Nur wer hinsieht kann helfen

Aktionstag zum Internationalen Tag „Gewalt gegen Frauen“

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen wurden am Pali-Kino Lichter entzündet, um auf die 414 Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen, die im vergangenen Jahr laut Kriminalitätsstatistik im MKK Opfer wurden. - Foto: Kreispressestelle


Samstag, 26.11.2022

GELNHAUSEN - „Wir richten unser Augenmerk heute gezielt auf ein Thema, das uns große Sorge bereitet: Frauen, die Gewalt erleben, Frauen, die von Gewalt bedroht sind. Durch ihre Partner, ihre Ex-Partner, ihnen nahestehende Menschen. Diese Gewalt findet unter den Augen unserer Gesellschaft statt, sie kann stattfinden, solange wir nicht genau hinschauen.

Sie äußert sich in Schlägen, in Drohungen, aber auch in herabwürdigenden Worten. Jede vierte Frau wird in Deutschland Opfer von Gewalt, am gefährlichsten kann das häusliche Umfeld sein. Deshalb appellieren wir, genau hinzuschauen und Hilfe anzubieten, damit diese Frauen einen Weg aus dieser Gewaltspirale finden können“, erklärt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen und Mädchen am 25. November in Gelnhausen.

Zu diesem Aktionstag finden jedes Jahr Infoveranstaltungen im Pali-Kino in Gelnhausen statt, das Kino mit Betreiber Stephan Schneevogl ist wichtiger Kooperationspartner. Beteiligt sind aber auch die beiden Frauenhäuser in Hanau und Wächtersbach, die Frauenbeauftragten des Main-Kinzig-Kreises  und der Stadt Gelnhausen, aber auch Beratungsstellen sowie Vereine und weitere Initiativen. „Uns eint der Gedanke, dass wir dabei helfen wollen, Frauen ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt zu ermöglichen. Das funktioniert aber nur, wenn unsere Gesellschaft insgesamt dazu bereit ist, jedwede Form der Gewalt zu ächten und dazu beiträgt, dass diese Frauen keine Opfer bleiben“, betont Susanne Simmler. Gemeinsam mit dem Gelnhäuser Bürgermeister Daniel Christian Glöckner hat sie die Schirmherrschaft für den Aktionstag übernommen.

Neben den Beratungs- und Interventionsstellen der Vereine Frauen helfen Frauen e.V. Wächtersbach und Hanau gibt es im Main-Kinzig-Kreis eine ganze Reihe an Anlaufstellen, die Frauen dabei helfen, ihre Situation zu bewerten und Auswege aufzeigen.  „Wichtig ist aber, den ersten Schritt zu gehen. Dabei und bei allen anderen Schritten zurück in ein Leben ohne Gewalt erhalten die Betroffenen Hilfe. Sie werden nicht allein gelassen“, betont Grit Ciani, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Main-Kinzig-Kreises.

Keine Entschuldigungen für Gewalt an Frauen

„Wenn wir von Gewalt gegen Frauen sprechen, müssen wir klar formulieren, dass es keine Entschuldigung für dieses Verhalten gibt. Trennung, Familienkonflikte, der Verlust der Arbeitsstelle, Eifersucht und viele andere Gründe werden gern angeführt, um zu erklären, warum ein Partner oder Ex-Partner gewalttätig geworden ist. Dafür gibt es aber keine Rechtfertigung. Wir müssen die betroffenen Frauen schützen und sie dazu ermuntern, sich aus der Gefahrenzone zu begeben“, betont Heike Schmidt, Frauenbeauftragte der Stadt Gelnhausen. „Gewalt gibt es in allen Bildungsschichten, unabhängig von der Herkunft, Kultur oder der Religion“, erklärt Ulrike Schmid vom Referat für Frauenfragen und Chancengleichheit beim Main-Kinzig-Kreis.

In Gelnhausen wurde vor dem Pali-Kino die Aktionsfahne „Frei leben ohne Gewalt“ gehisst. Eine solche Fahne weht auch am Main-Kinzig-Forum und am Rathaus in Gelnhausen. Im Anschluss begann eine Kinovorführung für Schulklassen. Gezeigt wurde der Film „Die Ungehorsame“. Die Schülerinnen und Schüler sollen dadurch für Zeichen von Gewalt – physisch oder psychisch – sensibilisiert werden. Entweder für sich selbst und die eigenen Beziehungen oder für das Umfeld von anderen. Gerade wenn Sätze fallen wie: „Ich bin die Treppe runtergefallen“, oder „Ich habe mein Auge an der offenstehenden Schranktür verletzt“.

Susanne Simmler freute sich, dass so viele junge Menschen der Einladung gefolgt waren. „Es ist für uns alle ein schwieriges Thema, das uns Unbehagen, ja sogar Angst verursacht. Aber es ist ein wichtiges Thema und ich möchte alle bitten, hinzuschauen und die Betroffenen auch anzusprechen und über das Beobachtete zu reden, auch wenn das schwerfällt“, so Susanne Simmler.

Im Anschluss fand für die jungen Leute eine Podiumsdiskussion statt, dabei hatten sie Gelegenheit, mit den Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser, aber auch Vertretern und Vertreterinnen des Jugendamtes sowie der Polizei zu sprechen. Am späten Nachmittag fand am Pali-Kino noch eine Lichteraktion statt: Ein Licht für jede Frau aus dem Main-Kinzig-Kreis, die im vergangenen Jahr Opfer häuslicher Gewalt wurde. Für die Frauen, die dabei ums Leben kamen, brannte ein rotes Licht. Im Anschluss wurde der Film „Der Taucher“ gezeigt. Ein Film über eine Frau, die von ihrem gewalttätigen Ex-Partner manipuliert wird, damit sie die Anzeige gegen ihn zurückzieht, da deshalb seine Karriere in Gefahr ist. Beim „Talk im Foyer“ gab es Gelegenheit zum Austausch über das Gesehene. (red)

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