Impuls von Stefan Buß: Friedensgottesdienst der Karnevalisten in Fulda
Samstag, 24.01.2026
von STEFAN BUß
FULDA / MKK - Seit 1991 gehört er zur festen Tradition der Fuldaer Fastnacht – Foaset. Der Friedensgottesdienst der Karnevalisten. Das ist auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich – und doch ist es genau richtig. Denn die Fastnacht ist nicht nur Lachen, Feiern, Kostüme und Musik. Fastnacht ist seit jeher auch ein Spiegel der Welt, ein Ort, an dem wir sagen dürfen, was uns bewegt, was uns ärgert, was uns traurig macht – und was uns Hoffnung gibt.
Und genau darum geht es heute: um den Frieden. Manche fragen vielleicht: Passt das zusammen – Frieden und Fastnacht? Passt Stille zu Trommelwirbel, passt Gebet zu Büttenrede? Ich glaube: Ja, das passt sehr gut zusammen. Denn ohne Kirche und Fastenzeit gäbe es keine Fastnacht. Fastnacht lebt davon, dass Menschen zusammenkommen – über Unterschiede hinweg. Alt und Jung, arm und reich, laut und leise, fromm und fröhlich – alle dürfen dabei sein. Und genau das ist Frieden im Kleinen: Nicht, dass alle gleich sind, sondern dass wir miteinander leben, lachen, feiern und einander aushalten.
Der Friedensgottesdienst erinnert uns daran: Unser Humor soll nicht verletzen, sondern heilen. Unser Lachen soll nicht ausgrenzen, sondern verbinden. Unsere Worte sollen nicht spalten, sondern Brücken bauen. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ (Mt 5,9) Frieden ist nicht zuerst ein Vertrag zwischen Staaten. Frieden beginnt im Herzen jedes einzelnen Menschen. In der Art, wie wir über andere reden. In der Art, wie wir mit Fehlern umgehen – mit unseren eigenen und denen der anderen. In der Art, wie wir reagieren, wenn uns etwas nicht passt.
Gerade in der Fastnacht, wenn Worte besonders schnell und scharf werden können, ist das wichtig. Die Bütt darf zuspitzen – ja. Sie darf kritisieren – ja. Aber sie soll nicht verletzen, nicht entwürdigen, nicht verächtlich machen. Der Friedensgottesdienst kann wie ein innerer Kompass: Er fragt uns: Dient das, was ich sage, dem Leben? Dient es dem Miteinander? Dient es dem Frieden?
Dass dieser Friedensgottesdienst hier in Fulda gefeiert wird, ist kein Zufall. Fulda ist eine Stadt mit Geschichte, mit Glauben, mit Tradition – und mit Menschen aus vielen Richtungen, mit unterschiedlichen Meinungen, Hoffnungen und Sorgen. Wir erleben in unserer Welt gerade viel Unfrieden: Kriege, Gewalt, Hass, Polarisierung, Sprachlosigkeit. Umso wichtiger ist es, dass wir Orte haben, an denen wir bewusst sagen: Wir wollen dem bewusst etwas entgegensetzen.
Nicht mit großen Parolen, sondern mit kleinen, echten Gesten: Zuhören. Respekt. Freundlichkeit. Versöhnung. Humor mit Herz. Der Friede, den Gott uns schenkt, ist kein Friede, der alles glattbügelt. Er ist ein Friede, der uns trägt – mitten in der Unvollkommenheit dieser Welt. Ein Friede, der uns Mut macht, Menschen des Lichts zu sein, auch wenn es dunkel wird. Menschen der Hoffnung, auch wenn vieles schwer erscheint.
Der Friedensgottesdienst in der Fastnachtszeit ist deshalb kein Widerspruch, sondern ein Geschenk: Er erinnert uns daran, warum wir überhaupt feiern: Weil das Leben wertvoll ist. Weil Gemeinschaft ein Schatz ist. Weil der Mensch mehr ist als seine Fehler. Und weil Gott uns zutraut, Friedensstifterinnen und Friedensstifter zu sein – im Alltag, im Verein, in der Familie, in der Stadt und in der Welt.
So bitten wir morgen wieder um den Frieden Gottes – für unsere Herzen, für unsere Stadt Fulda, für unser Land und für diese Welt. Und wir bitten zugleich um den Mut, diesen Frieden weiterzugeben: mit offenen Augen, offenen Ohren und offenen Herzen. Mit Humor, der heilt. Mit Worten, die aufrichten. Mit Taten, die verbinden.
Dann wird aus diesem Gottesdienst mehr als ein Termin im Kalender. Dann wird er zu einer Quelle, aus der Frieden wachsen kann – mitten in der Fastnacht und mitten im Leben.
Herzliche Einladung morgen um 11 Uhr in der Stadtpfarrkirche Fulda oder über YouTube Stadtpfarrei Fulda.