Der Stadtpfarrer bei KN

Impuls von Stefan Buß: Die Hl. Elisabeth – Patronin der Nächstenliebe

Stadtpfarrer aus Fulda - Stefan Buß - Archivbild KN


Mittwoch, 15.11.2023
von STEFAN BUß

FULDA/MKK - In diesen Tagen werden wir wieder an eine große Heilige erinnert, die schon vor über 800 Jahren lebte, aber immer noch hineinwirkt auch in unsere Zeit: die Hl. Elisabeth von Thüringen. Am 19. November wird ihr Gedenktag gefeiert. Sie war eine ungarische Prinzessin und deutsche Landgräfin. 

1207 wird sie geboren, schon als Kind mit dem Landgrafen von Thüringen, Ludwig, vermählt. Sie wird nur 24 Jahre alt, aber ihr Lebensvorbild wirkt nachhaltig. Sie schockierte viele Menschen mit ihrer Radikalität, mit der sie die Armen liebte. Selbst die Menschen, denen sie ihr Leben widmete, waren sicher des Öfteren verwundert über die übergroße Nächstenliebe zu den Armen und Schwachen. Sie war nahe an ihnen dran und pflegte sie sogar selbst in einem Hospital in Marburg.

1226 veranlasste Elisabeth wegen einer großen Hungersnot eine große Getreideverteilung aus den Kornspeichern des Grafen – sie verteilte alles. Sie war eine völlig unangepasste Frau, die in der ungerechten Machtausübung der Regierenden die Ursachen für die Armut und das Leiden der Bevölkerung sah. Welch aktueller Weitblick. Sie war inspiriert von der europaweiten Armutsbewegung des hl. Franz v. Assisi (+ 1226), deren zentrale Motive die direkte Verbundenheit mit den Armen und Protest gegen den Reichtum waren. Elisabeth nahm den Hass der Verwandtschaft, den Hohn der höfischen Gesellschaft und das Unverständnis der Welt auf sich, um bei den Armen zu leben. Der Legende nach sollen sich, als sich ihr Ehemann Ludwig, von Kritikern am Hof gegen sie aufgehetzt, nach dem Inhalt ihres Korbes erkundigte, dass darin befindliche Brot für die Armen sich in Rosen verwandelt haben. 

Ein sehr schönes Bild, das ausdrückt, dass Elisabeth sich nicht nur um die materielle, sondern auch um die seelische Not der Menschen kümmerte. Sie wollte den Menschen das Beste geben, was sie hatte. Fünf Jahre nach ihrem Tod (17.11.1231), am 27.5.1235 wurde sie bereits heiliggesprochen. Sie war auch über ihren Tod hinaus äußerst populär. Elisabeth von Thüringen war nicht nur ein Vorbild in ihrer Verbundenheit mit den Armen, sondern sie stellte auch die unangenehme Frage nach der Verantwortung der Reichen. Und dies wirkt hinein auch in unsere Zeit. In einem der reichsten Länder der Welt. 

Wo wir glauben, viel verlieren zu können. Wo einerseits viele Menschen ihre ganze Lebenskraft einsetzen, um zu noch mehr Geld zu kommen. Andererseits wissen wir, wie viele Menschen an der Härte unseres Wirtschaftssystems scheitern, zugrunde gehen, nie eine Chance haben, wirklich auf eigenen Beinen zu stehen. –Die hl. Elisabeth gibt heute den Auftrag die Einladung, an der Sache Gottes im Hier und Jetzt mitzuwirken, anzunehmen und umzusetzen. Wer weit nach vorne will, muss tief nach innen. Mit den Talenten, die er hat.

Das Faszinierende am Christsein ist ja, dass ich schon morgen anders handeln kann als heute. Elisabeth motiviert heute das Talent des Respekts vor dem anderen umzusetzen. In einer Welt, in der oft Toleranz und Menschenwürde missachtet werden. Und das Talent des Teilens.
Teilen ist der Grundmaßstab christlichen Handelns. Teilen von Zeit, von Geld, von Erfahrung, von Wissen, ... Ziel des Teilens ist immer das Heil des anderen. Leben und Zukunft ermöglichen. Elisabeth ist damit eine Heilige für unsere Zeit.

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