SINNTAL

Zum 30. Mal lädt die Burg ein: Erlebnisweihnachtsmarkt Schwarzenfels begeistert

Seit 30 Jahren gibt es den Schwarzenfelser Erlebnis-Weihnachtsmarkt. - Fotos: Walter Dörr

01.12.2019
von: Walter Dörr

Seit 30 Jahren gibt es den Schwarzenfelser Erlebnis-Weihnachtsmarkt und deshalb ist er einer der ältesten Weihnachtsmärkte in Osthessen. Gelistet wird er mittlerweile auch unter den schönsten in ganz Hessen. 1990 hat man mit rund 30 Ständen angefangen, dieses Jahr sind es 75, die auf dem Burghof, im Marstall (Erdgeschoss des Burggebäudes), im Weinkeller (Keller des Burggebäudes) sowie in der Schlossgasse in Holzhütten und Garagen aufgestellt sind.

Traditionell wird nur Handgefertigtes angeboten, wie Weihnachtsschmuck, Naturseifen, Strick-, Filz- und Lederwaren, geflochtene Körbe, filigrane Näharbeiten, Deko-Artikel aus Holz, Metall, Glas und Porzellan, süße Leckereien von Plätzchen über feinste Schokoladen bis hin zu Pralinen, Honigprodukte, Bienen–Naturkosmetik, Schmuck, Edelbränden, verschiedene Spirituosen und vieles mehr. Dabei können sich die Besucher an vielen Ständen von der Handwerkskunst der Aussteller überzeugen, die ihre Fähigkeiten auch während des Marktes unter Beweis stellen. Leckere regionale Gaumenfreuden wie Bratwurst vom Haus- oder Wildschwein, Pilzpfanne, Burger, Pizzen aus dem Holzofen, verschiedene Suppen, leckeres rund um die Kartoffel, Crêpes, heiße Waffeln, selbst gebackene Kuchen und Torten in den verschiedensten Variationen sowie Winzerglühweine lassen auch kulinarisch keine Wünsche offen.

Bekannt ist der Schwarzenfelser Weihnachtsmarkt für sein abwechslungsreiches Kinderprogramm. Es gibt spannende Märchenerzählungen von Heidi Andriessens aus Bad Kissingen, Gipsfiguren zum Anmalen, eine Plätzchenback- und Bastelstube und eine Krippenausstellung in der Kirche, die nicht nur die Kleinsten zum Verweilen einladen. Traditionell besuchen Nikolaus und Knecht Ruprecht an den beiden Markttagen auf ihrem Schlittenhundegespann die Burg, um Süßigkeiten an die kleinen Besucher zu verteilen. Veranstaltet wird der Weihnachtsmarkt vom Verein „AktivGEmeinschaft Schwarzenfels“.

Die „AGE“ wurde am 7. Dezember 2011 als gemeinnütziger Verein gegründet und hat heute 85 Mitglieder aller Altersschichten, Vereine und Gewerbebetriebe. Er hat sich der Heimat- und Ortsbildpflege verschrieben und möchte das bürgerliche Engagement (Wir-Gefühl) zugunsten gemeinnütziger und kirchlicher Zwecke fördern. Hierzu zählen gemeinsame Aktivitäten der Vereinsmitglieder zur Pflege der heimatlichen Denkmäler und Naturschönheiten, die Überlieferung von örtlich historischen Daten und Fakten sowie von generationenübergreifenden Traditionen und Kunsthandwerken. Auch fördert der Verein das Umweltbewusstsein und führt im Rahmen dessen beispielsweise Landschaftssäuberungsaktionen oder Baumschnittseminare durch. 

Bis einschließlich 2010 wurde der Weihnachtsmarkt unter der Federführung der damaligen Arbeitsgemeinschaft der Schwarzenfelser Vereine (ARGE) durchgeführt. Seitdem wird der überregional bekannte historische Erlebnisweihnachtsmarkt mit dem ganz besonderen Flair komplett ehrenamtlich und mit viel Herzblut und besonderem Engagement von der „AktivGEmeinschaft Schwarzenfels“ organisiert. Marktmeisterin Tatjana Ulrich kümmert sich sehr intensiv um die Ausschreibung des Marktes und die Koordination und Betreuung der Ausstellerstände. Unterstützt wird sie vom zweiten Marktmeister Georg Röll.  

Die notwendige Werbung, viele organisatorische sowie administrative Aufgaben, Planung von Maßnahmen zur Einhaltung des Sicherheitskonzeptes und viele weitere Aufgaben sind Sache des AGE-Vorsitzenden Thomas Fuß. Der Markt begann am gestrigen Samstag und ist am heutigen ersten Adventssonntag wieder von 11 Uhr bis 19 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Ein Besuch lohnt sich. Aufgrund der malerischen Berghanglage und schmalen steilen Gassen in Schwarzenfels und dem vermutlich sehr hohen Besucheransturms gestaltet sich die Parkplatzsuche schwierig. Ein längerer Fußweg muss zeitlich einkalkuliert werden. Als besonderer Service ist ein kostenfreier Shuttlebusservice eingerichtet, der zwischen dem Firmenparkplatz der Knaus-Tabbert-Group in Mottgers und dem Eingang Schlossgasse Schwarzenfels regelmäßig pendelt. 

Übrigens:

Die Burg hat der Verein „Ritter Schwarzenfels” vom Immobilienmanagement des Landes Hessen gepachtet. Deren Mitglieder nennen sich Ritter. Was bei jedem anderen Verein Jahreshauptversammlung heißt, ist ihre Burgversammlung. Und der Vorsitzende Thomas Dorn ist „Burgherr“. Die nachhaltige Belebung der Burgruine Schwarzenfels, deren Erhaltung und Sanierung, Nutzung für die Allgemeinheit, die Erforschung der Geschichte und der kunst- und kulturgeschichtlichen Entwicklung, sowie die Förderung als Begegnungs- und Fortbildungsstätte für an Kultur, Geschichte und Brauchtumspflege interessierte Menschen aller Nationen sind die hochgesteckten Satzungsziele, die bei der Vereinsgründung am 29. November 2007 beschlossen wurden. Erfreulich viel Nachfrage gibt es für Belegungen, Sonderveranstaltungen und „Events”. Cool findet das Leben auf der Burg nicht nur das jugendliche Klientel (56 Betten in sieben Zimmern, großer Gruppe-/Speiseraum, Großküche, zwei Waschräume). 

Der Sinntaler Ortsteil Schwarzenfels klebt förmlich am Westhang des 492 Meter hohen Hopfenberges, mit dem Blickfang der Burg obenauf. Seinen Namen hat das 560-Seelen-Dorf wahrscheinlich vom schwarzen Basaltboden (Dolerit), denn in einer Urkunde vom 8. November 1280 wird er "Swarzenfels" genannt. Dienstmannen, Lehnsleute und Fronbauern siedelten sich unter dem Schutz der Burgritter an. Raubritter machten früher die Gegend unsicher. Die ehrwürdigen Mauern, die sie hinterlassen haben, sind heute „nur“ ein Anziehungspunkt für Ausflügler. Die Höhenburg errichtete Graf Reinhard I. von Hanau zwischen 1277 und 1280 aus massivem Bruchstein-Mauerwerk. 1305 erweiterte dessen Sohn Ulrich I. die Anlage um eine der heiligen Margarete geweihten Kapelle, und unter der gibt es noch eine kellerartige Krypta, deren Kreuzgewölbe eine massige Mittelsäule stützt. 

Die Burg Schwarzenfels wurde als Amts- und Gerichtssitz in den Jahrhunderten mehrfach aus- und umgebaut. Rege Bautätigkeit bestand im 16. Jahrhundert, als Graf Philipp III. von Hanau die Burg zum schlossartigen Witwensitz seiner Gemahlin Helene, Tochter des Pfalzgrafen Johannes von Simmern, erweitern ließ. Der Marstall, der heute neben den Türmen die Silhouette der Burg beherrscht, diente als Wohnung des Verwalters. Nach der Zerstörung der Hauptburg residierten hier bis 1821 die kurhessischen Amtmänner. 1867 wurde das kurfürstliche hessische Justizamt in ein königlich preußisches Amtsgericht umgewandelt. Im Westflügel befindet sich seit 1810 die Schwarzenfelser Kirche. Nach einer Restaurierung ist der Turm ein Höhepunkt der Anlage. Es lohnt sich, die 114 Stufen der Stahlwendeltreppe empor zu klettern. Oben hat man einen fantastischen Rundumblick weit ins Sinntal. Besonders Mutige können auf dem ersten Sinntaler Skywalk durch den Gitterrost über Hundert Meter senkrecht hinunter bis zu den Fundamentresten am Turmboden blicken. Ein atemberaubendes Erlebnis.


Das Weihnachtsmarktprogramm heute:

11 Uhr Marktbeginn, 13 Uhr, 14.30 Uhr und 16.30 Uhr spannende Märchenerzählungen, 13.30 Uhr Weihnachtsklänge von den Landrückenmusikanten Veitsteinbach, 15.30 Uhr kommt der Nikolaus auf seinem Hundeschlitten, 16.30 Uhr musikalisches Finale mit den BlechBRASSers . +++