Zeitenwende im Kurpark

Vom stetigen Rasenmähen zur sinnvollen Heuernte

Die Besucher des Kurparkes in Bad Soden-Salmünster staunten nicht schlecht, als ihnen Mitte August ein Traktor begegnet. - Fotos: Main-Kinzig-Kreis


Sonntag, 12.09.2021

BAD SODEN-SALMÜNSTER - Die Besucher des Kurparkes in Bad Soden-Salmünster staunten nicht schlecht, als ihnen Mitte August ein Traktor mit einer Ballenpresse auf der gemähten Wildblumenwiese begegnet. Der städtische Bauhof hatte für diese Zeit die jährliche Heuernte angesetzt. Ein eher ungewöhnlicher Arbeitsschritt im Vergleich zur sonst üblichen Rasenpflege.

Diese auffällige Veränderung begann vor rund drei Jahren, als im Zuge der Initiative „Main-Kinzig blüht“ zahlreiche Rasenflächen in den beiden Kernstadtteilen Bad Soden und Salmünster sowie in vielen weiteren Stadtteilen zu Blumenwiesen aufgewertet wurden. Nach den vorangegangenen sehr trockenen Sommern sind die Wiesen in diesem Jahr prächtig gewachsen. Jeder Gartenbesitzer und jede Gartenbesitzerin kann ein Lied davon singen.

Nach den guten Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr wurde die geänderte Pflege in diesem Jahr auf weitere Flächen ausgeweitet. Zwei Bauhofmitarbeiter haben die Wiesen gemäht, das Heu das erste Mal gewendet und von den kleineren Flächen auf die nächst größere Wiese gefahren. Dann hat Landwirtin Heike Walenta das Wenden des Heus und das Pressen und die Abfuhr der über 600 Heuballen übernommen.

"Main-Kinzig blüht"

Der Leiter des Bauhofes, Christoph Betz, konnte sogleich mit Zahlen den Erfolg der geänderten Pflegemaßnahmen belegen. Für den Bauhof sind rund 80 Mitarbeiterstunden angefallen, dafür konnten Maschinen- beziehungsweise Lohnstunden in einer erheblich größeren Anzahl für die bis dahin angefallene Rasenpflege eingespart werden. Zugleich muss kein Rasenschnitt kostenpflichtig im Kompostwerk entsorgt werden. Im Gegenteil, es wurde ein hochwertiges Futtermittel produziert. Der größte und nicht mit Geld zu bemessende Mehrwert ist der Gewinn an Biodiversität und Lebensraum auf den Wiesen.

Zahlreiche Insekten erhalten Nahrung und Unterschlupf, Vögel finden Futter für sich und ihre Jungen. Damit dies auch nach der Mahd Bestand hat, bleiben auf jeder Wiese rund 20 Prozent der blühenden Fläche stehen und werden erst im nächsten Jahr mit abgemäht. "Neudeutsch würde man von einer Win-Win-Situation sprechen: Zeit und Geld werden gespart, ein Futtermittel statt Abfall (Grünschnitt) produziert und ein erheblicher Beitrag zum Insektenschutz geleistet", fasst Ralf Geyer, fachlicher Berater vom Landschaftspflegeverband MKK e.V. zusammen.

So nebenbei sehen die blühenden Wiesen auch noch attraktiv aus, laden zum Betrachten, Erfreuen und Blumenpflücken ein und sind ein wichtiger Trittstein im Biotopverbund. Ein Beispiel, welches nach den Vorstellungen der Projektteams weiter Schule machen und von anderen Kommunen übernommen werden soll. Der Landschaftspflegeverband MKK e.V. unterstützt alle Interessierten gerne im Rahmen des aktuellen Projektes „Main.Kinzig.Blüht.Netz“ bei Fragen zum Thema.

Das Projekt setzt der Landschaftspflegeverband MKK e.V. gemeinsam mit dem Main-Kinzig-Kreis um und ist im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Übergeordnetes Ziel ist es, geeignete Flächen im innerörtlichen Bereich aber besonders auch in der freien Landschaft als Lebensräume zu (re-)aktivieren, um dem anhaltenden Insektenrückgang entgegenzuwirken. Umfangreiche Informationen zu Main.Kinzig.Blüht.Netz und was jeder Einzelne tun kann, stehen auf der Projektwebseite www.mainkinzigbluehtnetz.de bereit. (pm)

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