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Handel mit gefälschten Impfpässen nimmt zu: Fälschungen auch in der Region im Umlauf?

Der Handel mit gefälschten Impfpässen ist eine schwere Straftat. - Symbolbild: pixabay


Montag, 26.04.2021

REGION - Eigentlich hätte man damit rechnen können: Kriminelle handeln offensichtlich bundesweit mit gefälschten Impfpässen, die dem Eigentümer eine Doppel-Impfung gegen Corona attestieren. Wie das Politmagazin "Report Mainz" recherchiert hat, werden unter anderem im Messengerdienst Telegram gefälschte deutsche Impfpässe zum Kauf angeboten. Beworben werden die Fälschungen mit Fotos, auf denen Stempel, Unterschriften und Aufkleber mit Chargennummern der Impfdosen abgebildet sind. Dass es sich nicht um die echten Einträge einer zweifachen Impfung gegen COVID-19 handelt, ist für Laien nicht zu erkennen. 

Der Stempel weist jeweils aus, dass die Dokumente aus großen deutschen Impfzentren wie Frankfurt, Düsseldorf oder München stammen. Nachdem es Reportern gelungen war, Kontakt zu einem der kriminellen Händler aufzunehmen und Kaufinteresse vorzutäuschen, konnten tatsächlich zwei solche Fälschungen sichergestellt werden. In dem Fernsehbeitrag berichtet der verpixelte Händler freimütig, warum er Geschäfte mit den gefälschten Urkunden macht.

Er habe als Selbstständiger selbst in der Pandemie sonst keine Verdienstmöglichkeiten, bekomme keine Staatshilfen und müsse schließlich seine Familie ernähren. Für ihn scheint der illegale Handel die einzig logische Konsequenz zu sein. Skrupel, mit den Fake-Ausweisen Menschenleben zu gefährden, hat er augenscheinlich nicht. "Im Gegenteil, mir sagen die Leute, die Spritze bringe ja die Menschen um", argumentiert er. Und rühmt sich noch seiner großartigen Geschäfte: In Fulda habe ihm gerade jemand 30 Impfpässe auf einmal abgekauft!

Handel und Nutzung falscher Impfpässe ist strafbar!

Dabei steht eindeutig fest: sowohl Handel als auch Nutzung der falschen Impfpässe sind strafbar. Kriminologen sehen darin nicht nur den Strafbestand der Urkundenfälschung und gewerbsmäßigen Betrug, sondern auch Beihilfe zur vorsätzlichen Körperverletzung. Die Zahl der potenziell Betroffenen sei unüberschaubar hoch, denn durch die Fälschungen werde verhindert, dass die staatlichen Strategien zur Eindämmung der Pandemie greifen könnten. 

Wie viele solcher Fakes schon in Umlauf sind, ist derzeit völlig unklar, doch man kann sicher sein: die Tendenz ist steigend. Auch das Polizeipräsidium Osthessen in Fulda sagt aktuell auf KINZIG.NEWS-Nachfrage, man habe noch keinerlei Erkenntnisse zu den gefälschten Impfpässen. Wie auch, wenn nur ganz wenige überhaupt erkennen können, dass es sich um falsche Papiere handelt. Außerdem können die Besitzer damit noch so gut wie nichts anfangen, weder kann man sich damit irgendwo nennenswerten Eintritt verschaffen, noch sonstige Privilegien nutzen. Wirksame Abhilfe gegen das offenbar zu leicht gemachte Fälschen wird erst die Einführung eines digitalen Impfpasses bringen, den die EU-Kommission auf der Agenda hat.

Hier ist der Report Mainz-Beitrag verlinkt: https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/report-mainz/videosextern/corona-impfung-nur-auf-dem-papier-102.html (Carla Ihle-Becker) +++ 

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