Nach 13 Jahren im Amt

IHK-Präsident Norbert Reichhold nimmt seinen Hut

Dr. Norbert Reihhold (links) begrüßt bei seinem letzten Jahresempfang als IHK-Präsident den Gastredner Professor Manfred Spitzer. - Foto: Schmidt (GNZ)


Freitag, 19.11.2021

HANAU - Als Dr. Norbert Reichhold bei der Begrüßung aus seiner allerersten Ansprache als Präsident der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern im August 2009 zitierte, da mag vielleicht den einen oder die andere im Saal die leise Ahnung beschlichen haben, dass dies nicht ohne Grund geschehe. Wenige Minuten später war eben jener dann auch offiziell: Es sollte, wie ein sichtlich angefasster Norbert Reichhold seinen Gästen mitteilte, sein letzter Jahresempfang als IHK-Präsident gewesen sein. Nach dann 13 Jahren wird er Ende März 2022 von seinem Amt zurücktreten.

Es war ein gleich in mehrerlei Hinsicht „anderer“ Jahresempfang, als ihn die Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft aus der Vergangenheit kannten, und das nicht nur aufgrund des angekündigten Rückzugs des langjährigen Präsidenten. Der noch längst nicht überwundenen Corona-Pandemie geschuldet standen in diesem Jahr statt wie sonst üblich gut 450 diesmal nur ganze 150 Namen auf der Gästeliste – so viele eben, wie es das Hygienekonzept für den Saal im Congress Park Hanau maximal erlaubt hat. Platziert an Tischgruppen gab es für jene ein gemeinsames Abendessen. Durchaus bemerkenswert war überdies der Gastredner, den die IHK diesmal eingeladen hatte.

Einen nämlich, der ausgerechnet die vielbeschworene und in jeder Hinsicht unerlässlich scheinende Digitalisierung vor allem in Hinblick auf ihre die „Nebenwirkungen“ betrachtet – und jene dabei nicht sonderlich gut wegkommen lässt: Professor Manfred Spitzer, Neurowissenschaftler und seit 1997 Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Er hat mehrere Bücher über die in seinen Augen drastischen Nebenwirkungen der Digitalisierung geschrieben, darunter Titel wie „Digitale Demenz“ und „Die Smartphone-Epidemie“ und sagt ziemlich überzeugt, dass Handys dumm, dick und krank machen und überdies unsere Gesellschaft zerstören.

Besonders drastisch seien die gesundheitlichen Folgen dauerhafter Smartphone-Nutzung für Kinder und Jugendliche, deren Augenlängenwachstum noch nicht abgeschlossen ist. Wenn jene andauernd in die Nähe, sprich aufs Handy, schauten, führe das zu Kurzsichtigkeit, erklärte Spitzer – und präsentierte eine durchaus beunruhigende Hochrechnung, nach der im Jahr 2050 beinahe 50 Prozent der Weltbevölkerung kurzsichtig sein werden. „Wenn Jugendliche jeden Tag drei bis vier Stunden auf ihr Smartphone schauen – Netflix und Computer sind da noch gar nicht eingerechnet – wird klar, dass hier aus augenheilkundlicher Sicht ein großes Problem besteht.“ (nic)

Dieser Artikel ist zuerst in der GNZ erschienen. Mehr dazu lesen Sie in der Ausgabe vom 19. November.

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