Main-Kinzig-Kreis weist Hanauer "Altlasten"-Vorwürfe zurück
Mittwoch, 28.01.2026
von Redaktion Kinzig News
HANAU / MAIN-KINZIG-KREIS - Nach der Loslösung der Stadt Hanau vom Main-Kinzig-Kreis sorgt die Übergabe der Sozialakten für dicke Luft. Während das Hanauer Rathaus von tausenden unbearbeiteten Vorgängen spricht, kontert die Kreisverwaltung mit harten Zahlen und technischen Fakten.
Der Start der Stadt Hanau in die Kreisfreiheit wird von einem heftigen Wortgefecht zwischen der Stadtspitze und der Kreisverwaltung in Gelnhausen begleitet. Im Zentrum der Kritik steht die Behauptung aus dem Hanauer Rathaus, der Main-Kinzig-Kreis (MKK) habe der Stadt rund 5000 unbearbeitete Vorgänge vor die Tür gestellt. Ein Vorwurf, den der Erste Kreisbeigeordnete Andreas Hofmann nun deutlich zurückweist: Die Darstellung entspreche nicht den Tatsachen und verkenne die enorme Vorarbeit der Kreisbediensteten.
"Poststücke“ sind keine unbearbeiteten Akten
Der Kern des Konflikts liegt in der Definition dessen, was Anfang Dezember den Besitzer wechselte. Laut Hofmann handele es sich bei den besagten 5000 Einheiten vorrangig um "Poststücke“ – also E-Mails, Nachweise wie Kontoauszüge oder Mietverträge –, die größtenteils zu bereits laufenden und erfassten Verfahren gehören.
Die tatsächliche Zahl der noch nicht final entschiedenen Fälle liege in einem völlig normalen Bereich:
- Sozialhilfe: Etwa 340 offene Fälle bei über 5.050 übergebenen Akten.
- Jobcenter (KCA): Rund 160 offene Fälle bei etwa 5.300 Bedarfsgemeinschaften.
"Das ist vor dem Hintergrund eines Trägerwechsels ein weitgehend normales Phänomen“, ordnet Hofmann die Lage ein. Viele Bürger hätten zum Jahreswechsel noch schnell Unterlagen eingereicht, die dann planmäßig zum Stichtag am 8. Dezember gesammelt an Hanau übergeben wurden.
Technische Hürden bei der Datenübertragung
Ein wunder Punkt der Auskreisung bleibt die IT. Bereits im Juni 2025 gab es Testläufe mit der Bundesagentur für Arbeit (BA), bei denen Probleme auftauchten. Trotz der Umsetzung aller Hanauer Anforderungen durch die IT-Dienstleister stellte sich im Nachhinein heraus, dass die Daten nicht reibungslos in das System der neuen gemeinsamen Einrichtung (gE) Hanau flossen.
Besonders die Infrastruktur auf Seiten der Bundesagentur erwies sich laut Kreisverwaltung als Nadelöhr für die gewaltigen Datenmengen. Das Kommunale Center für Arbeit (KCA) habe hier sogar Überstunden am Wochenende geleistet und eigene Alternativlösungen entwickelt, um die Pünktlichkeit der Datenlieferung zu garantieren.
Vorbereitungen gegen soziale Härten
Um zu verhindern, dass Hanauer Bürger durch den bürokratischen Wechsel ohne Geld dastehen, griff der Kreis zu einer unkonventionellen Maßnahme: Über 800 Fälle, deren Leistungsbezug im November oder Dezember 2025 ausgelaufen wäre, wurden pauschal um zwei Monate verlängert. Damit sollte sichergestellt werden, dass niemand während der kritischen Übergangsphase mittellos wird.
Zusätzlich wurden 650 eigens erstellte Formulare und Vordrucke an die Stadt Hanau übergeben, um den dortigen Mitarbeitern den Start zu erleichtern.
Ein Appell zur Sachlichkeit
Hofmann vermutet, dass die Stadt Hanau das Volumen und die Komplexität der Aufgaben unterschätzt haben könnte, insbesondere mit Blick auf noch unbesetzte Stellen in der neuen Stadtverwaltung. "Viel aussagekräftiger als die bloßen Zahlen sind die zahlreichen Maßnahmen, die wir umgesetzt haben, um den Neuanfang zu erleichtern“, so der Vize-Landrat.
Sein Appell an die "kreisbefreiten Hanauer“ ist deutlich: Man solle die fachliche Arbeit für die Bürger wieder in den Fokus rücken, statt sich in öffentlichen Zahlenspielen zu verlieren. (red)