BAD ORB

Von Hessens bestem Burger zur Pleite: Orbär’s BBQ Joint insolvent

Das im Mai 2015 eröffnete Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. - Fotos: Lena Eberhardt

08.10.2019
von: Joana Gibbe

„Den besten [Burger] gibt’s bei Orbär’s BBQ Joint“, verkündete FFH-Moderator Felix Moese vor drei Jahren bei der Wahl zu Hessens bestem Burger. „Hier werden Burger gelebt“ war sein Fazit. Seit Anfang September gibt es „Hessens besten Burger 2016“ jedoch nicht mehr, denn das Bad Orber Unternehmen hat Insolvenz angemeldet.

Nachdem die 27 Mitarbeiter des Unternehmens einen Betriebsrat gewählt haben, war bei Orbär’s im wahrsten Sinne des Wortes der Ofen aus: „Belegschaft und Betriebsrat sollten unter Druck gesetzt werden. Löhne wurden nicht bezahlt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Zwar verurteilte das Fuldaer Arbeitsgericht den Arbeitgeber zur Wiederaufnahme des Betriebs ab dem 07. Oktober und forderte die Zahlung der Löhne, daraufhin meldete das Unternehmen jedoch Insolvenz an. Bereits seit einigen Wochen mussten Burgerfreunde und Co. auf die Multi-Cuisine in Wächtersbach, Gelnhausen und Gründau verzichten und fanden lediglich den Hinweis „auf unbestimmte Zeit geschlossen“ vor. Mit der Anmeldung der Insolvenz steht nun fest, „dauerhaft geschlossen“.

Nicht heute, nicht auf unbestimmte Zeit, sondern nun dauerhaft geschlossen.
2015 eröffnet, 2016 von Hit Radio FFH zu Hessens bestem Burger gewählt und 2019 insolvent.
Mit Parolen machten sie vor dem Firmensitz in Bad Orb auf sich aufmerksam.

Unbezahlte Krankenkassenbeiträge und verschwundene Trinkgelder sorgen für immer mehr Verärgerung und Empörung seitens der Belegschaft. Vermutungen von verschleppter Insolvenz bekommen „immer mehr Nahrung“, erklärt Peter-Martin Cox von der Gewerkschaft NGG in der Pressemitteilung.

Eine Kundgebung ab 15 Uhr vor dem Firmensitz in Bad Orb soll den Eigentümern den Unmut deutlich machen. „Wir fordern die Eigentümer von Orbär`s auf, notfalls aus ihrem Privatvermögen ihre Schulden zu bezahlen“, so Stefan Walter, Gewerkschaftssekretär der NGG. „Um die Lohnansprüche zu sichern“, sei vor dem Fuldaer Arbeitsgericht bereits Klage eingereicht worden, so Cox.

Gewerkschaftssekretär Stefan Walter ist empört über das Verhalten der Geschäftsführung.
Mitarbeiter und Lieferanten fordern ihr Geld.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Kohle klaut!“

In einer Kundgebung vor dem Firmensitz in Bad Orb war der Frust der Mitarbeiter und Lieferanten deutlich spürbar. „Man fühlt sich vor den Kopf gestoßen“, heißt es seitens der Beschäftigten. „Es hieß immer, wir sind eine große Familie, in der man über alles redet. Aber so geht man doch nicht mit Familie um“, fahren sie fort. Auch Brötchenlieferant Alex Raszyk von „Alex backt’s“ findet das Verhalten der Geschäftsführung unfair, ergänzt jedoch, dass er schon öfter Mahnungen hätte aussprechen müssen, um sein Geld zu erhalten.

Dabei waren die Mitarbeiter immer „stolz, weil es ein geiles Produkt war“, fährt Raszyk fort. Gewerkschaftssekretär Walter rechnet jedenfalls nicht mehr mit einem Happy End. Die nächsten Schritte seien somit individualrechtliche und kollektivrechtliche Klagen, um die fehlenden Zahlungen für Mitarbeiter und Lieferanten durchzusetzen.

Mit Plakaten, Fahnen und Parolen machten rund 15 Mitarbeiter und Lieferanten sowie Stefan Walter der NGG vor dem Firmensitz in Bad Orb auf sich aufmerksam. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Kohle klaut“, schallte es durch die ganze Lindenallee. Von der Geschäftsführung fehlte dabei jede Spur. Doch auch das verwunderte die Anwesenden nicht. Bereits in einem Gespräch zeigte sich die Geschäftsführung „nicht kommunikationsbereit“, so Walter. Alle folgenden Briefe und Anrufe seien schlichtweg ignoriert und der im August gegründete Betriebsrat nicht ernst genommen worden, ergänzt er. Die Geschäftsführung hat sich „wie die Axt im Walde einfach über unsere Gesetze hinweg“ gesetzt, ärgert sich der Gewerkschaftssekretär.

„Ich weiß nicht, wie sie noch ruhig schlafen können. Wir können es jedenfalls nicht mehr, weil wir Existenzängste haben“, bedauert Diana Franke, die im Betriebsrat tätig ist und über zwei Jahre für das Unternehmen gearbeitet hat. Seit August warten die Angestellten nun auf ihre Löhne, mussten Kredite aufnehmen und geliebte Haustiere verkaufen, um über die Runden zu kommen, denn auch das Arbeitsamt zahlt nicht, immerhin befinden sich die 27 Mitarbeiter in einem Arbeitsverhältnis.

Wie es zu all dem kam, ist der Belegschaft ein Rätsel. „Es lief gut, die Gäste kamen“, erklären sie. Plötzlich sollte dem Team ein neuer Geschäftsführer vorgesetzt werden und auch dafür gab es keine Erklärung gegenüber den Mitarbeitern. Damit diese aber ihr Mitspracherecht nicht verlieren, gründeten sie die Gewerkschaft. Seitdem überschlugen sich die Ereignisse: Löhne wurden nicht mehr bezahlt, Betriebsferien angeordnet und der Kontakt zur Geschäftsführung brach ab. Nun warten 27 Mitarbeiter und zahlreiche Lieferanten nicht nur auf ihr Geld, sondern auch auf Antworten. +++

Im Firmensitz regte sich jedoch nichts und niemand.
Alex (Alex backt's) hat für Stärkung gesorgt.