Naturschutz bei Minusgraden

Warum die Jäger auch bei klirrender Kälte im Gelnhäuser Stadtwald aktiv sind

Die Jäger sind auch bei Eis und Schnee im Wald im Einsatz - Fotos: Privat


Freitag, 09.01.2026
von Redaktion Kinzig News

GELNHAUSEN - Wenn andere bei klirrender Kälte das Kaminfeuer anheizen, sind die Jäger im Gelnhäuser Stadtwald draußen unterwegs. Rund um Jagdleiter Philipp Buchenau packt das etwa zehnköpfige Team auch bei frostigsten Temperaturen an – für Mensch, Tier und Natur. Denn ihre Arbeit endet nicht mit der Jagd, sondern beginnt oft dort erst richtig.

Schon im Sommer haben die Jäger rund 1,5 Lastwagenladungen Sandstein in den Stadtwald gebracht. Ein Teil davon wurde auf der Ausgleichsfläche für den Fernsehturm am Schulfestplatz abgeladen. Jetzt, bei Minusgraden, ging es an das Umschichten der schweren Brocken. „Wir haben bewusst auf den Frost gewartet“, erklärt Buchenau. „Der Boden ist dann fest und wird nicht verdichtet.“ Ein weiterer Grund: Reptilien wie Eidechsen sind bei dieser Witterung nicht aktiv – Verletzungen werden so vermieden.

Die Sandsteine dienen als Rückzugs- und Lebensräume für zahlreiche Tierarten wie die Waldeidechsen. Gleichzeitig haben die Jäger Teile der Fläche gemulcht. Dort soll neues, frisches Grün wachsen. Andere Bereiche bleiben bewusst unberührt. „Schutzräume für Igel und weitere Tiere dürfen nicht verloren gehen“, sagt Buchenau. Das Mulchen ermöglicht das Wachstum junger Pflanzen und Gräser, also wichtige Nahrungsquellen für Wildtiere. „Wenn genug Futter vorhanden ist, kommt es zu einem deutlich reduzierten Verbiss an Bäumen – das spart letztendlich auch hohe Kosten“, erklärt der Jagdleiter.

Ein weiteres Großprojekt wurde ebenfalls in der frostigen Jahreszeit umgesetzt: Auf rund 22 Kilometern Länge haben die Jäger Wegeränder gemulcht, entbuscht und freigeschnitten. Ziel ist es, neues Grün zu fördern und zugleich die Wege offen zu halten – für Spaziergänger, Wanderer und im Ernstfall auch für Feuerwehr und Rettungskräfte.

Auf einem besonders betroffenen Weg beseitigten die Jäger rund 20 umgestürzte Bäume, sodass er wieder begeh- und befahrbar ist. Ein weiterer Weg wurde von verstreut liegendem Holz befreit. Auch die steinernen Wegemarkierungen hat das Team um Buchenau freigeschnitten, damit Wanderer und Einsatzkräfte sich besser orientieren können. Vom Moos befreit werden die Steine allerdings erst, wenn die Temperaturen wieder steigen.

Zudem haben sich die Jäger um weitere Äsungsflächen im Wald gekümmert, die im Lauf der Jahre mit Efeu zugewachsen waren. „Diese Flächen sind enorm wichtig, um Verbissschäden zu reduzieren“, betont Buchenau.

Neben den Arbeiten im Wald kümmert sich das Team im Winter auch um die Vogelwelt: Futterstellen werden regelmäßig bestückt. In Kürze sammeln die Jäger gemeinsam mit den Waldfreunden die vorhandenen Nistkästen ein. Sie werden im Winter überholt und im Sommer wieder aufgehängt.

Alle Schritte sind eng mit dem zuständigen Förster abgestimmt, betont Buchenau. Gleichzeitig bedankt er sich bei seinem Team – und bei den Unterstützern. „Sogar ein Magistratsmitglied hat uns beim Aufschichten der Sandsteine geholfen, von denen manche mehr als 100 Kilo wiegen. Das freut uns sehr.“ Für ihn sind die Einsätze im Wald keine Arbeit: „Es ist unser Hobby. Wir sind an einem Ort tätig, den wir lieben: mitten in der Gelnhäuser Natur.“ Und genau deshalb wollen sie weiter dafür sorgen, dass sich hier Menschen ebenso wohlfühlen wie die Tierwelt.

Neues Beliebtes
    Kontakt
    Kinzig.News Redaktion:
    Telefon:06051 833 712
    E-Mail: [email protected]
    Kinzig.News Vertrieb:
    Telefon:06051 833 711
    E-Mail: [email protected]
    Kinzig.Termine