Deutsche Meisterschaft

Gründau: Zweites Rennwochenende beim Rallycross

Gründau: Zweites Rennwochenende beim Rallycross - Fotos: Gerd Ochs


Sonntag, 19.05.2024
von GERD OCHS

GRÜNDAU - Das ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Gründau – DER Ort schlechthin, um sicheres, unfallfreies Fahren zu lernen. An diesem Wochenende wird sich die dortige Asphaltdecke sicher wie immer an Pfingsten fragen, ob die Fahrerinnen und Fahrer die falsche Medizin eingenommen haben, denn zwei Tage lang gehören gepflegte Drifts, satter Motorensound und gerne auch mal fairer „Feindkontakt“ zum guten Ton. 

Um die 80 Pilotinnen und Piloten geben sich auf Einladung des MSC Gründautal zu den Läufen 3 und 4 der Deutschen Rallycross-Meisterschaft ein Stelldichein – dem 42. und 43. ADAC-Rallycross Gründau. Die einzige reine Asphaltstrecke der ganzen Meisterschaft gilt als Highspeed-Strecke – zwar müssen die Fahrer keinen Untergrundwechsel wie noch vor drei Wochen in Schlüchtern bewältigen, dafür wechselte aber am Samstag die zunächst trockene Piste nach dem einen oder anderen Schauer zum Status „nass“. Klare Sache: der Gründautalring erlebt wieder Rennaction pur!

Die befürchteten überstarken Regenfälle waren zur Erleichterung des MSC-Vorsitzenden Horst Laubach vorbeigezogen. Wir treffen ihn im KINZIG.NEWS - Gespräch ganz entspannt an – so schnell können Regenprognosen das Urgestein auch nicht erschüttern, zumal die Vorbereitungsarbeit nun auch getan ist und alles schnurrt. Seit 1971 ist er im MSC-Vorstand – also mehr als ein halbes Jahrhundert, seit 1988 ist er Vorsitzender. Dieses Wochenende hat er 130 Leute im Einsatz. „Die Leute helfen alle wirklich gerne, schon am Mittwoch beim Zeltaufbau waren 25 Helfer zur Stelle, manche sogar ohne Mitgliedschaft bei uns. Als das Zelt stand, gab es Hausmacher Wurst – das muss sein!“

Man hilft sich gegenseitig

Laubachs Dank gilt neben den eigenen Helfern und Mitgliedern auch dem Rettungsdienst samt Ärztin sowie den sechs Streckenposten vom MSC Schotten: „Wir helfen uns gegenseitig, so muss das sein, sonst kannst du so eine Veranstaltung nicht stemmen!“ Er verhehlt auch nicht, dass der Gründauer Mitgliederbestand von einst 200 auf etwa 70 zusammengeschrumpft ist. „Wir haben gesiebt – wer nicht mit anpacken will, den können wir nicht gebrauchen.“ Große Freude zeigt er bezüglich der sportlichen Aspekte: „Wir haben mehr Starter als im Vorjahr und auch viele Neulinge – das ist großartig! Die Autos sind super hergerichtet, und die Piloten fahren tolle Rennen, das ist echt der Wahnsinn!“

Eine Rakete namens Ford Fokus

Ein paar Meter weiter treffen wir einen der Taktgeber im Rallycross-Racing: Bernd Wilhelm aus Bad Soltau zeigt uns seinen spektakulären Ford Fokus T16 Supercar – Allrad statt wie normal Frontantrieb, ein einziges Powerpaket. „Er hat ein bisschen mehr als 500 PS, so genau verrät man das ja nicht“, lächelt Wilhelm wie ein Genießer und legt nach: „In 2,2 Sekunden ist er von Null auf Hundert“. Am Vormittag hat er beim Trainingslauf auf der Beifahrerseite einen Treffer bekommen, so dass sich die Tür nicht öffnen lässt: „Ein von mir überholter Pilot hat mich an der schnellsten Stelle bei ca. 150 km/h gedreht – die Aktion war echt überflüssig, aber ein Rallycross-Fahrzeug macht das mit“. Seine Schrauber werden es bis zum Qualifying gerichtet haben – dann faucht die Startnummer 7 wieder wie von einem anderen Stern über die Piste. Eine Augen-, aber auch eine Ohrenweide! Wilhelm verweist auch auf die enormen Sicherheitsmechanismen, die die Piloten schützen: Überrollbügel und „Käfig“, 6-Punkt-Gurt, feuerfeste Bekleidung bis zur Unterwäsche. „Da passiert so schnell nichts!“

 „Mr. MSC Gründau“: der 1. Vorsitzende Horst Laubach
„Mr. MSC Gründau“: der 1. Vorsitzende Horst Laubach
 Nina Riese
Nina Riese

Der Serienkoordinator der Deutschen Rallycross Meisterschaft, Jakob Huszarek, ergänzt ein wichtiges Detail: „Die Fahrzeuge müssen zwingend mit einer 360-Grad-Kamera ausgestattet sein. Bei Bedarf wertet der Rennleiter die Streckenkameras sowie die Onboard-Kamerabilder betroffener Fahrzeuge aus und kann bei unsportlichem Verhalten Strafen verhängen - von der Zeitstrafe bis zur Disqualifikation. Auch das steigert die Sicherheit ungemein!“

Schnelle Lady

Im Fahrerlager treffen wir auf eine erfolgreiche nordhessische Pilotin: die 23jährige Nina Riese fährt seit etwa 7 Jahren Rallycross und entspringt einer Kasseler Motorsportfamilie, inzwischen ist sie Förderfahrerin des ADAC Hessen-Thüringen. „Treppchen ist mein Ziel“, sagt sie. Im Samstag-Finallauf der Klasse DRXN2 war sie zwar die schnellste Frau, musste sich allerdings in ihrem VW Polo GTI mit Platz 7 begnügen. Nicht ganz zufrieden mit dem Samstag wird auch der nächste Gesprächspartner sein, Dietmar Brandt vom MSC Schlüchtern. Der 52 Jahre alte amtierende Deutsche Meister der DRX1 aus 2023 landete mit seinem Skoda Fabia Supercar auf Platz 5. „Das Auto läuft wie schon in Schlüchtern noch nicht so rund, aber es sind ja noch ein paar Rennen zu fahren“, bleibt die Titelverteidigung nach wie vor das Ziel. Sieger der Topklasse wurde der Südtiroler Werner Gurschler auf seinem vogelwilden Ford Fiesta, Bernd Wilhelm wurde 6., Lokalmatador Michael Grünwald vom MSC Gründau 8.

Der ehemalige Bad Hersfelder Mischa Eifert ist hauptamtlicher Koordinator Sport im Deutschen Motorsportbund (DMSB) und lässt es sich natürlich nicht nehmen, „seine“ Deutsche DRX-Meisterschaft vor der Haustür mitzunehmen. Mit den Starterfeldern in Schlüchtern und jetzt in Gründau sowie dem Zuschauerzuspruch und der Organisation durch die örtlichen Vereine ist er bisher mehr als zufrieden.

Echte Fans

Ein Regenschauer zwingt die Piloten nicht nur kurzfristig zum Reifenwechsel vor dem Start, sondern führt auch zu einem netten Gespräch des Berichterstatters mit waschechten Motorsportfans aus der Region – Christina und Patrick aus Wächtersbach sowie Stefan aus Bad Soden-Salmüster kümmert der Regen nicht, sie sind bestens ausgerüstet. „Wir sehen hier tolles Racing, genau wie neulich in Schlüchtern. Wir sind bei allen Rennen in der Region dabei, gar keine Frage!“ Für besondere Freude sorgt beim Publikum auch die Show-Einlage zweier Drift-Spezialisten in der Mittagspause – mehr quer kann man wohl nicht fahren!

Rennen 2 am Sonntag

Christina, Patrick und Stefan haben wie alle Motorsportbegeisterten am Sonntag noch reichlich Gelegenheit, den Ausnahmezustand im ADAC Fahrsicherheitszentrum auszukosten. Ab 8.30 Uhr beginnt das Zeittraining, ab 10.00 h die Qualifikationsläufe und ab 15.30 h die Finalläufe.

Das Live-Timing sowie die Ergebnislisten findet man unter Rennen 2024 - DRX (rallycross-dm.de). 

Jakob Huszarek, Dietmar Brandt, Mischa Eifert
Jakob Huszarek, Dietmar Brandt, Mischa Eifert
Michaela und Frank Börner aus Schlüchtern
Michaela und Frank Börner aus Schlüchtern
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