WÄCHTERSBACH

"Mehr lokale Wertschöpfung": Erster Automotive Circle von WI mit intensiver Debatte

Beim ersten Automotive Circle diskutierten namhafte regionale Unternehmer aus der Automotive-Branche über die Herausforderungen der Zukunft. - Foto: WI Main-Kinzig


Mittwoch, 26.05.2021

WÄCHTERSBACH - Es war die gewünschte ehrliche Debatte: Beim ersten Automotive Circle diskutierten namhafte regionale Unternehmer aus der Automotive-Branche über die Herausforderungen der Zukunft, die langsam aber sicher zur Gegenwart werden. Der Circle wurde von der Wirtschaftsinitiative Mittelstand Main-Kinzig (WI) in Kooperation mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Wirtschaftsförderung des Main-Kinzig-Kreises veranstaltet. Kerstin Cieslik-Pfeifer, Geschäftsführerin der WI, und Michael Graf, Kreischef des BVMW, moderierten.

Die Bedeutung der Branche für die Region machte Graf gleich zu Beginn klar: „Gut zehn Prozent aller Beschäftigten arbeiten im Automotive-Bereich.“ Wenn dieser Bereich eine Erkältung habe, „dann hat unsere Region eine schwere Grippe“, sagte Cieslik-Pfeifer. Marc-René Färber vom Beratungsunternehmens Struktur-Management-Partner lieferte zum Einstieg aktuelle Zahlen und Trendanalysen der Branche.

Das sind die Teilnehmer


Teilnehmer am Forum waren unter anderem: Walter Dreßbach, Leiter der Wirtschaftsförderung des Kreises, Thiemo Fojkar aus dem Bundesvorstand des BVMW, Holger Göbel von maxworx, Wilma Koolen-Hermkens von De Beer Breidenbach, Stefan Nodewald von der Commerzbank, Bernd Schuchhardt von Dunlop Tech, Bernhard Wolf von der WOCO-Group, Karl Wolf vom LKS Kronenberger Metallveredelungswerk und Garvin Ruppel von Paul & Co. Das Unternehmen KDK Automotive war gleich mehrfach mit dem obersten Führungsstab vertreten.

Der Tenor der Veranstaltung: Die Branche benötigt mehr lokale Wertschöpfung, eine CO2-neutrale Produktion und muss neue Geschäftsbereiche entwickeln. Bernhard Wolf befürchtet: „Von derzeit circa 800.000 Arbeitsplätzen in der Automotive-Branche dürften 300.000 überflüssig werden.“ Er berief sich dabei auf eine gemeinsame Studie von VDA (Verband der Automobilindustrie) und ifo-Institut. Für diese Angestellten müssten zwingend neue Geschäfts- und Arbeitsbereiche gefunden werden, „natürlich über entsprechende Weiterbildungen oder Umschulungen“.

Ins gleiche Horn blies Wirtschaftsförderer Walter Dreßbach: „Der Technologiewandel sorgt dafür, dass die Anzahl der Teile in einem Fahrzeug immer weiter abnimmt. Das setzt zwangsläufig Mitarbeiter frei.“ Der im Juni in Bad Soden-Salmünster stattfindende E-Mobilitätskongress „emokon“ widme sich genau diesen Themen, sagte Dreßbach.

Veränderung des Mobilitätsverhaltens


Einen großen Einfluss auf die Zukunft der Branche dürfte auch die Veränderung des Mobilitätsverhaltens der Menschen haben, Stichworte seien hier „autonomes Fahren“ und „Digitalisierung“, betonte Holger Göbel von maxworx. Insgesamt also „eine Riesenaufgabe“, wie Thiemo Fojkar vom BVMW-Bundesvorstand betonte. Er arbeite derzeit mit einigen Partnern an On|Pat, einem Netzwerk für automotive Transformation, über das das Bundeswirtschaftsministerium immense Fördermittel für kleine und mittlere Automotive-Unternehmen bereitstelle.

Der Automotive Circle fand übrigens hybrid statt: Die Moderatoren und zwei Gäste saßen im Gründer- und Businesszentrum Kinzig Valley 2 in Wächtersbach, das die Veranstalter zu einem Sonderpreis zur Verfügung gestellt bekamen. Der Rest war zugeschaltet. Um die technisch einwandfreie Umsetzung kümmerte sich Gandayo aus Steinau.

Wilma Koolen-Hermkens von De Beer Breidenbach brachte es am Ende auf den Punkt: „Die Automotive-Branche ist immer noch sexy, dynamisch und innovativ – aber auch herausfordernd.“ Eine intensive Zusammenarbeit der regionalen Automotive-Unternehmen sei deshalb sehr wünschenswert. Kerstin Cieslik-Pfeifer hielt abschließend fest: „Der Bedarf nach Vernetzung und Austausch ist zweifelsohne da.“ Klar sei deshalb schon jetzt: „Es werden weitere Automotive Circles folgen. Wir wollen ein wichtiges und von Synergien erfülltes Netzwerk etablieren.“

Die Wirtschaftsinitiative Mittelstand Main-Kinzig besteht seit 2019. Ihr Ziel ist es, die wirtschaftliche Stabilität und Prosperität der hiesigen Unternehmen sicherzustellen und zu fördern. Die Zahl der Mitglieder liegt mittlerweile bei mehr als 30. Unter wi-main-kinzig.de gibt es weitere Infos zur Initiative, unter emokon-mkk.de findet sich Näheres zum anstehenden E-Mobilitätskongress in Bad Soden-Salmünster. (pm) +++

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