K.N-Reporter war dabei

"Vermisstenfälle lassen einen nicht mehr los": Suche mit Leichenspürhunden und Tauchern

Polizeitaucher im Einsatz - Fotos: Moritz Pappert


Sonntag, 09.01.2022
von MORITZ PAPPERT

MAIN-KINZIG-KREIS - Fast täglich verschwinden in Deutschland Menschen. Manche begehen Suizid, andere suchen einen Neuanfang, und einige wenige fallen einem Verbrechen zum Opfer. Die meisten Vermisstenfälle können glücklicherweise schnell aufgeklärt werden. Im Main-Kinzig-Kreis wird eine Person seit einigen Wochen vermisst. Die letzte Spur führt auf einen Parkplatz in einem Waldgebiet, in der Nähe zwei Teiche. Die Kriminalpolizei suchte dort nach weiteren Hinweisen. KINZIG.NEWS-Reporter Moritz Pappert war dabei.

Die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt, als Kriminaloberkommissarin Nathalie Köhler auf einem Parkplatz im Main-Kinzig-Kreis steht, rund 20 Polizisten in den Fall einweist. Es weht ein eisiger Wind, die Stimmung ist angespannt. Es steht einiges auf dem Programm. Taucher sind im Einsatz, eine Drohne soll über das Gebiet fliegen und Leichenspürhunde nach der vermissten Person suchen. 

Für Polizistin Nathalie Köhler ist das ein besonderer Tag. Es ist das erste Mal, dass sie als Einsatzleiterin mit Polizeitauchern zusammenarbeitet. "Hinter dem Parkplatz befinden sich zwei Teiche. Möglicherweise könnte die Person dort sein. Das Waldgebiet wurde bereits abgesucht", sagt Köhler. Deshalb sollen die Polizeitaucher heute in dem Gewässer nach Hinweisen suchen. Sie hoffen, die Person zu finden, den Angehörigen Klarheit zu ermöglichen. 

Die Ausrüstung wird überprüft
Die Ausrüstung wird überprüft
Kriminaloberkommissarin Natalie Köhler
Kriminaloberkommissarin Natalie Köhler
Hund Bolle im Einsatz
Hund Bolle im Einsatz

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Der Such-Trupp kommt von der Bereitschaftspolizei in Mühlheim. Die an der Suche beteiligten Männer und Frauen sind Spezialisten für alle technischen Bereiche der Polizei. Absperrungen einrichten, Drohne fliegen, tauchen - für all das sind sie bestens gerüstet. Noch schnell in die Neoprenanzügen steigen und schon geht es rein in die eiskalte Matsch-Brühe. In Halbkreisen ziehen mehrere Einsatzkräfte durch den Teich. Anfangs können sie noch stehen, weiter draußen müssen sie mit Sauerstoffflaschen auf dem Rücken abtauchen. Sicht? Gleich null.

"Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Niemand weiß, ob wir hier heute etwas finden", sagt Kriminaloberkommissarin Köhler. Die 43-Jährige kam vor 23 Jahren zur Polizei, seit mehr als sechs Jahren ist sie bei der Kripo in Gelnhausen. "Bei der Reihenfolge, wie wir bei einer Vermisstensuche vorgehen, kommt es ganz auf den Fall an. Mal kommen zuerst Hundertschaften zum Einsatz, die das Gebiet durchsuchen, mal Mantrailer-Hunde, die den Geruch der Vermissten aufspüren oder auch der Polizei-Hubschrauber." Wenn es Hinweise gibt, die zu einem Gewässer führen, werden auch Taucher eingesetzt. Wie in diesem Fall.

Die Drohne fliegt das Gebiet ab
Die Drohne fliegt das Gebiet ab

Polizeihund "Bolle" im Einsatz

Nach rund einer Stunde meldet sich der Drohnenführer bei Nathalie Köhler. "Kein Ergebnis", sagt er. Die Fährte der Mantrailer-Hunde, die vor wenigen Tagen eingesetzt wurden, führte damals in den Wald. Dort verlor sich dann die Spur. Auch mit einem Hubschrauber wurde schon nach der Person gesucht - erfolglos.

Das Gelände, auf dem die Beamten an diesem Tag im Januar suchen, ist in Privatbesitz. Nach einiger Zeit kommt die Besitzerin. "Sollen wir euch Kaffee bringen?", fragt sie. Die Polizisten nehmen das Angebot dankend an. "Das sind einfach nette Gesten", sagen sie.

Nach einiger Zeit kommen zwei Hundeführerinnen mit Polizeihund "Bolle" zurück von der Suche. Auch sie haben nichts gefunden. Hund "Bolle" ist gerade einmal elf Monate alt. Seit Anfang Dezember ist er in der Ausbildung zum Leichen- und Blutspürhund. "Er ist spezialisiert darauf, Blut oder Leichengewebe aufzuspüren", sagt seine Ausbilderin. Bei der Bereitschaftspolizei in Mühlheim gebe es vier solcher Hunde. "Jeder Hund hat eine andere Spezialisierung. Manche auf Waffen und Sprengstoff. Andere auf Drogen. Oder eben Leichen".

"So etwas lässt einen nicht so schnell los"

Auch die Taucher haben ihre Arbeit gegen Nachmittag beendet. Ein Teich wurde abgesucht, keine Person gefunden. Der andere Teich soll an einem anderen Tag abgetaucht werden. Die Männer und Frauen sind enttäuscht. "Auch über den kleinsten Hinweis wären wir froh gewesen, dann hätte man wieder einen Anhaltspunkt gehabt", sagt Köhler. 

Selbst für die erfahrene Polizistin Nathalie Köhler, die schon einiges in ihrer Laufbahn erlebt hat, ist dieser Fall besonders. "So etwas lässt einen nicht so schnell los. Selbst im privaten Umfeld wird man öfter gefragt, ob es etwas Neues gibt. Dieser Fall ist einfach sehr speziell und nicht wie jeder andere." Auch wenn die Suche an diesem Tag erfolglos war, die Ermittlungen laufen weiter.

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