"Wir haben große Sorge"

Bettina Müller im Gespräch mit der Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern

(v.l.) Joachim Wagner, Bettina Müller, Esther Hummel und Klaus Zeller - Foto: WKB


Donnerstag, 01.07.2021

- GELNHAUSEN/SCHLÜCHTERN - Regelmäßig informiert sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Müller bei der Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern über die aktuelle Lage in den Handwerksbetrieben der Region. Vor kurzem traf sie sich deshalb mit Geschäftsführer Klaus Zeller, der Kreishandwerksmeisterin Esther Hummel und dem stellv. Kreishandwerksmeister Joachim Wagner zum Gespräch.

Die Bauhandwerksbetriebe seien zwar insgesamt gut durch die Corona-Pandemie gekommen, aber stünden nun vor einem neuen Problem, berichtet Klaus Zeller. „Trotz voller Auftragsbücher herrscht die paradoxe Situation, dass einige Firmen ihre Mitarbeiter momentan in Kurzarbeit schicken müssen. Das liegt an der extremen Baumaterialknappheit auf dem Markt, die fast alle Gewerke betrifft. Mitunter herrschen monatelange Wartezeiten auf Holz, Beton, Dämmwolle und anderes Material und so kommt die Arbeit auf vielen Baustellen durch fehlende Baustoffe zum Erliegen. Das kann für manche Firmen existenzbedrohend sein.“

Einig war man sich, dass die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes hier eine sinnvolle Maßnahme war, um für Entlastung zu sorgen. „Dass das Kurzarbeitergeld mit vereinfachten Zugangsregeln auf Initiative von Olaf Scholz im vergangenen Jahr auf zwei Jahre verlängert wurde, zahlt sich auch in diesem Falle aus. Bis Ende des Jahres könnte die Materialknappheit überwunden sein, bis dahin bleibt das Kurzarbeitergeld ein wichtiges Instrument, um Arbeitsplätze zu erhalten“ so Bundestagsabgeordnete Bettina Müller.

Ein weiteres Problem für das gesamte Handwerk stelle nach wie vor der Nachwuchsmangel dar. Auch, wenn es den Nachwuchsmangel in vielen Berufen schon vor Corona gab sei er jetzt noch einmal verschärft worden. „Es gab so gut wie keine Berufsorientierung an den Schulen. Die waren nämlich seit März 2020 zeitweise geschlossen. Außerdem gab es kaum Praktika. Der Jugendliche konnte die Berufe und der Betrieb den Jugendlichen gar nicht kennenlernen“, berichtete Klaus Zeller. Mit großer Sorge beobachten die Vertreter der Kreishandwerkerschaft deshalb die aktuelle Lage: „Wir laufen auf einen Eisberg zu, wissen aber nicht, wie weit der heruntergeht."

„Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt insgesamt ist schwierig, 2020 sind sowohl die Zahl der Ausbildungsplätze, als auch die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge deutlich gesunken. Es war wichtig, dass das Arbeitsministerium unter Hubertus Heil das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ erweitert hat. So soll die Zahl der Ausbildungsplätze wieder stabilisiert bzw. erhöht werden. Gleichzeitig sehe ich hier aber auch die Landespolitik in der Pflicht, Konzepte und Programme zu schaffen, die dafür sorgen, dass Jugendliche und Betriebe wieder zusammenfinden. Gut ausgebildete Fachkräfte sind Garant für unsere gute Wirtschaft“, betont Bettina Müller. (pm) +++

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