Hanau: Warum sich die Christuskirche in ein modernes Diakoniezentrum verwandelt
Sonntag, 18.01.2026
HANAU - Der Evangelische Kirchenkreis Hanau und das Diakonische Werk Hanau-Main-Kinzig wagen einen zukunftsweisenden Schritt ...
Aus der Christuskirche in der Nähe des Hauptbahnhofs wird ein diakonisches Zentrum. Unter dem Motto „Diakoniekirche. Begegnen. Beraten. Begleiten.“ entsteht hier ein neuer Ort des Austausches, der Hilfe und Hoffnung mitten in der Stadt.
Rückläufige Mitgliederzahlen und notwendige Sanierungen
Eine Entscheidung, die einen wertvollen Neuanfang für die Christuskirche bedeutet: Schweren Herzens hatte die Stadtkirchengemeinde aufgrund rückläufiger Mitgliederzahlen und notwendiger Sanierungen entschieden, die Nutzung der Christuskirche als klassische Gemeindekirche zu beenden. Der Evangelische Kirchenkreis Hanau übernimmt das denkmalgeschützte Gebäude nun mit dem klaren Ziel, sie zu bewahren und in ein lebendiges, soziales Zentrum zu verwandeln.
„Wir wollen zeigen, dass Kirche bleibt – als Kraftquelle, als Unterstützerin, als offener Raum für die Menschen in unserer Stadt und dem gesamten Main-Kinzig-Kreis“, sagt Dr. Martin Lückhoff, Dekan des Kirchenkreises. In der Diakoniekirche werde die Verbindung von kirchlichem Auftrag und diakonischer Praxis gelebt. Das Projekt sei ein sichtbares Zeichen kirchlicher Präsenz mitten in der Stadt.

Ein Zentrum für Begegnung, Beratung und seelische Stärkung
Geplant
ist der Umbau zu einem modernen Büro- und Begegnungshaus mit rund 1.100
Quadratmetern Nutzfläche auf drei Etagen. Das historische
Erscheinungsbild bleibt erhalten, zugleich schafft die neue Architektur
Raum für vielfältige soziale Angebote. Hauptnutzer des Hauses wird das
Diakonische Werk Hanau-Main-Kinzig, das mit rund 45 Mitarbeitenden
Beratung für Menschen in schwierigen Lebenslagen anbietet: Suchtkranke,
überschuldete Personen, Migranten, psychisch belastete Menschen und
viele mehr finden hier leicht zugängliche, professionelle Unterstützung.
Neben der Beratung wird es außerdem offene Sprechstunden und
Begegnungsangebote geben.
„Die Diakoniekirche soll zu einem Ort werden, an dem Menschen Halt finden – ganz gleich, woher sie kommen, woran sie glauben oder was sie mitbringen”, stellt Pfarrerin Ute Engel, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Hanau-Main-Kinzig fest. Darüber hinaus ist im Erdgeschoss ein Back-Café als offener Treffpunkt geplant: Es lädt alle Menschen zum Verweilen ein – ob zum Kaffee, zum Austausch oder einfach zum Krafttanken – und unterstreicht so die Willkommenskultur der Diakoniekirche. „Für uns als Diakonisches Werk ist die Diakoniekirche ein großer Schritt nach vorn: Wir rücken näher an die Menschen heran, für die wir da sind”, fasst Engel zusammen.
Aktuell befindet sich der Standort des Diakonischen Werkes im Technologiepark Hanau Wolfgang. Der Umzug in die Stadtmitte bringt viele Vorteile mit: „Unsere Arbeit wird sichtbarer, nahbarer – und gleichzeitig stärker vernetzt mit dem städtischen Leben und anderen sozialen Akteuren“, so die Geschäftsführerin. Gerade für Menschen in Krisen sei es entscheidend, leicht zugängliche Angebote in erreichbarer Nähe zu finden. Mit dem neuen Standort setzt die Diakonie deshalb auch ein Zeichen: „Hilfsangebote gehören dorthin, wo das Leben spielt – mitten in die Stadt, mitten unter die Menschen.”
Ein Kirchturm als Leuchtturm
Auch
die Stadt Hanau steht hinter dem Projekt. Dr. Maximilian Bieri,
Bürgermeister der Stadt Hanau, sagt: „Wir begrüßen die geplante
Diakoniekirche ausdrücklich und sehen in ihr ein Leuchtturmprojekt im
Rahmen der Umgestaltung des Viertels rund um den Hauptbahnhof.“ Mit dem
Projekt beweise die Evangelische Kirche in Hanau große Innovationskraft.
Die enge Zusammenarbeit von Kirche, Diakonie und Stadtgesellschaft
trage dazu bei, das Quartier sozial zu stärken und neue Perspektiven für
die Menschen in Hanau zu eröffnen.
„Hier entsteht Schritt für Schritt ein starkes Netz aus Unterstützung und Beratung. Dazu passt auch der geplante Neubau des Hauses rund um das Erwerbsleben gegenüber dem Hauptbahnhof: Dort werden Angebote von der Bundesagentur für Arbeit über das Jobcenter und das städtische Sozialamt bis hin zu Fortbildungen der Volkshochschule gebündelt“, so Bieri. Und
Dekan Dr. Lückhoff betont: „Wir glauben, dass dieses Projekt auch über Hanau hinaus Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit gibt.“ Wie bleibt Kirche relevant? Wie wird sie sichtbar? Wie verbindet sie Glauben mit konkretem Handeln? “Die Diakoniekirche Hanau will auf all das eine Antwort geben – ganz im Sinne des gemeinsamen Reformprozesses und als Ausdruck einer Kirche, die bleibt, begegnet, berät und begleitet.”
Das innovative Bauprojekt wird vom Architekturbüro Tobias G. Väth begleitet. Mit viel Erfahrung gestaltet das Büro den Erhalt des historischen Charakters der Christuskirche und verbindet diesen mit modernen Anforderungen, sodass die Diakoniekirche als soziales Zentrum sichtbar wird. Der Umbau soll bis 2028 abgeschlossen sein. (red)