Impuls von Stefan Buß

Der Stadtpfarrer bei KN: "Von allen Seiten umgibst du mich"

Stadtpfarrer Buß aus Fulda - Archivfoto: KN


Samstag, 29.01.2022
von STEFAN BUß

FULDA/MKK - In schweren Zeiten hilft mir persönlich oft das Gebet der Psalmen. Der Priester ist jeden Tag zum Gebet der Psalmen im sogenannten Brevier verpflichtet. Es sind Psalmengebete zu den bestimmten Tagzeiten im Verlauf eines Tages. Wenn ich im persönlichen Gebet meine Gedanken nicht ordnen kann, helfen mir dann sehr oft die Psalmen.

Diese sind im Judentum und im Christentum poetische religiöse Texte, oft mit liturgischer Funktion. Die Bezeichnung wird vor allem verwendet für die 150 Gedichte, Lieder und Gebete des Buches der Psalmen der hebräischen Bibel bzw. des Alten Testaments. Die Verfasser der Psalmen werden häufig in den Überschriften genannt und einige wenige an anderen Stellen der Bibel. Etwa die Hälfte stammen allein von König David. In der letzten Zeit begleitet mich der Psalm 139: „Herr, du hast mich erforscht und kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du kennst es. Du durchschaust meine Gedanken von fern. Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen. Du bist vertraut mit all meinen Wegen. Ja, noch nicht ist das Wort auf meiner Zunge, siehe, HERR, da hast du es schon völlig erkannt. Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, hast auf mich deine Hand gelegt. Wenn ich hinaufstiege zum Himmel - dort bist du; wenn ich mich lagerte in der Unterwelt - siehe, da bist du. Ich weiß, HERR, DU leitest mich auf gutem, ewigem Weg. Ich vertraue dir.“

Martin Buber (1878-1965), der jüdische Religionsphilosoph, der den bekannten Satz prägte: „Am DU werden wir erst zum ICH“, setzt an den Anfang seiner Übersetzung von Psalm 139 dieses große „DU“. „DU, du erforschest mich und kennest mich“. Am DU Gottes entdecke ich, wer ich bin. Schaue ich darauf, wer dieses DU ist und was es mit meinem Leben zu tun hat, finde ich eine Antwort darauf, wer ich bin. Und genau das tut der Psalmist. Drei Entdeckungen macht ich beim Lesen des Psalms für mich persönlich:

  •  1. Egal, was passiert, ich bin von Gott umgeben. Ich lebe im Angesicht Gottes – ob ich das will oder nicht. Gott ist mein Gegenüber. Was ich auch tue oder lasse, Gott sieht es. Wohin ich auch gehe, er bekommt es mit. Nichts bleibt ihm verborgen, noch nicht einmal meine Gedanken. Ich kann mich Gott nicht entziehen – er ist allgegenwärtig.
  • 2. Ich bin von Gott gewollt. Ich bin von Anfang an gesehen und gewollt. Nicht die Natur, nicht der Zufall, sondern DU hast mich gemacht.
  • 3. Ich bin auf Gottes Seite. Manchmal helfen uns die angefochtenen Zeiten mehr als andere Zeiten, um herauszufinden, wer wir sind und wo wir hingehören. 

Zum Schluss bittet der Psalmist Gott ehrlich um Feedback. Er ist bereit, sein Leben unter Gottes Führung zu leben: „Ich weiß, HERR, DU leitest mich auf gutem, ewigem Weg. Ich vertraue dir.“ Wie tröstend kann ein solches Wort sein vor allem in schwierigen Zeiten. Mich persönlich trägt es auch durch so manches Dunkel hindurch.

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