MAIN-KINZIG-KREIS

20.000 Euro für Hilfsorganisationen: Spendenmarathon der Sauer-Schmidt-Stiftung

Frauenhaus Wächtersbach - Fotos: GNZ

27.08.2019
von: Gelnhäuser Neue Zeitung

Auch in diesem Jahr unterstützt die Sauer- Schmidt-Stiftung mehrere gemeinnützige Hilfsorganisationen: die Frauenhäuser in Wächtersbach und Hanau, Wildwasser in Frankfurt, die Lawine in Hanau und die Hanauer Hilfe. Stiftungsgründer Peter Bierwerth, sein Sohn Michael als frischgebackener stellvertretender Vorsitzender sowie die Vorstandsmitglieder Krista Wurche und Gudrun Benzing übergaben die Spenden persönlich an die jeweiligen Einrich- tungen. In den Gesprächen wurde einmal mehr deutlich, dass alle Einrichtungen auf Spenden angewiesen sind, da die Finanzierung durch staatliche Institutionen bei Weitem nicht ausreicht.

Das Frauenhaus in Wächtersbach ist eine Anlaufstelle für vor häuslicher Gewalt geflüchtete Frauen mit ihren Kindern. Dort erhalten die Betroffenen Beratung und Hilfe. Mit einem Teil der Spende wurde eine Freizeit für Mütter und Kinder finanziert. Weiterhin ist geplant, nach dem dringend nötigen Umbau und der Sanierung des Frauenhauses Anfang nächsten Jahres Spielgeräte für den Garten anzuschaffen. Zurzeit sind die betreuten Frauen mit ihren Kindern in verschiedenen Wohnungen und Häusern untergebracht, was einen erhöhten Betreuungsaufwand bedeutet. Die „Macherinnen“ des Frauenhauses sind sehr kreativ und organisieren neben der Betreuung noch außergewöhnliche Aktivitäten wie zum Beispiel die Ausstellung „Befreiende Kunst”. Gezeigt werden Bilder und Geschichten von gewaltbetroffenen Frauen und Kindern. Nach der Ausstellung im Main-Kinzig-Forum wird die Ausstellung als Nächstes vom 19. September bis 1. Oktober in der Sparkasse Hanau zu sehen sein. Die Bilder mit Begleittexten zeigen in unterschiedlichsten Motiven die Erfahrungen und Geschichten von gewaltbetroffenen Frauen und Kindern auf ihrem Weg in ein neues Leben.

Wildwasser Frankfurt
Lawine Hanau
Frauenhaus Hanau

Wildwasser in Frankfurt wird von einer hauptamtlichen Diplom-Pädagogin geleitet und von einigen Fachkräften in Teilzeit oder ehrenamtlich unterstützt. Nicht gerade eine dicke Personaldecke, um bei sexuellem Missbrauch in den Familien, aber auch in Bildungs-, Sport- und Freizeiteinrichtungen schnell mit Beratung zu helfen. Leider sind die Übergriffe trotz jahrzehntelangen Engagements nicht zurück­gegangen. Zugleich sind über die digitalen Medien neue Formen sexueller Belästigung und Bedrohung für Jungen und Mädchen entstanden. Die Dunkelziffer der Übergriffe, die nicht angezeigt werden, ist sehr hoch. Trotzdem werden die Aktivitäten nun auf den Hochtaunuskreis ausgeweitet, und es sollen Jungen in das Betreuungsangebot aufgenommen werden. Weiterhin ist die Einrichtung einer Online- Beratung geplant, um die Betroffenen zu erreichen, die den Weg in die Beratungsstelle und ein persönliches Gespräch scheuen.

Die Lawine in Hanau ist eine spezialisierte Fachberatungsstelle, die sich für Betroffene von sexueller Gewalt einsetzt und im Bereich Prävention engagiert – in Hanau und im gesamten Main-Kinzig-Kreis sowie zum Teil darüber hinaus. Sexuelle Gewalt ist gesellschaftlich bedingt und kein Einzelschicksal. Kinder, Jugendliche und Frauen sind in keinem Alter vor sexuellen Übergriffen sicher. Meistens erfahren Kinder und Jugendliche sexuelle Übergriffe im nahen familiären und sozialen Umfeld von Menschen, denen sie vertrauen. Hier hilft die Lawine mit Beratung und Therapie für Betroffene sexueller Übergriffe, für ihre Bezugs- und Vertrauenspersonen innerhalb eines sicheren und geschützten Raums. Es werden auch Jungen bis zum Alter von zwölf Jahren betreut. Mit der Zuwendung der Sauer-Schmidt-Stiftung können Projekte wie zum Beispiel ein Präventionstheater in Angriff genommen werden, um so spielerisch die Wahrnehmung von sexuellen Übergriffen zu sensibi­lisieren. Weiterhin werden Präven­tionskurse an Schulen angeboten, für die das Geld der Stiftung gut angelegt ist.

Hanauer Hilfe

Das Frauenhaus in Hanau hat im vergangenen Jahr 45 Frauen und 44 Kindern Unterschlupf geboten. Zum Teil werden die Frauen von der Polizei dorthin gebracht, weil sie um ihr Leben fürchten müssen. Zunehmend suchen Frauen mit Migrationshintergrund, besonders aus Syrien und Afghanistan, Zuflucht. Nicht selten gibt es erhebliche Sprachbarrieren. Hierzu braucht das Frauenhaus ehrenamtliche Dolmetscher, die nicht so einfach zu finden sind. Bezeichnend für die finanzielle Situation ist die Tatsache, dass knapp ein Viertel des Budgets durch Spenden abgedeckt werden muss, um den Betrieb mit Schutz, Unterkunft und Beratung aufrechterhalten zu können.

Prekär für die Frauenhäuser ist die Wohnungsmarktsituation. Viele Frauen sind nach entsprechender Betreuung und Therapien längst in der Lage, ihr Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen und in eine eigene Wohnung zu ziehen. In Gesprächen wird schnell klar, dass immer weniger Vermieter bereit sind, an diese Frauen mit ihren Kindern Wohnungen zu vermieten. So müssen sie in den Frauenhäusern bleiben, und es gibt keinen Platz für akut Bedrohte – ein Teufelskreis.

Die Hanauer Hilfe ist die erste professionelle Beratungsstelle für Opfer und Zeugen von Straftaten in Deutschland. Sie kümmert sich um klassische Opferhilfe, um Zeugenbegleitung zum Beispiel bei Gerichtsverhandlungen und um einen möglichen Täter-Opfer-Ausgleich. Sie unterhält sogenannte Zeugenzimmer in den Gerichten in Hanau und Offenbach, die es den Zeugen ersparen, vor dem Gerichtssaal auf die Angeklagten zu treffen und möglicherweise bedroht zu werden. Beim Täter-Opfer-Ausgleich wird versucht, die aus einer Straftat entstandenen Konflikte zwischen den Beteiligten zu lösen, eine Aussöhnung herbeizuführen und eine Gerichtsverhandlung zu vermeiden. +++