Im Schnitt 2.069 Euro brutto

Gastro-Beschäftigte im Main-Kinzig-Kreis bei Einkommen 38 Prozent unterm Schnitt

Wenn das Glas eher halb leer als halb voll ist - Foto: NGG | Alireza Khalili


Mittwoch, 29.09.2021

MAIN-KINZIG-KREIS - Sie arbeiten dann, wenn andere frei haben, kommen mit ihrem Lohn aber kaum über die Runden: Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte verdienen im Main-Kinzig-Kreis weit unterdurchschnittlich – und könnten aus Geldsorgen ihrer Branche immer häufiger den Rücken kehren. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und verweist auf eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung, die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet hat. Demnach kommen Beschäftigte aus dem Gastgewerbe, die eine Vollzeitstelle haben, im MainKinzig-Kreis auf ein mittleres Monatseinkommen von aktuell nur 2.069 Euro brutto. Zum Vergleich: Branchenübergreifend liegt der Median bei Vollzeit im Landkreis bei 3.328 Euro.

„Wenn Hotel- und Gastro-Beschäftigte 38 Prozent weniger verdienen als der Schnitt, dann darf sich keiner darüber wundern, dass sie sich in Zeiten der Corona-Krise einen neuen Job suchen. Denn viele von ihnen mussten monatelang mit dem Kurzarbeitergeld auskommen, ein Teil der Beschäftigten ist noch immer darauf angewiesen. Das sind harte Einbußen bei einem ohnehin niedrigen Einkommen“, betont Peter-Martin Cox, Geschäftsführer der NGG-Region Rhein-Main. Obwohl die Wirte und Hoteliers ebenfalls stark von den Folgen der Corona-Pandemie getroffen seien, müsse nun alles dafür getan werden, Löhne und Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Gelinge das nicht, dürfte es in vielen Hotels, Gaststätten und Cafés schon bald nicht mehr genügend Personal geben, warnt der Gewerkschafter. Viele Probleme in der Branche hätten dabei lange vor der Pandemie existiert. „Von unbezahlten Überstunden und langen Arbeitszeiten bis hin zu einem rauen Umgangston hinter den Kulissen – viele Missstände sind auch hausgemacht“, so Cox.

An den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Hessen appelliert die NGG, die Zeichen der Zeit zu erkennen und sich zu einer besseren Bezahlung nicht nur pressewirksam zu bekennen, sondern ganz konkret in den anstehenden Tarifverhandlungen. Es müsse dringend etwas getan werden, um den Beschäftigten eine Perspektive nach der entbehrungsreichen Zeit zu bieten. Nur so könnten Beschäftigte mittelfristig gehalten werden. Die erste Tarifrunde im August hätten die Arbeitgeber hingegen verstreichen lassen, ohne ein Angebot vorzulegen. Die Gewerkschaft fordert eine spürbare Erhöhung der Löhne sowie eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen. Die Tarifverhandlungen werden am 25. Oktober fortgesetzt.

„Ein wichtiger Punkt dabei ist eine Stärkung der Tarifbindung. Eine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband sollte nur dann möglich sein, wenn die Tarifverträge akzeptiert werden, die man gemeinsam ausgehandelt hat“, betont Cox. Nach Beobachtung des Gewerkschafters kommt es immer häufiger zu sogenannten Mitgliedschaften „ohne Tarifbindung“. Dieser Trend müsse gestoppt werden, um flächendeckend nicht nur faire Arbeitsbedingungen für das Personal zu haben – sondern auch faire Wettbewerbsbedingungen für die Firmen. (pm)

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