Was ihre Aufgaben sind

Maintals erster Barriere-Scout ist da: Karin Müller

Karin Müller engagiert sich für mehr Barrierefreiheit – sowohl als ehrenamtliches Mitglied im Maintaler Inklusionsbeirat, als auch als zertifizierter Barriere-Scout. - Foto: Stadt Maintal


Dienstag, 22.11.2022

MAINTAL - Wer an Barrieren denkt, denkt oft zunächst an bauliche Hindernisse. Doch Barrieren sind – je nach Behinderung – vielfältig. Deshalb meint Barrierefreiheit nicht nur, Treppen durch Rampen zu ersetzen, sondern alle Bereiche des Alltags so zu gestalten, dass sie von jedem Menschen ohne fremde Hilfe genutzt werden können. Hinweise, wo und wie Barrierefreiheit geschaffen werden kann, gibt Karin Müller. Sie ist Maintals erster Barriere-Scout.

Die Barriere-Scouts sind eine Initiative des Vereins Sozialhelden, der sich für mehr Teilhabe einsetzt. Innerhalb des vielseitigen Engagements sind die Barriere-Scouts ein Baustein. Das Projekt baut darauf auf, dass Menschen mit Behinderung die besten Expert*innen in eigener Sache sind. Sie wissen um die Barrieren im Alltag und können dieses Wissen einsetzen, um sich für deren Abbau und damit für Inklusion, also die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am Alltag und Leben, stark zu machen. Karin Müller gehört dazu.

Die Dörnigheimerin sitzt seit 2019 im Rollstuhl. Sie kennt die Hürden im Alltag nur zu gut. „Deshalb befasse ich mich intensiv mit dem Thema, Barrierefreiheit‘“, berichtet sie. Barrieren, die ihr als Rollstuhlfahrerin die Eigenständigkeit erschweren, sind beispielsweise hohe Bordsteinkanten, schmale Gehwege, Behindertenparkplätze, deren Anordnung nicht durchdacht ist, oder Behindertentoiletten, die nicht wirklich barrierefrei sind, etwa weil die Türen zu schmal sind oder kein Wendebereich vorhanden ist. Diese Hindernisse fallen oft nur Menschen mit einer Beeinträchtigung auf. Deshalb ist ihr Wissen hilfreich, um diese Barrieren abzubauen.


Kostenlose Ortsbegehungen

Auch Karin Müller ist das ein Anliegen. Seit dem Frühjahr gehört sie dem Maintaler Inklusionsbeirat an. Er möchte die Teilhabe von Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen stärken und ihren Belangen mehr Gehör verschaffen. Gerne bringt Müller für diese Aufgabe ihre Erfahrung und ihr Engagement ein. „Während meiner Recherchen bin ich auf die kostenlose Qualifizierung zum Barriere-Scout gestoßen“, erzählt die Dörnigheimerin. Sie zögerte nicht, nahm an der digitalen Schulung teil, studierte die umfangreichen Seminarunterlagen. Kürzlich hat sie die Zertifizierung abgeschlossen – als erster Barriere-Scout in und für Maintal.

Denn als Barriere-Scout bietet Karin Müller innerhalb Maintals kostenlose Ortsbegehungen an und berät Privatpersonen ebenso wie Unternehmen, Gastronom*innen oder öffentliche Einrichtungen in Maintal, wie sie Barrierefreiheit schaffen können. Dabei berücksichtigt sie nicht nur die Bedarfe von Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. „Durch die Zertifizierung hat sich mein Blick geweitet, sodass ich jetzt auch ein deutlicheres Bild davon habe, was Barrierefreiheit für Blinde, Gehörlose oder Autisten bedeutet“, sagt sie. So würden Autisten durch Lärm, Helligkeit oder Musik in Panik geraten. „Deshalb gibt es beispielsweise Supermärkte, die zu bestimmten Zeiten das Licht dimmen und auf Musik und Durchsagen verzichten“, berichtet sie.


Das Zwei-Sinne-Prinzip

Weil Barrieren so vielfältig sind, gibt es für die Überprüfung von Orten oder Veranstaltungen auf Barrierefreiheit eine Checkliste. Sie basiert auf der DIN 18040 und wurde ergänzt durch alltägliche Erfahrung. Damit erlaubt sie, die wichtigsten baulichen Anforderungen zu überblicken, die Menschen mit Behinderungen eine möglichst barrierefreie Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Gebäuden ermöglichen. Das beginnt schon mit der Anfahrt: Ist eine barrierefreie Haltestelle in der Nähe, gibt es ein Blindenleitsystem, werden Informationen nach dem Zwei-Sinne-Prinzip bereitgestellt - zum Bespiel ergänzend zur visuellen Wahrnehmung auch taktile oder auditive Hinweise? Wie sind Rampen, Toiletten, Treppen, Aufzüge, Flure, Informations-, Leit- oder Sicherheits- und Warnsysteme gestaltet?
„Das ist ein ziemlich umfangreicher Kriterienkatalog“, lacht Müller. Oft seien es aber nur kleine Veränderungen, die das Leben für alle einfacher machten, weiß sie. 

Wer mehr über Barriere-Scouts erfahren möchte, kann sich auf der Internetseite der Sozialhelfen informieren, unter www.sozialhelden.de. Wer die Beratung von Karin Müller als Barriere-Scout in Anspruch nehmen möchte, kann persönlich Kontakt aufnehmen unter Telefon 06181 495277 oder per E-Mail an [email protected]. (red)

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