Vorstellung des 75. „Bergwinkel-Boten“ in Schlüchtern

Geschichten erzählen von den Anfängen des Kreises und alten Bräuchen in der Landwirtschaft

Geschichten erzählen von den Anfängen des Kreises und alten Bräuchen in der Landwirtschaft - Foto: MKK Pressestelle


Samstag, 11.11.2023

SCHLÜCHTERN - Ein kurzweiliges Nachschlagewerk zum Stöbern und Staunen ist der Bergwinkel-Bote auch in seinem 75. Jahr seines Erscheinens. Gleichzeitig wirft der Heimatkalender thematisch einen Blick zurück auf die Anfänge des Main-Kinzig-Kreises vor über 50 Jahren. Vieles von dem, was damals die Menschen bewegt hat, ist längst aus der Erinnerung verschwunden.

„Der Bergwinkel-Bote bewahrt nicht nur Heimatgeschichte und Geschichten aus der Region, er ist schon selbst zu einem wertvollen, historischen Nachschlagerwerk geworden. Deshalb ist es mir eine große Freude, dass wir einen weiteren druckfrischen Heimatkalender vorstellen können, der zugleich die zum Teil nicht ganz leichten Anfänge des Main-Kreises beleuchtet“, sagte Landrat Thorsten Stolz während der Präsentation. Ein Großteil der Autoren und Autorinnen war ins katholische Pfarrheim nach Schlüchtern gekommen, um das Gemeinschaftsprojekt gebührend zu würdigen. Landrat Stolz bedankte sich bei allen Autorinnen und Autoren, aber auch bei Schriftleiter Dr. Bernd Giesemann und bei Christine Raedler, Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte, für ihren Einsatz. „Vergangenes lebendig halten – das ist alles andere als langweilig, da kommen erstaunliche Begebenheiten ans Tageslicht, die ohne diese Mühe vielleicht für immer in verstaubten Archiven liegen bleiben würden“, sagte Thorsten Stolz.

Schwerpunktthema der Ausgabe ist das Jubiläum „50 Jahre Main-Kinzig-Kreis“ im Jahr 2024. Durch die Gebietsreform Anfang der 70er Jahre entstand damals ein Großkreis aus den drei Altkreisen Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern sowie der Stadt Hanau. Das führte mancherorts zu Protesten und es wurde eine Bürgerinitiative gegründet. Deren Ziel war es, dass lediglich die Altkreise Gelnhausen und Schlüchtern fusionieren sollten. „Die damalige Sorge, ob der Main-Kinzig-Kreis in dieser Konstellation einmal erfolgreich sein würde, war aus heutiger Sicht unbegründet“, sagte Thorsten Stolz. Der Heimatkalender stellt den ersten Landrat des neuen Kreises, Hans Rüger, vor und widmet auch dem letzten Schlüchterner Landrat, Dr. Eckhard Momberger, einen ausführlichen und unterhaltsamen Beitrag. 

Auch die langwierige Wappenfindung und die Entwicklung der Kfz-Kennzeichen von anfänglich „MKK“, das für alle galt, bis hin zur Möglichkeit, sich ab 2005 für „HU“ für Hanau, „GN“ für Gelnhausen und „SLÜ“ für Schlüchtern zu entscheiden, ist Thema des Kalenders. Der Kalender blickt jedoch nicht nur zurück, sondern wirft auch einen Blick in die Zukunft: 2026 will die Stadt Hanau den „Huxit“ vollziehen, also die Auskreisung aus dem Main-Kinzig-Kreis, da die Stadt die Einwohner-Marke von 100.000 überschritten hat und es für solche Städte dann die Möglichkeit gibt, die Kreisfreiheit zu beantragen. 

Doch der Kalender enthält noch viele weitere Themen, die gerade das ländlich geprägte Leben beleuchten: Etwa die Dorflinde als wichtiger Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft, in religiöser, aber auch kultureller Hinsicht und auch als Ort für die Gerichtsbarkeit. Der Kalender bietet darüber hinaus einen unterhaltsamen Überblick über allerlei abergläubische Sitten und Gebräuche, die noch immer in der Gegend gepflegt werden. Da ist von Sargnägeln die Rede, die zum Schaden anderer in Balken geschlagen werden. Ein solcher Fall soll sogar vor Jahren vor dem Amtsgericht in Schlüchtern verhandelt worden sein, weil der Angeklagte gesagt haben soll: „Dem habe ich einen Totennagel gesteckt.“ (red)

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