MAIN-KINZIG-KREIS

„Wir wollen noch schneller helfen können“ - VMLS-Hospizdienst stellt sich neu auf

Jetzt noch mobiler in Sachen Begleitung: Kerstin Slowik, Birgit Schmidt, Gisela Kuchler (von links) - Foto: Martin Luther Stiftung

08.10.2019
von: PM

Mehr Flexibilität, kürzere Reaktionszeiten und noch mehr Zeit für Schwerstkranke, Sterbende und ihre Angehörigen – diese Ziele haben sich die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des Ambulanten Hospizdienstes der „Vereinte Martin Luther + Althanauer Hospital Stiftung Hanau“ (VMLS) gesteckt. Diakonin Kerstin Slowik (Leitung) und die Koordinatorinnen Gisela Kuchler und Birgit Schmidt wissen, dass die Hilfe der Hospizhelfer oftmals kurzfristig gefragt ist. Dem Bedarf wolle man begegnen: „Sobald der Anruf kommt, springen wir ins Auto“, schmunzelt Gisela Kuchler, die seit Mitte Mai im Team ist. 

Apropos „Auto“: Seit kurzem steht für den Hospizdienst ein eigenes Fahrzeug für die Vor-Ort-Termine zur Verfügung. „Das erleichtert unsere Arbeit ungemein, denn wir sind ja wirklich im ganzen Main-Kinzig-Kreis unterwegs“, erläutert Kerstin Slowik, „damit können wir flexibel reagieren und sind zeitnah bei den Betroffenen.“ Die Motorisierung sei indes eine Sache, aber auch organisatorische Veränderungen in der Koordination zeigten ihre Wirkung: So sei der Standort Hanau jetzt die zentrale Anlaufstelle, von hier aus würden die Geschicke der ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter gesteuert. Slowik: „Bislang gab es zwei Büros. Eins war für den Bereich zwischen Schlüchtern und Gelnhausen zuständig, das andere für Hanau. Jetzt bearbeiten beide Koordinatorinnen alles. Das hat sich schon bewährt.“

Mit ihnen hat der Ambulante Hospizdienst zwei erfahrene Kräfte gewonnen: Birgit Schmidt ist in der vollstationären Pflege tätig und zusätzlich seit Februar hauptamtlich im Hospizdienst. Als „Frau der ersten Stunde“ und Teilnehmerin am ersten Kurs für ehrenamtliche Hospizhelfer ist sie mit dem Thema seit langem vertraut. Sie legt ihren persönlichen Fokus auch auf die Unterstützung des Umfeldes: „Die Begleitung der Angehörigen ist so wichtig. Die Familie ist zumeist verunsichert, hat Ängste vor dem, was passiert, braucht jemanden zum Reden. 

Viele  sind auch dankbar dafür, dass ihnen einfach mal jemand zuhört.“ Das sieht ihre Kollegin Gisela Kuchler ähnlich: Die Sozialarbeiterin, die 13 Jahre im Hospiz Sankt Katharina in Frankfurt arbeitete, stellt immer wieder fest, dass den Betroffenen ein Stück Bodenständigkeit in ihrer (Ausnahme)Situation hilft: „Sie schätzen die Normalität unseres Umgangs mit dem Tod, mit dem Sterben und mit der Trauer. Häufig verlieren die Angehörigen den Halt, sind stark überfordert und brauchen einfach jemanden, der ihnen Mut macht, ihren Alltag zu bewältigen.“ Der Tätigkeitsschwerpunkt der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen liegt in der Koordination und Betreuung der Ehrenamtlichen. Die Einsätze der rund 50 Hospizbegleiter müssen geplant, Erstkontakte zu betroffenen Familien hergestellt werden. 

Gleichzeitig fungieren Schmidt und Kuchler als Ansprechpartnerinnen in Sachen Supervision, Fortbildungen und Veranstaltungen: Die ehrenamtlichen Helfer werden engmaschig in ihrer Arbeit begleitet, können sich jederzeit austauschen oder nach einem beendeten Einsatz pausieren. „Dies ist kein Ehrenamt wie jedes andere. Es ist anspruchsvoll und bedarf einer hohen Sensibilität für sich selbst und Andere“, erklärt Leiterin Kerstin Slowik. Sie bereitet sich gerade auf den nächsten Kurs „Sterbende begleiten lernen“ vor, der einjährigen Einführung für ehrenamtliche Hospizmitarbeiter, die im Frühjahr 2020 starten soll und bei der VMLS kostenlos ist. Denn auch das ist klar: Niemand soll unvorbereitet in diese Aufgabe gehen. Schwerpunkt der Tätigkeit sind die Wohnbereiche in den Häusern der Vereinten Stiftung, doch sei das Angebot keineswegs rein intern oder auf die Einrichtungen begrenzt. „Jeder kann uns anrufen und nach einer Begleitung fragen. Wir besuchen Sterbende und ihre Angehörigen in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder auch bei ihnen daheim“, betont Slowik. 

Wer den Einführungskurs absolviert, kann sich danach aber auch auf viele schöne Momente und Begegnungen freuen. Gisela Kuchler bringt ihre Erfahrungen auf den Punkt: „Es ist vielfältig, berührend, spannend. Und wir sind ein super Team mit einem guten Fundament.“ Das sieht Birgit Schmidt genauso: „Wir haben unterschiedliche Neigungen und Schwerpunkte und ergänzen uns damit prima.“+++