Hanau: So will die Stadt die Weichen für ein zukunftsfähiges Kita-System stellen
Mittwoch, 04.02.2026
HANAU - Mit dem „Entwicklungsplan Kindertagesbetreuung 2025–2030“ (KEP) will die Stadt Hanau die strategische Grundlage für eine bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige und langfristig tragfähige Kindertagesbetreuung bis zum Jahr 2030 legen.
Der Plan reagiere auf veränderte Rahmenbedingungen, neue Bedarfe in den Stadtteilen sowie auf strukturelle Entwicklungen in der frühkindlichen Bildung und Betreuung.
"Verlässliche, kontinuierliche Hanauer Planungspolitik"
„Die immensen Herausforderungen der vergangenen Jahre sind angenommen worden und trotz Pandemie, weltpolitischer Umbrüche und Fachkräftemangel ist es gelungen, die Ausbauplanung nahezu punktgenau umzusetzen“, betont Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri. „Das ist Ausdruck einer verlässlichen, kontinuierlichen Hanauer Planungspolitik.“
In den vergangenen Jahren habe die seit Januar kreisfreie Brüder-Grimm-Stadt eine dynamische Wachstums- und Entwicklungsphase erlebt: „Neue Wohnbaugebiete, die Umnutzung ehemaliger Konversionsflächen und der damit verbundene Bevölkerungszuwachs führten zu einem deutlich steigenden Bedarf an frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten. Der Entwicklungsplan 2020/21–2025 war daher maßgeblich vom quantitativen Ausbau geprägt und setzte den Schwerpunkt auf die Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze.“
Grundlegender Wandel in der städtischen Kita-Planung
Mit dem neuen Entwicklungsplan vollziehe sich nun ein grundlegender Wandel in der städtischen Kita-Planung. Erstmals seit Jahren sei eine stabile Entwicklung der Kinderzahlen zu verzeichnen. Diese veränderte Ausgangslage wirke sich unmittelbar auf die Bedarfsplanung aus und erfordere eine passgenauere, flexiblere Steuerung des Angebots. Gleichzeitig stehe die Kindertagesbetreuung vor weiteren strukturellen Veränderungen: Ab kommendem Schuljahr 2026/27 greife der bundesweite Rechtsanspruch auf ganztägige Schulkindbetreuung. Der Übergang älterer Kinder in schulische Angebote werde perspektivisch Hortplätze freisetzen und neue Anforderungen an Raum-, Personal- und pädagogische Konzepte mit sich bringen.
„Verlässlichkeit bedeutet nicht Stillstand“, stellt Dr. Maximilian Bieri klar. „Neben der konsequenten Umsetzung bestehender Planungen haben wir in den vergangenen Jahren zusätzliche innovative Maßnahmen auf den Weg gebracht, um auf Engpässe zu reagieren und neue Zugänge zur frühkindlichen Bildung zu schaffen.“
200 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen
So konnten allein durch die stadtweite solidarische Anpassung der Öffnungszeiten in städtischen Kitas auf 16 Uhr nahezu 200 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen werden. „Dass die Zahl der neu aufgenommenen Kinder die angestrebten Ziele deutlich übertroffen hat, ist dem außergewöhnlichen Engagement der Mitarbeitenden in unseren Einrichtungen zu verdanken“, hebt der Bürgermeister hervor. Auch Projekte, wie die Lernspielgruppen zur Sprachförderung und Schulvorbereitung sowie das Pilotprojekt „Grimmchen“ für jüngere Kinder, die noch keine Kita besucht haben und hier spielerisch Sprache und soziale Fähigkeiten erlernen, hätten dazu beigetragen, zusätzliche Angebote insbesondere in Phasen knapper Kapazitäten bereitzustellen.
Fokus auf bedarfsgerechter Weiterentwicklung bestehender Einrichtungen
Der Entwicklungsplan basiere auf umfassenden Datenerhebungen und Analysen. Er verschiebe den Fokus von einem rein quantitativen Ausbau hin zu einer bedarfsgerechten Weiterentwicklung der bestehenden Einrichtungen. Ziel sei es, flexibel und stadtteilbezogen auf unterschiedliche Bedarfe zu reagieren: Während in einzelnen Bereichen perspektivisch Überkapazitäten entstehen könnten, bestehe in anderen Stadtteilen weiterhin ein hoher Bedarf an Betreuungsplätzen.
Zu den zentralen Zielen des Plans zählten ein Platzangebot für jedes Kind im Alter von drei bis sechs Jahren sowie eine Anhebung der Versorgungsquote für ein- bis dreijährige Kinder auf bis zu 37 Prozent bis zum Jahr 2030. Im Mittelpunkt bleibe dabei der „Hanauer Weg“ in der Kindertagesbetreuung: Bürgernähe, persönliche Kontakte, Einzelfallbetrachtung sowie eine enge Vernetzung der Kitas als Beratungs- und Unterstützungssysteme in den Stadtteilen.
Empfohlen werden unter anderem eine stärkere altersgemischte Nutzung bestehender Einrichtungen, eine stadtteilübergreifende Steuerung der Platzvergabe, der Erhalt sowie die Sanierung und Modernisierung vorhandener Kitas. Vorhalteflächen in Stadtteilen, wie Lamboy/Tümpelgarten und Großauheim, dienten dabei als strategische Reserve zur Absicherung zukünftiger Bedarfe. Ein weiterer Schwerpunkt liege auf der Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte sowie auf der Sicherung hoher pädagogischer Standards.
Vorbereitung auf mögliche Risiken
„Betreuungsqualität steht und fällt mit den Rahmenbedingungen für die Mitarbeitenden“, unterstreicht Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri. „Hanau setzt hier traditionell höhere Standards als gesetzlich gefordert. Investitionen in frühkindliche Bildung sind Investitionen in die Zukunft unserer Stadt – und sie haben zugleich einen ganz konkreten Effekt für Familien im Hier und Jetzt.“
Der Entwicklungsplan wurde gemeinsam mit dem Fachausschuss des Jugendhilfeausschusses Kindertagesbetreuung erarbeitet und formuliert zentrale strategische Leitlinien, um auch auf Risiken wie veränderte Geburtenzahlen oder einen erneuten Fachkräftemangel vorbereitet zu sein. Der Magistrat hat dem Plan bereits zugestimmt. Die abschließende Entscheidung trifft die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am Montag, 9. Februar, ab 17 Uhr. (red)