Wie Kinder vor sexualisierter Gewalt im Netz geschützt werden sollen
Samstag, 10.01.2026
von Redaktion Kinzig News
WIESBADEN/KASSEL - Der digitale Raum bietet für junge Menschen enorme Chancen, birgt aber auch erhebliche Risiken durch sexualisierte Grenzverletzungen und Gewalt.
Um den Schutz und die Selbstwirksamkeit betroffener Kinder und Jugendlicher zu verbessern, fördert das Hessische Digitalministerium das Projekt „Verbieten Verboten?!“ der Kasseler Fachberatungsstelle faX mit 12.844 Euro.
Perspektivwechsel: Mitsprache statt reiner Verbote
Im Zentrum des Vorhabens steht die Einbindung der Jugendlichen selbst. Anstatt lediglich über Altersgrenzen oder Handyverbote zu entscheiden, sollen die Teilnehmer ihre Sichtweise auf Schutzmaßnahmen und die Wirksamkeit von Meldeverfahren auf Social-Media-Plattformen einbringen. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus betonte, dass die Stimmen der Betroffenen eine wesentliche Grundlage für politische Entscheidungen im Bereich der Mediennutzung sein müssen.
Das Projekt ist Teil des Hessischen Landesaktionsplans zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Familienministerin Diana Stolz sieht darin einen konsequenten Schritt, um Kinder zu stärken, ihre Rechte wahrzunehmen und sich im Ernstfall gezielt Hilfe zu suchen.
Kreative Präventionsarbeit durch Workshops
Das Konzept sieht fünf analoge Workshops vor, die von Fachkräften aus der Sozialpädagogik und dem Kommunikationsdesign geleitet werden. Die Jugendlichen erstellen dabei eigene digitale Formate wie Videoclips, Podcasts oder Social-Media-Beiträge. Diese beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Übergriffen und KI-Kompetenz im digitalen Raum.
Die Ergebnisse der Workshops sollen als authentische Präventionsmaterialien in die Fortbildung von Lehr- und Fachkräften einfließen. Laut Annemarie Selzer, Geschäftsführerin der Fachberatungsstelle, empfinden viele Jugendliche starre Verbote als Einschränkung ihrer Lebensrealität, fordern aber gleichzeitig sicherere digitale Räume ein.
Das Projekt soll nun klären, warum Schutzmechanismen auf großen Plattformen oft wirkungslos bleiben und wie echter Schutz aus Sicht der vulnerablen Zielgruppe aussehen muss. (red)