder, die sie nicht wieder als Kredite ausleihen kann, Minuszinsen bezahlen muss. Diese Entwicklung behalte die Sparkasse auch weiterhin im Blick. In direkten Gesprächen mit Kunden wurde dabei auch bereits die Weitergabe von Minuszinsen einvernehmlich vereinbart. Diese Entwicklung werde sich auch 2021 fortsetzen.

Stolz ist Priemer auf Berater und Kunden gleichermaßen bezogen auf ihr Verhalten im Frühjahr 2020, als die Börsenkurse rasant eingebrochen sind und alle kühlen Kopf bewahrt und optimal reagiert haben. „Kunden und Berater haben die Chancen in dieser Entwicklung gesehen und gezielte Nachkäufe getätigt, so dass sie sich nun über satte Kurszuwächse freuen“, berichtet Torsten Priemer. Die Wertpapierkäufe der Kunden sind im Jahr 2020 um 52,1% auf 47,1 Mio. Euro angewachsen. Nach Abzug der Verkäufe verbleibt ein sehr gutes Nettobestandswachstum von 6,3 Mio. Euro im Wertpapierbereich. Dies bedeutet für die Sparkasse das erfolgreichste Wertpapiergeschäftsjahr in ihrer Geschichte.

Auch im Kreditgeschäft wartet die Sparkasse mit einer neuen Bestmarke auf. Um 31,6% auf 41,9 Mio. Euro wurden die Zusagen für Baufinanzierungen ausgeweitet. „Wir haben eine hohe Nachfrage in einem umkämpften Markt erlebt und dabei sehr gute Erfolge erzielt“, erläutertThomas Maus. Dabei ist es ihm wichtig zu betonen, dass trotz des hohen Wachstums nur die Finanzierungen mit Kunden vereinbart wurden, die angesichts Bonität und Besicherung für beide Seiten vertretbar waren. Dies gilt auch im Bereich der Unternehmenskunden, wo die Sparkasse neue Darlehen über 21,4 Mio. Euro zugesagt hat. In Summe erzielt die Sparkasse netto ein Wachstum im Kreditgeschäft von 7,8 Mio. Euro.

Gerade das Kreditgeschäft war 2020 mit besonderen Herausforderungen verbunden. In Folge der Corona-Pandemie überschlugen sich wochenlang die Neuigkeiten im Bereich der Hilfskredite und Möglichkeiten zur Ratenaussetzung. Die regulatorischen Auflagen rund um das Recht der Kunden auf eine Darlehensratenaussetzung aufgrund von Pandemie-bedingten Umständen ärgert Thomas Maus: „Allen Kunden, die einen Ratenaussetzungswunsch hatten, wären wir auch ohne die gesetzliche Grundlage entsprechend entgegengekommen – aber eben mit deutlich weniger bürokratischem Aufwand.“ In mehreren hundert Fällen haben Kunden die auch aktiv von der Sparkasse angebotene Möglichkeit genutzt und sich finanziellen Freiraum verschafft. Mit Corona-Hilfskrediten war dies in weit geringerem Umfang erforderlich. Viele Gespräche wurden von Beratern hierzu mit den Kunden geführt. In vielen Fällen sah der Kunde angesichts seiner besser als erwarteten wirtschaftlichen Lage dann doch von der Kreditbeantragung ab. In einigen Fällen musste die Sparkasse die Kundenanfrage nach Hilfskrediten ablehnen, da nur Unternehmen, die vor der Krise gesund waren, Anspruch darauf hatten. „Diesen Kunden haben wir dann häufig mit alternativen Programmen oder Sparkassendarlehen helfen können“, ergänzt Torsten Priemer.

In den weiteren Geschäftsbereichen der Sparkasse hat sich die Pandemie unterschiedlich ausgewirkt. So konnte die Sparkasse beispielsweise ihr Geschäft mit Lebens- und Rentenversicherungen um 4% auf 5,9 Mio. Euro ausweiten. Bausparverträge hingegen erlebten einen Rückgang um 12% auf 16,0 Mio. Euro, was aus Sparkassensicht immer noch einen respektablen Wert darstelle, so Priemer.

Bezogen auf die Ertragslage zeigte sich beim Zinsüberschuss, dem Kernertrag der Sparkasse, ein weiterer Rückgang auf nun noch 9,9 Mio. Euro. Den Rückgang erklärt Thomas Maus mit gesunkenen Erträgen aus den Beteiligungen der Sparkasse und dem nochmal gesunkenen Zinsniveau, das die Finanzierungen für Kunden noch preiswerter macht. Bei stabilen Provisionserträgen, Personal- und Verwaltungsaufwendungen erreicht die Sparkasse ein Betriebsergebnis, aus dem sie problemlos die Risiken aus dem Kredit- und Wertpapiergeschäft kompensieren kann. „Wir haben im Bewertungsergebnis im Kreditgeschäft dabei besondere Vorsicht walten lassen und vorsorgliche Reserven für mögliche Problemfälle in der Zukunft gebildet“, erklärt Thomas Maus. Der Bilanzgewinn der Sparkasse wird voraussichtlich von 720 TEUR auf 625 TEUR zurückgehen. Angesichts der weiter aufgestockten Reserven ist der scheidende Vorstandsvorsitzende mit seinem letzten Geschäftsjahr unter den gegebenen Umständen aber zufrieden.

Für das neue Geschäftsjahr hat der neue Sparkassenvorstand um Torsten Priemer und René Daniel neben der Fortführung der erfolgreichen Geschäftsentwicklung vor, weitere Akzente zu setzen. Besonders am Herzen liegen ihnen die Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und die Verbesserung der Prozesse im Kundengeschäft.

Beim Thema Nachhaltigkeit sieht Torsten Priemer bereits sehr gute Grundlagen. „Die Kreissparkasse Schlüchtern verfolgt aus ihrer Natur heraus bereits eine nachhaltige Geschäftspolitik. Dies gilt es aber weiter zu vertiefen“ erklärt Priemer. Der eigene Ressourcenverbrauch, die Berücksichtigung bei Eigenanlagen und im Kreditgeschäft sowie im Risikomanagement sind weitere Handlungsfelder in diesem Bereich.

Beide Vorstände wollen die Digitalisierung weiter nach vorne bringen. Etwa 20% der Mitarbeiter befinden sich regelmäßig im Home-Office, viele Prozesse wurden bereits mit dem Auszug aus der alten Hauptstelle digital organisiert. Die Online-Quote im Kundengeschäft liegt mittlerweile bei 60% im Privat- und 80% im Firmenkundengeschäft. Auf diesem Wege gelte es weiter zu arbeiten, sind sich die Sparkassenvorstände einig. Wichtig ist René Daniel dabei, dass sowohl im Kunden- wie auch im Mitarbeiterkreis der persönliche Kontakt weiterhin unersetzlich bleibt. „Auch in der Corona-Pandemie zeigen wir in unseren Beratungscentern und im Digitalen Beratungscenter, dass wir persönlich für die Menschen da sind. Das wird honoriert.“

Mit dem Motto Fair – Menschlich - Nah überschreiben sie ihre strategische Ausrichtung, die sie in den nächsten Jahren mit der Kreissparkasse Schlüchtern umsetzen wollen. Ziel bleibe es, als die heimische Bank mit Menschen aus der Region für die Menschen aus der Region besten Service und beste Beratung zu leisten. (pm) +++

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