Impuls von Stefan Buß: "Kehrt um – und folgt mir"
Mittwoch, 11.02.2026
von STEFAN BUß
FULDA / MKK - „Das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen.“ Mit diesem Satz beschreibt der Prophet Jesaja eine große Hoffnung — und das Evangelium sagt den Menschen in Jesus Christus ist diese Hoffnung Wirklichkeit geworden.
Als Jesus unter den Menschen erstmals öffentlich auftritt, tut er dies nicht im Tempel von Jerusalem, nicht in den Machtzentren, sondern in Galiläa, in einer Randgegend, mitten im normalen Leben der Menschen. Dort beginnt er zu verkünden: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe“, ist seine erste öffentliche Botschaft.
Kein kompliziertes Programm. Keine langen Erklärungen. Nur diese beiden Sätze: Kehrt um. Und: Gottes Reich ist nahe.
Wenn wir „kehrt um“ hören, denken viele zuerst an Vorwürfe, Schuld, moralischen Druck. Aber im biblischen Sinn heißt Umkehr vor allem: Neu ausrichten. Die Richtung ändern. Jesus sagt nicht: „Ihr seid schlecht.“ Er sagt: „Gott ist euch nahe gekommen — darum lohnt es sich, anders zu leben.“ Umkehr heißt: – weg vom Kreisen um mich selbst, – weg von Angst, Resignation und alten Mustern, – hin zu Gott, hin zum Vertrauen, hin zum Leben. Umkehr ist nicht zuerst Verzicht — sondern Gewinn. Nicht Verlust, sondern Öffnung.
Und dann ruft Jesus Menschen in seine Nähe: Fischer, einfache Arbeiter. Sie sind bei der Arbeit. Die Netze sind ausgeworfen, die Hände sind beschäftigt, der Kopf ist voller Alltagsfragen. Und Jesus sagt nur: „Kommt nach, mir nach. Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Er gibt ihnen keine Garantie, keinen Plan, keine Sicherheit. Nur sich selbst. Und erstaunlich ist: Sie lassen alles liegen und folgen ihm. So jedenfalls lesen wir es zu Beginn des Markusevangeliums (vgl. Mt. 4, 12-23).
Warum? Nicht, weil sie lebensmüde sind. Nicht, weil sie alles satt haben. Sondern weil sie spüren: Hier ist etwas, das größer ist als mein bisheriges Leben. Hier ist ein Sinn, der trägt. Diese Geschichte ist nicht nur Erinnerung — sie ist Gegenwart. Denn Jesus geht auch heute durch unser Leben hindurch und sagt: „Komm.“ Nicht weg von deiner Familie. Nicht weg von deiner Verantwortung. Aber hin zu einem Leben aus dem Glauben. Hin zu einem Leben aus Liebe. Hin zu einem Leben aus Vertrauen.
Jesus ruft nicht nur Priester und Ordensleute. Er ruft Eltern in ihren Familien. Er ruft Menschen in ihrem Beruf. Er ruft Kranke in ihrem Leiden. Er ruft Alte in ihrer Weisheit. Er ruft Junge in ihre Zukunft.
Jede und jeder auf seine Weise. Der Prophet Jesaja spricht vom Licht, das im Dunkel aufleuchtet (Jes 9). Unsere Welt kennt viel Dunkel: Krieg, Ungerechtigkeit, Einsamkeit, Angst, auch in unseren Herzen. Doch der Glaube sagt: Das Dunkel hat nicht das letzte Wort. Nicht die Angst. Nicht der Tod. Nicht das Scheitern. Sondern Christus. Er ist das Licht, das nicht blendet, sondern wärmt. Nicht verurteilt, sondern heilt. Nicht niederdrückt, sondern aufrichtet.
Mit dieser Botschaft stellt Jesus dem Menschen drei Fragen:
- Bin ich bereit, mich neu auszurichten?
- Höre ich den Ruf Jesu in meinem Leben?
- Traue ich dem Licht mehr als dem Dunkel?
Jesus sagt auch heute: Kehr um. Gott ist dir nahe. Komm und folge mir. Nicht irgendwann. Nicht wenn alles perfekt ist. Sondern jetzt. Mitten im Alltag. Mitten im Leben.