ERLENSEE

Lidl verlegt Verwaltungs- und Logistikzentrum in den Main-Kinzig-Kreis

So sieht gelungene Wirtschaftsförderung aus: Vor der Planzeichnung für das neue Verwaltungs- und Logistikzentrum von Lidl in Erlensee (von links) Winfried Ottmann, Walter Dreßbach, Stephan Zimmermann, Dirk Brunner und Andreas Theofel. - Foto: Main-Kinzig-Kreis

06.11.2019
von: Lena Eberhardt/PM

Der Discounter Lidl verlegt sein Verwaltungs- und Logistikzentrum vom bayerischen Alzenau ins hessische Erlensee in den Main-Kinzig-Kreis. Denn die Räumlichkeiten am bisherigen acht Hektar großen Standort waren an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. Am Standort Erlensee im Gewerbegebiet an der Autobahn 45 wird Lidl bis 2021 auf einer Fläche von knapp 20 Hektar ein größeres und modernes Logistik-Gebäude nach höchsten Umweltstandards errichten und dafür einen mittleren, zweistelligen Millionenbetrag investieren. Über den Stand der Planungen sprachen Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann und Walter Dreßbach, Leiter des Referats für Wirtschaft, Arbeit und digitale Infrastruktur, mit Lidl-Geschäftsführer Stephan Zimmermann, Lidl-Immobilienmanager Dirk Brunner und Lidl-Betriebsleiter Andreas Theofel bei einem Besuch in Alzenau.

„Es ist beeindruckend, was in Erlensee entstehen wird“, sagte Wirtschaftsdezernent Winfried Ottmann, der die Pläne und Zeichnungen studierte. Ottmann freut sich insbesondere darüber, dass mit Lidl eines jener Unternehmen zurück in den Main-Kinzig-Kreis kommen wird, die in den 1980er, 1990er Jahren ihren Firmensitz von Hessen nach Bayern verlegt hatten. Lidl-Geschäftsführer Zimmermann lobte die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Main-Kinzig-Kreis, die er als sehr professionell beschrieb. Schnell seien dank der guten Wirtschaftsförderung des Kreises die „Weichen auf Erfolg gestellt“ gewesen, so Zimmermann. Dirk Brunner sprach von einer verhältnismäßig kurzen Vorbereitungszeit für das komplexe Großprojekt und einem dennoch zügigen Genehmigungsverfahren.

Der Main-Kinzig-Kreis setzt beim Thema Wirtschaftsförderung auf eine effiziente Steuerung. „Das beginnt damit, dass schon im Vorfeld alle wichtigen Personen an einen Tisch geholt werden“, skizzierte Walter Dreßbach das Vorgehen. Er zeigte sich sehr interessiert an den Plänen des Unternehmens, einen stark an Nachhaltigkeit orientierten Firmensitz zu errichten und zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Bei dem Bauvorhaben handelt es sich um ein Großprojekt, welches nicht nur neue Arbeitsplätze nach Erlensee bringen, sondern auch einen sechsstelligen Betrag an Gewerbesteuereinnahmen in die Stadtkasse von Erlensee spülen wird. Bislang beschäftigt Lidl am Standort Alzenau um die 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Erlensee sollen es zum Start 340 Mitarbeiter werden, wenn alles fertig ist, rechnet die Unternehmensleitung mit einem Bedarf an 470 Mitarbeitern, verteilt auf 15 Berufsfelder: Von Personalfachkräften über Kommissionierer bis hin zu Bauingenieuren und Betriebswirten.

Winfried Ottmann nutzte den Besuch, um zu erfahren, wo es womöglich noch hakt und welche Informationen weitergeleitet werden müssen, damit die Planungen zügig voranschreiten können. So ging es etwa um die Frage der Busanbindung durch die Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) Main-Kinzig. Lidl plant vor dem neuen Standort eine Haltestelle. Auch die Einbindung des Kinzigtal-Radwegs ist berücksichtigt worden.

Auf dem Dach des Logistikzentrums wird eine Photovoltaik-Anlage 1,18 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen und dabei um die 780 Tonnen Kohlendioxid einsparen. „Das ist eine zukunftssichere Investition“, sagte der Lidl-Geschäftsführer. Denn: „Wir erzeugen den Strom für unsere Kühlung selbst“, erklärte Zimmermann. Das Verwaltungs- und Logistikgebäude soll nach DGNB-Platin zertifiziert werden. „Diese Zertifizierung ist das renommierteste und relevanteste Gütesiegel für nachhaltiges Bauen und Platin der höchste zu erreichende Nachhaltigkeitsgrad“, erläuterte Stephan Zimmermann und fügte hinzu: „Das wird uns herausfordern.“

Vom Logistikzentrum Erlensee aus können im Endausbau perspektivisch bis zu 120 Lidl-Filialen in der Region Rhein-Main mit Lebensmitteln und Produkten für den täglichen Bedarf versorgt werden. Die dafür benötigten 20 bis 30 Lastwagen sollen im Rahmen eines deutschlandweit einmaligen Pilotprojekts mit Erdgas betrieben werden – diese Fahrzeuge erzeugen nicht nur weniger Lärm, sie verursachen auch 95 Prozent weniger Feinstaub und 24 Prozent weniger Kohlendioxid als herkömmliche Dieselfahrzeuge. Der neue Standort im Gewerbegebiet Erlensee liege so weit von den Wohngebieten entfernt, dass die Anwohner nicht mit Lärmbelästigungen rechnen müssten, führte Stephan Zimmermann aus. Zudem sei klar geregelt, dass die Fahrer gleich auf die Autobahnen auffahren müssen.

Winfried Ottmann und Walter Dreßbach zeigten sich beeindruckt von der Größe der angedachten Blühflächen. Dort soll es einmal auf 28.000 Quadratmetern summen und brummen. Das Unternehmen will am neuen Standort zudem durch die Aufbereitung von Brauchwasser Trinkwasser einsparen – 2500 Kubikmeter Wasser pro Jahr. Darüber hinaus wird eine Regenwasser- und Oberflächenwasserversickerung realisiert. Lidl plant für das Gesamtprojekt mit einer Bauzeit von anderthalb Jahren.  

Mit Lidl kommt ein in ganz Europa agierendes Unternehmen zurück in den Main-Kinzig-Kreis. Lidl zählt zu den Top 10 des deutschen Lebensmittel-Einzelhandels und besitzt eigenständige Landesgesellschaften in ganz Europa. +++