HANAU

Erstes Hessenliga-Heimspiel seit 33 Jahren: Hanau 93 fiebert Bad Vilbel entgegen

Interview vor dem Heimspiel-Auftakt: Abteilungsleiter Giovanni Fallacara, Spielertrainer Michael Fink und KN-Reporter Tobias Herrling (v.l.). - Fotos: Jonas Wenzel (Yowe)

01.08.2019
von: Tobias Herrling

Der 1. Hanauer FC 1893 ist zurück im hessischen Oberhaus: als Dritter der Aufstiegsrunde rückten die 93er nach dem Rückzug des FSC Lohfelden in die Hessenliga nach. Zum Auftakt holte die Elf von Michael Fink ein 1:1-Unentschieden beim SC Waldgirmes, nun gastiert Nachbar FV Bad Vilbel am Samstag (15 Uhr) an der Hanauer Kastanienallee.

„Wir blicken mit besonderen Gefühlen dem Heimspiel entgegen. Das war das Ziel vieler Spieler, die seit einigen Jahren dabei sind“, sagt Michael Fink, als KINZIG.NEWS am Mittwochabend vor dem Training den Ex-Profi und Abteilungsleiter Giovanni Fallacara zum Interview trifft. Die Vorfreude auf das erste Hessenliga-Heimspiel seit 1985 ist beim HFC riesig.

An der Kastanienallee in Hanau wird seit diesem Jahr wieder Hessenliga-Fußball angeboten
Spielertrainer Fink ist Ex-Profi und das Zugpferd der 93er
Kurz vor dem Trainingstart am Mittwochabend: Fink auf dem Weg zur Mannschaft.

Der Bundesliga- und Champions-League-erfahrene Fink ist zum zweiten Mal für den ältesten Fußballverein Hessens tätig. In der Saison 2017/2018 noch als Spieler, seit der Schlussphase der vergangenen und für die nun laufende Spielzeit als Spielertrainer. Über Abteilungsleiter Fallacara und Gießens Trainer Daniyel Cimen kam einst der Kontakt zu den 93ern zustande.

„Mir war schnell klar, was der Verein den Leuten bedeutet und wie viel Herzblut hier reingesteckt wird“, erklärt Fink, weshalb er sich dem Klub verbunden fühlt und in der letzten Runde als Interimstrainer einsprang. Denn Hanau hatte seinen komfortablen Vorsprung verspielt, scheiterte in der Aufstiegsrunde und stellte sich auf eine weitere Saison in der Verbandsliga ein.

„Die Rückrunde war ein Schandfleck für uns, das dürfen wir nicht weg reden“, blickt Fallacara noch einmal auf die letzte Saison zurück. Der glücklichen Fügung, dass Lohfelden nach dem Stichtag 15. Mai zurückzog, war es zu verdanken, dass der HFC nun doch in die Hessenliga zurückkehren durfte.

Abteilungsleiter Fallacara ist seit Jahren für den Verein tätig

„Wir waren eigentlich durch mit unserer Planung und mussten im Nullkommanix einen Hessenliga-Kader auf die Beine stellen. Wir haben schwer geschuftet und ich habe mit Michael glaube ich mehr gesprochen als er mit seiner Frau“, beschreibt Hanaus Abteilungsleiter die Herausforderung, binnen kurzer Zeit einen ligatauglichen Kader zusammenzustellen. 

Trotz Zeitnot, sehen sich Hanaus Verantwortliche für die Hessenliga gerüstet. „Jeden Spieler, den wir haben wollten, haben wir auch bekommen – und das liegt eben an Michael“, weiß Fallacara, dass der Name Fink zieht. Der Ex-Profi selbst bleibt bescheiden und sagt: „Wir hauen hier nicht die großen Summen raus, sondern haben mit Nähe zum Verein und Herzblut die Spieler überzeugt, hier mitzumachen.“

An der Kastanienalle, der Heimat der 93er, dreht sich vieles um den prominenten Spielertrainer, der in der letzten Runde mit Gießen Hessenliga-Meister wurde und nun den HFC zum Klassenerhalt führen soll. „Wir haben großes Glück, einen Trainer mit dieser Vita zu haben. Er strahlt so viel Gelassenheit und Ruhe aus. In dieser Liga hat er eigentlich nichts zu suchen, weder als Spieler noch als Trainer“, sagt Abteilungsleiter Fallacara.

Nun kehrte der älteste Fußballverein Hessens in die Hessenliga zurück.

Fink selbst richtet den Blick lieber auf das sportliche Geschehen und den nächsten Gegner Bad Vilbel. Der FV sicherte sich im letzten Jahr als Aufsteiger den Klassenerhalt und unterlag zum Auftakt Regionalliga-Absteiger Dreieich nur knapp mit 2:3. „Dreieich war nicht unbedingt die bessere Mannschaft. Von der Spielanlage war Bad Vilbel absolut ebenbürtig, vielleicht sogar besser“, sah Fink einen starken kommenden Gegner.

Vor fünf Jahren hatten die 93er das Projekt aufgerufen, zum 125. Geburtstag in der Hessenliga zu spielen. Damals spielte der HFC in der Kreisoberliga, mit einem halben Jahr Verspätung hat es der älteste Fußballverein Hessens ins hessische Oberhaus geschafft. „Hanau 93 war zwei Mal in der 2. Bundesliga. Deshalb ist dieser Verein immer verdammt, erfolgreich zu sein“, sagt Fallacara und weiß um die Besonderheiten, für einen Traditionsverein zu arbeiten.

„Egal, was du erreichst, es wird im nächsten Moment wieder on top mehr erwartet. Im Gegenzug ist die Wirtschaft nicht mit dem ganz großen Geldbeutel hier drin“, schildert Fallacara. Mit der Rückkehr in die Hessenliga ist der erste Schritt gemacht, nun will sich der Verein Stück für Stück in der Liga etablieren. Und nach 33 Jahren Abstinenz zu einem dauerhaften Mitglied im hessischen Oberhaus werden. +++