„Stürze von der Leiter sind die größte Gefahr!"

Auszubildenden im Elektrohandwerk auf Beruf vorbereitet

Foto: privat


Freitag, 03.09.2021

HANAU - "Ich habe mich vorher intensiv erkundigt, auch einige Tests gemacht. Und dann stand für mich fest: Ich will Elektriker werden", sagt Ruben Ludwig. Der junge Bruchköbeler trägt Sicherheitsschuhe, ist mit einer blauen Latzhose bekleidet und steht an diesem Morgen erwartungsvoll auf dem Hof des Berufsbildungs- und Technologiezentrums (BTZ) in Hanau. 

Dort haben sich 57 junge Menschen eingefunden, die jetzt eine Lehre im Elektrohandwerk begonnen haben. Zum dritten Mal veranstaltet die Innung für Elektro- und Informationstechnik Main-Kinzig einen Lehranfängertag für die Berufsanfänger. Sie sollen das der Kreishandwerkerschaft angeschlossene BTZ kennenlernen. Hier werden sie in den kommenden dreieinhalb Jahren ihrer Ausbildung eine Reihe von Lehrgängen besuchen. Die überbetriebliche Ausbildung hat besonders im Elektrohandwerk, das in Zeiten von Smart-Home und Digitalisierung immer komplexer wird, eine zunehmende Bedeutung.

Am Lehranfängertag werden die neuen Lehrlinge aber auch mit Verhaltensregeln vertraut gemacht. Dazu gehört der sogenannte Knigge für Handwerker. Wie gehe ich beim Kunden mit schwerem Werkzeug um? Wie tritt man dem Kunden gegenüber korrekt auf? All dies sind Fragen, mit denen sich ein Kurs des Tages beschäftigt.

Sehr wichtig, mitunter sogar lebenswichtig, ist aber vor allem die Unterweisung in Arbeitssicherheit. Beim Umgang mit Strom sind die Auszubildenden besonderen Gefahren ausgesetzt. "Da gibt es eben Einiges zu beachten", sagt Werner Bonin. Der technische Berater des Fachverbandes Elektro- und Informationstechnik Hessen / Rheinland-Pfalz (FEHR) ist an diesem Tag extra angereist, um den angehenden Elektrikern die fünf Grundregeln zu vermitteln, die Elektriker unbedingt beachten sollten.

 "Freischalten, also Strom abschalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen sowie benachbarte, unter Spannung stehende, Teile abdecken und abschranken", zählt der Fachmann auf. Wer diese Grundregeln bei seiner Arbeit beherzige, sei immer auf der sicheren Seite. Die größte Gefahr lauere jedoch auf der Leiter. Da gebe es die meisten Unfälle, weiß der Praktiker aus Erfahrung. Viele jungen Leute seien die Arbeit in der Höhe nicht gewohnt, da fehlten oftmals auch motorische Fähigkeiten, berichtet er. Deshalb wird Bonin auf dieses Thema besonders eingehen und den Lehrlingen deutlich machen, dass gerade auf der Leiter stets Konzentration vonnöten sei.

Dass die Arbeitssicherheit ein wichtiges Thema ist, kann auch Obermeister Walter Ebert nur unterstreichen. Auch im eigenen Betrieb musste er schon so manchem Kollegen die Leviten lesen, sagt er augenzwinkernd. Etwa, weil dieser auf dem Gerüst nicht ordentlich gesichert war. "Da muss ich schon mal deutlich werden, schließlich ist die Gesundheit unser wichtigstes Gut."

Die Zahl von 57 Auszubildenden könne sich sehen lassen, sagt Ebert bei der Begrüßung und spricht den angehenden Elektrikern sogleich einen Glückwunsch aus: "Ihr habt das Handwerk und ihr habt den Beruf des Elektrikers gewählt. Das waren zwei hervorragende Entscheidungen", so der Obermeister. Er betont, dass die Auszubildenden vor allem einen zukunftssicheren Job gewählt hätten. Es gebe in der Innung keinen einzigen Betrieb, der keine Fachkräfte suche und brauche. Dies unterstreicht auch die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Hanau, Nicole Laupus. Zudem könnten sie die Vorteile einer sehr innovativen und engagierten Innung genießen, so die KH-Chefin. (pm)

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