LANGENSELBOLD

Jobkampf bei Thermo Fisher: IG Metall übergibt Forderungen an Geschäftsführung

Mit Fahnen und Trillerpfeifen protestieren die Arbeitnehmervertreter gegen die geplante Stellenverlagerung. - Foto: GNZ

04.09.2019
von: Gelnhäuser Neue Zeitung

Nach rund eineinhalb Jahren Verhandlungen über die Zukunft von rund 80 Arbeitsplätzen stehen die Zeichen in der Langenselbolder Niederlassung von Thermo Fisher Scientific nun auf Streik. Gestern wollten Vertreter der IG Metall Hanau-Fulda ihre Forderungen für einen Sozialtarifvertrag an die Geschäftsführung übergeben. Am Ende mussten sie sich mit dem Briefkasten begnügen.

Im April 2018 hatte die Gewerkschaft bekannt gegeben, dass 101 Stellen in der Langenselbolder Thermo-Fisher-Niederlassung bis Sommer 2019 nach Schottland und Ungarn verlagert werden sollten. Am stärksten betroffen ist die Auftragsabwicklung. Die Arbeitnehmervertreter einigten sich darauf, dass der Betriebsrat mit der Geschäftsführung über die Zukunft der betroffenen Mitarbeiter am Standort verhandeln soll.

Jetzt hat der Konzern die Gespräche offenbar beendet, obgleich keine Einigung in Reichweite war. Das berichtete jedenfalls Betriebsratsvorsitzender Walter Heidenfelder gestern Vormittag vor rund 200 Menschen, die samt roten Fahnen und Plakaten vor dem Werkstor aufmarschiert waren.

 „Wir sind von unserer Maximalforderung abgerückt und haben uns damit einverstanden erklärt, 40 Arbeitsplätze zu behalten. Doch die Geschäftsführung rückt nicht von ihrem Ziel ab, nur 20 der 100 Stellen in Langenselbold zu behalten.“ Stattdessen habe das Unternehmen beim Landesarbeitsgericht die Einrichtung einer Einigungsstelle durchgesetzt. Der Betriebsrat hat Beschwerde eingelegt; die Entscheidung steht noch aus. „Wenn die Verhandlungen in der Einigungsstelle scheitern, kann die Geschäftsführung ihre Pläne umsetzen. Das dürfen wir nicht zulassen“, meinte der Betriebsratschef. „Jetzt ist die Gewerkschaft am Zug.“ 

Verbunden mit den Forderungen nach einem Sozialtarifvertrag hat die IG Metall der Geschäftsführung eine Frist gesetzt, binnen derer sie diverse Termine für Verhandlungen bestätigen soll. Die Frist läuft am Freitag, 13. September, ab. Zeigt sich der Konzern bis dahin nicht gesprächsbereit, soll die Tarifkommission am Donnerstag, 19. September, dann das weitere Vorgehen beraten –– im Klartext, Warnstreiks beschließen.+++