Achtbeinige Mitbewohner gesichtet

Warum es zum Herbstanfang vermehrt Spinnen ins Haus zieht

Zwischen September und Oktober kann man an sonnigen Tagen die filigranen Kunstwerke der Spinnen in der Natur betrachten. - Symboldbild: Pixabay


Dienstag, 20.09.2022

MAIN-KINZIG-KREIS - Zwischen September und Oktober kann man an sonnigen Tagen die filigranen Kunstwerke der Spinnen in der Natur betrachten. Denn plötzlich werden die Spinnennetze für uns von Tau und Nebel hervorgehoben. Doch nicht nur draußen, sondern auch im Haus kommt es in dieser Jahreszeit meist zu vermehrten Begegnungen mit den achtbeinigen Nachbarn.

„Wir werden jedes Jahr gefragt, warum gerade jetzt so viele Spinnen unterwegs sind. Tatsächlich fallen uns die Spinnen im Herbst aber eigentlich nur verstärkt auf. Denn die Spinnen sind nun ausgewachsen, so, dass wir sie eher sehen und einige Arten werden durch die kühlere und feuchtere Witterung mit der Hoffnung auf fette Beute in unsere Häuser gelockt“, sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen.

Wichtige Regulatoren der Insekten in Haus und Garten


So unangenehm vielen der achtbeinige Besuch auch ist, er ist eigentlich kein Grund zur Panik. Denn die heimischen Arten sind für den Menschen völlig ungefährlich. Sie sind den Menschen sogar nützlich, da sie Insekten vertilgen: „Mücken, Motten oder geflügelte Blattläuse sind die bevorzugte Nahrung der Spinnen. Daher unsere Bitte: Töten Sie die unterschätzten Nützlinge auf keinen Fall, sondern setzen Sie sie lebendig wieder vor die Tür!“, erklärt Eppler. Die Bedeutung der Spinnen bei der Regulation der Insektenfauna ist beachtlich. Wer einen kleinen Holzstapel, einen Steinhaufen oder einige abgeblühte Stauden im Garten stehen lässt, kann Spinnen leicht einen Lebensraum schaffen und reguliert so auf natürliche Weise die Insektenfauna.

Für die meisten Spinnenarten ist der Ausflug in unsere vier Wände ein großes Risiko. Denn spätestens mit Einsetzen der Heizperiode wird die Raumluft für sie zu trocken und sie sterben. Kreuzspinne, Zebraspringspinne und Co. sollten daher am besten eingefangen und wieder nach draußen gesetzt werden. Zu den wenigen Arten, die sich das ganze Jahr bei uns wohl fühlen, gehören vor allem die Winkelspinne und die Zitterspinne.

Kein Grund, sich zu ängstigen


Die Winkelspinne gilt vielen als klassisches "Ekeltier", da sie groß, dunkelbraun und dicht behaart ist. Schaut man sich das Tier genauer an, wird man schnell feststellen, dass diese Spinne fast nur aus Beinen besteht. Der eigentliche Körper ist nur etwa zwei Zentimeter groß. Also eigentlich kein Grund, sich zu ängstigen. Vergleichsweise zart gebaut erscheint die Zitterspinne mit ihren dünnen grazilen Beinen und dem kleinen Körper. Obwohl sie also fast regelmäßig als Untermieter anzutreffen ist, fällt sie nicht sehr auf. Häufig bemerkt man die Zitterspinne erst, wenn man zufällig ihr Netz berührt: Denn dann beginnt sie zu zittern!

Öfter noch als die Spinne selbst fallen allerdings ihre großflächigen Netze auf, vor allem, wenn sie verlassen und nach einiger Zeit verstaubt sind. Dieser eher “schwächeren“ Spinne traut man gar nicht zu, dass sie sich mit großen Gegnern anlegt. Dennoch ist gerade sie es, die in Kellerschächten oder im Keller der Hauswinkelspinne nachstellt. Sie pirscht sich an das Opfer an und bewirft sie mit Fäden. Ist das Opfer in seinen Bewegungen gehemmt, wird es von der Zitterspinne in Rotation versetzt und dabei eingesponnen, bis dann der tödliche Biss angesetzt wird. Es spricht also einiges dafür, zumindest diese Spinne im Haus zu dulden.

Wer die achtbeinigen Mitbewohner trotzdem nicht dulden will, den bittet der NABU, die nützlichen Tiere nicht mit Pantoffeln, Staubsaugern oder Zeitungen zu traktieren, sondern in einem Glas einzufangen und nach draußen zu bringen. „Eine gute Abwehr gegen zu viel Spinnenbesuch sind übrigens einfache Fliegengitter“, rät der Landesvorsitzende. (pm)

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