GELNHAUSEN

Über Bekloppte und das Hochstamplersyndrom: Verleihung Grimmelshausen-Preis 2019

(v.l.) Dörte Hansen und Nele Pollatschek wurden für ihre Werke ausgezeichnet. - Fotos: Lena Eberhardt

08.11.2019
von: Lena Eberhardt

Neben Bekloppten, dem Hochstaplersyndrom und dem Ortsteil Lieblos, standen vor allem die Romane der beiden Preisträgerinnen im Mittelpunkt der Preisverleihung am Donnerstagabend. "Das ist ein Preis für ein Lebenswerk, das noch nicht geschrieben wurde", sagte Nele Pollatschek in der Aula des Grimmelshausen-Gymnasiums (GGG). Alle zwei Jahre werden in Gelnhausen Autoren für ihr Werk mit dem Grimmelshausen-Preis gewürdigt. Gestiftet wird die Auszeichnung gemeinsam von der Stadt Gelnhausen und der Stadt Renchen, in der der berühmte deutsche Schriftsteller 1676 verstarb, sowie den Ländern Hessen und Baden-Württemberg. Verliehen wurde in diesem Jahr der Förderpreis für Jungautoren an Nele Pollatschek für ihren Roman "Das Unglück anderer Leute", sowie der Grimmelshausen-Preis an Dörte Hansen für ihren Roman "Mittagsstunde". 


"Es wird ein Leben beschrieben, dass sich verändert. Das geschieht nicht nur auf einer lustigen Art und Weise, sondern auch dramatisch", sagte Ministerialdirigent Eric Seng vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst über die beiden ausgezeichneten Werke. Neben den Grußworten von Bürgermeister Daniel Glöckner und der Schulleitung des GGG Oberstudiendirektorin Tina Ruf, gab die Schule gemeinsam mit den Schülern der Feierlichkeit durch musikalischen Darbietungen und einem szenischen Spiel einen passenden Rahmen für die Preisverleihung.

Der Grimmelshausen-Preis wird nur alle zwei Jahre verliehen. Insgesamt werden zehn Bücher zeitgenössischer Autoren für den Hauptpreis vorgeschlagen und zwei Weitere für den Förderpreis. Die Werke werden von einer siebenköpfigen Jury gelesen und anschließend bewertet. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Der Förderpreis wird von den beiden Kommunen in Zusammenarbeit mit den örtlichen Sparkassen - im Fall von Gelnhausen mit der Kulturstiftung der Kreissparkasse Gelnhausen - ausgelobt und ist mit 2.500 Euro dotiert.

"Das ist der zweite Preis, den ich gewonnen habe. Ich war sehr verwundert mal jemand zu sein, der etwas gewinnt und hatte schon Angst, dass der Laudator anruft und den Preis zurückfordert", lachte Pollatschek während ihrer Dankesrede. Dabei sehe sie den Förderpreis als Investition in ihre Zukunft als Schriftstellerin. "Die ungeschriebenen Werke, sind noch die Besten", so die Autorin und berichtete über ihren Besuch in der Barbarossastadt: "Ich bin auf ein Schild gestoßen, auf diesem stand 'Lieblos 4,8 Kilometer'. Ich glaube, so muss auch ein Lebenswerk sein. Immer mindestens 4,8 Kilometer von lieblos entfernt."

Bürgermeister Daniel Glöckner eröffnete die Veranstaltung.
Oberstudiendirektorin Tina Ruf begrüßte alle Anwesenden im GGG.
Ministerialdirigent Eric Seng wunderte sich wie groß das Land Hessen ist, als er auf dem Weg nach Gelnhausen war.

Auch Hansen hielt zunächst die Auszeichnung mit dem Grimmelshausen-Preis für einen Fehler der Laudatoren. "Mich überkam auch das Hochstaplersyndrom, als ich den Anruf bekam, ich hätte den Hauptpreis gewonnen", schmunzelte die Autorin. Den Namensgeber der Auszeichnung benannte die Schriftstellerin als Pendler zwischen Größenwahn und Demut. "Heute kann ich mir auch mal Größenwahn erlauben, Demut kommt dann schon ganz von allein", so Hansen. +++

Leon Harms (Simplicius) und Wolfgang Schmidt (Einsiedler) beim szenischen Spiel
Laudator Andreas Platthaus von der FAZ

Laudator Dr. Florian Balke von der FAZ
Die Jury zusammen mit Nele Pollatschek

Dörte Hansen mit Bürgermeister Glöckner