Kundgebung vor dem Rathaus in Langenselbold

"Geht wählen und gebt Eure Stimmen den demokratischen Parteien!"

Die Bürgerinitiative Hand aufs Herz Langenselbold lud zur Kundgebung Rund 400 Teilnehmer*innen vor dem Rathaus in Langenselbold. - Fotos: Anton Hofman


Montag, 12.02.2024

LANGENSELBOLD - An der Kundgebung „Gegen rechts und für die Demokratie“ nahmen rund 400 Menschen vor dem Rathaus in Langenselbold am Freitagabend teil. Werner Fromm von der Bürgerinitiative „Hand aufs Herz Langenselbold“ und die „Omas gegen rechts“ hat in kürzester Zeit die Kundgebung auf die Beine gestellt. Fromm begrüßte die Veranstaltungsteilnehmer und forderte gleich zu Beginn allen Menschen und Demonstrationen sowie Kundgebungen mit mehr Respekt zu begegnen und rief ihnen zu: „Wir sind mehr.“

Als Gäste und zum Teil die Redner bei der Kundgebung den Langenselbolder begrüßte Fromm namentlich den Bürgermeister der Stadt Langenselbold, Timo Greuel, den Landrat vom Main-Kinzig-Kreis, Thorsten Stolz, den Bundestagsabgeordneten (SPD) Lennard Oehl, den Vorsitzenden vom Kreisverband Main-Kinzig der AWO Arbeiterwohlfahrt, Jörg Mair, und den Vorsitzenden vom Turnverein 1886 e.V. Langenselbold, Florian Koog.

Bürgermeister Timo Greuel war sichtlich bewegt, als er von seiner persönlichen Betroffenheit über den erstarkenden Rechtsextremismus spricht. Greuel hat den Hass schon am eigenen Leib erfahren, denn seine Tochter ist schwerbehindert. „Laut Höcke, AfD Thüringen, sind Kinder mit Behinderung eine ‚Belastung unseres Systems‘. Timo Greuel versicherte den Veranstaltungsbesuchern, dass das nicht so ist! Der Bürgermeister wurde deutlich: Hass und Hetze hätten sich „in die Mitte unserer Gesellschaft geschlichen wie ein eitriges Geschwür, das sich, wenn wir nichts dagegen unternehmen, festsetzt, bis der Betroffene verstirbt. Wir sehen dabei nicht zu!“

Menschen aus 85 Nationen in Langenselbold beheimatet


Mittlerweile sind Menschen aus 85 Nationen in der Stadt Langenselbold beheimatet, sagte Greuel. „Das soll auch so bleiben! Wir sind bunt, laut und viele. Jeder soll sich hier sicher und willkommen fühlen. Wir stehen hier zusammen für Vielfalt, Respekt und Demokratie.“ Dass so viele Menschen zu den landesweiten Demonstrationen kommen, wertete der Rathauschef als klares Signal an die Feinde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung: „Wir lassen uns den Wert unserer Gesellschaft nicht zerstören!“

Anschließend ergriff der Landrat vom Main-Kinzig-Kreis Thorsten Stolz das Wort und Stolz dankte den Kundgebungsteilnehmern: „Ich finde es großartig, dass auch Langenselbold ein klares Zeichen für unsere Demokratie, für Freiheit, für ein friedliches Miteinander und für Menschlichkeit setzt. Ich bin dankbar dafür, Landrat in einem Landkreis zu sein, in dem sich Demokratinnen und Demokraten parteiübergreifend zusammenschließen und zum Ausdruck bringen, dass das blau / braune menschenverachtende Gedankengut keinen Platz in der Mitte der Gesellschaft hat“.

Der Landrat vom MKK erinnerte daran: „In diesem Jahr feiert die Bundesrepublik 75-jähriges Bestehen und damit auch 75 Jahre Grundgesetz. Das ist nicht irgendein Jubiläum. 75 Jahre Grundgesetz sind die Grundlage dafür, dass wir ein ganz großes Privileg haben. Nämlich seit mittlerweile 75 Jahren in Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und einem gewissen Wohlstand leben zu dürfen. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, dass wir mehr Menschen bewusst machen, dieses Privileg zu verteidigen.“

Bundestagsabgeordneter Lennard Oehl dankte den Selboldern dafür dass spontan so viele gekommen sind um ein „deutliches Zeichen für Mitmenschlichkeit und Demokratie“ zu setzen. Er begann mit einem Appell: „Unsere Demokratie muss wehrhaft sein, wir als Gesellschaft tragen dafür Verantwortung. Auch die Politik. Wenn ich im Bundestag den SPD-Fraktionssaal betrete, laufe ich stets an den Namen der Reichstagsabgeordneten vorbei, die 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt haben, welches Deutschland in die Diktatur geführt hat. Die Abgeordneten von 1933 haben dafür einen hohen Preis bezahlt, politisches Exil oder Lagerhaft. Mir macht das jede Woche aufs Neue klar, dass unsere Demokratie nicht selbstverständlich ist und das auch ich persönlich eine Verantwortung trage, dass sich 1933 nicht wiederholt“.

"Demokratie kann nur funktionieren, wenn es Solidarität gibt"


Oehl ist überzeugt: „Es gibt Mut und Zuversicht, dass sich in den vergangenen Tagen und Wochen so viele Menschen auf die Straßen begeben haben, um unsere Demokratie und unsere Werte gegen ihre Feinde vom rechten Rand zu verteidigen“ und ebenso sicher, dass „die Undercover-Recherche des Correctiv-Magazins in aller Deutlichkeit gezeigt hat, wie rechtsextreme Kräfte unsere Demokratie zersetzen wollen. Sie wollen den demokratischen Staat aushöhlen und dabei Methoden anwenden, die aus dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte stammen. Der Staat, ob die Organe des Bundes, oder der Länder, oder der Städte, muss eine entschlossene Antwort auf die Kräfte geben, die das Vertrauen in unsere Demokratie untergraben wollen!“

Der direkt gewählte Abgeordnete vom Bundestagswahlkreis Hanau bekam von den Veranstaltungsbesucher dafür zustimmenden Applaus, als er feststellte: „Die Gesellschaft als Ganzes kann ein Signal setzen. Demokratie ist anstrengend, sie erfordert Kompromissbereitschaft, Empathie für die Position des Gegenübers und vor allem Leidenschaft für das sachliche Argument. All diese Werte verachten die Feinde der Demokratie. Sie mögen angesichts weltweiter Krisenstimmung in diesen Zeiten ein triumphierendes Machtgefühl empfinden. Aber sie sollen sich nicht täuschen. Gegen rechten Extremismus steht nicht nur der Wille der staatlichen Organe, gegen rechten Extremismus steht der Wille des ganzen Volkes“

Jörg Mair, Vorsitzender vom Kreisverband Main-Kinzig der AWO Arbeiterwohlfahrt informierte eingangs die Veranstaltungsbesucher, dass der Sozialverband mit rund 1.000 Mitgliedern und 10 Ortsvereinen im MKK, dass die AWO Menschen die Hilfe in unterschiedlicher Hilfe benötigen unterstützt und zivilgesellschaftliche Projekte begleitet. In Langenselbold kümmert sich die AWO z. B. um das Thema Demenz.

„Demokratie kann nur funktionieren, wenn es Solidarität gibt. Wohlfahrtsverbände sind ein wichtiger Teil dieser Solidargemeinschaft. Darum stehen wir heute hier, weil Menschen, die sich an unsere Sozialverbände wenden im Faschismus einer enormen Gefahr ausgesetzt sind!“ stellte Mair anschließend fest. „Demonstrationen sind wichtig. Viel wichtiger ist aber, dass Rechtsextreme Gruppen und Rechtsextreme Parteien bei Wahlen keine Erfolge erzielen und keine Mandate erringen. Mein Appell: Gehen Sie – besonders Menschen mit Migrationshintergrund - zu Wahlen und wählen demokratische Parteien. Kandidieren sie nicht für Parteien der rechtsextremen Szene, denn sie wollen Sie vertreiben und diese werden auf ihr Leib und Leben keine Rücksicht nehmen!“

„Rote Karte“ für die, die nicht an einem Miteinander interessiert sind


Der Vorsitzende vom Turnverein 1886 e.V. Langenselbold (TVL), Florian Koog, sprach als Vertreter der ehrenamtlich engagierten Bürger und mit 1. 850 Mitgliedern der größte Verein der Stadt und der fünftgrößte Sportverein im MKK.

Koog betonte, dass der TVL In seiner Satzung die politische Neutralität festgeschrieben hat, aber dass in der jüngsten Versammlung sich die Mitglieder für eine weltoffene und tolerante Haltung positioniert haben. Jetzt ist in der Satzung zu lesen: „Der Verein ist offen für alle Personen, gibt ihnen die gleichen Rechte und wendet sich damit gegen antidemokratische, nationalistische und antisemitische Tendenzen.“

Koog zeigte allen Strömungen, die nicht an einem Miteinander interessiert sind, die „Rote Karte“ und betonte, dass Einflüsse aus anderen Kulturen einen Zugewinn bedeuteten. Sein Beispiel: Halloween. „Würden wir immer auf den althergebrachten Traditionen beharren, säßen wir jetzt noch in einer Höhle und machten Feuer!“

Dabei sei Deutschland aber auf einem guten Weg: „Behindertensport ist mittlerweile fernsehtauglich.“ Und noch in den 70er-Jahren seien Linkshänder umerzogen worden. „Toleranz muss eben wachsen“. Als Lehrer habe er mit Schülern unterschiedlichster Wurzeln zu tun. „Die Aufgewecktheit unserer Jugend macht mir Hoffnung.“ (red)

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