GELNHAUSEN

Philipp-Reis Schule gegen Nazi-Schmierereien - Grundschüler zeigen Rechtsradikalen die Stirn

Das "SS"-Zeichen auf dem Bauwagen.

04.12.2019
von: Lena Eberhardt

"Wir fanden es schockierend, das Hakenkreuze und "SS"-Zeichen angesprüht wurden. Gerade an einer Grundschule", so die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4a der Phillip-Reis-Schule. In der vergangenen Woche sind in der ganzen Barbarossastadt rechtsextreme Schmierereien aufgetaucht. Auch die Philipp-Reis-Schule ist betroffen und zählte auf ihrem Gelände fast 15 dieser Graffiti. Das wollten sich die Schüler jedoch nicht gefallen lassen.

Ob an Hauswänden, Schildern oder Türen - durch die gesamte Gelnhäuser Innenstadt zogen sich Hakenkreuze und "SS"-Zeichen. Die noch unbekannten Täter machten auch vor der Phillip-Reis-Schule keinen Halt und besprühten den Bauwagen, die Hauswände und Türen. "Wir wussten am Anfang nicht was die Zeichen bedeuten", berichtet ein Schüler der Klasse 4a. Gemeinsam und kindgerecht wurde im Unterricht erarbeitet, was es mit den Symbolen auf sich hat. Dabei wurde die Ermordung und Verfolgung der Juden sowie andere Kriegsverbrechen im Dritten Reich nicht ausgelassen. "Der historische Hintergrund ist wichtig um zu verstehen, was es mit den Symbolen auf sich hat", heißt es vonseiten der Schule.

Alle Kinder der vierten Klassen halfen beim Herz.

Dabei wollte die Klasse zusammen mit ihrer Klassenlehrerin Anna Wögler die Tat nicht einfach hinnehmen. Zwei Schülerinnen brachten den Vorschlag ein die Hakenkreuze und "SS"-Zeichen mit Herzen zu übermalen. Die Idee hatten die beiden Mädchen aus der Kindernachrichtensendung "Logo", zu sehen auf dem Sender "KiKA". Kurzerhand wurde Pappe besorgt und ein Herz ausgeschnitten. Zusammen mit den beiden anderen vierten Klassen das Herz durch Puzzleteile ergänzt und mit dem Spruch versehen "Unsere Schule steht für Vielfalt und Offenheit!". Das Herz soll nun als Schablone dienen, um die Schmierereien zu übersprühen. "Wir wollen klar Stellung beziehen, dass es an der Schule keinen Platz für solches Gedankengut gibt", sagte die Klasse einstimmig.

"Für die Hauswand muss eine Spezialfirma kommen, um die Graffiti zu entfernen", berichtet Wögler. Die "SS"-Zeichen an den Türen seien nicht so hartnäckig gewesen und durch den Hausmeister entfernt worden. Dass der Bauwagen auf dem Schulhof ebenfalls beschmiert wurde, wollten aber die Schüler nicht auf sich sitzen lassen. Das Herz für "Vielfalt und Offenheit" soll nun in den nächsten Tagen aufgesprüht werden.+++

Der erste Versuch auf dem Gehweg vor dem Schulgelände.