Impuls von Stefan Buß: Woher nehme ich Frieden – für mein Herz?
Samstag, 21.02.2026
von STEFAN BUß
FULDA / MKK - Das Fastentuch 2026 in der Stadtpfarrkirche Fulda knüpft bewusst an ein Motiv an, das bereits im Jahr 2022 viele Menschen angesprochen und bewegt hat. Damals stand die Frage „Woher nehme ich Frieden?“ im Raum – entstanden vor dem Hintergrund des neu ausgebrochenen Krieges in der Ukraine. Diese Frage war Ausdruck von Fassungslosigkeit, Angst und der Suche nach Hoffnung in einer Zeit, in der ein Krieg mitten in Europa wieder Realität geworden war.
Vier Jahre später hat sich die Situation nicht beruhigt. Der Krieg dauert an, weitere bewaffnete Konflikte sind hinzugekommen, Spannungen und Polarisierungen nehmen weltweit zu. Frieden erscheint vielen fern – politisch, gesellschaftlich und oft auch persönlich. Die Frage nach dem Frieden ist deshalb aktueller denn je. Sie hat nichts von ihrer Dringlichkeit verloren, im Gegenteil: Sie ist tiefer geworden.
Das Fastentuch 2026 greift diese Frage erneut auf und führt sie weiter: „Woher nehme ich Frieden – für mein Herz?“
Damit weitet sich der Blick. Neben der Sehnsucht nach Frieden in der Welt tritt die Frage nach dem inneren Frieden. Denn die großen Krisen unserer Zeit hinterlassen Spuren im Inneren der Menschen. Nachrichten von Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeit verunsichern, machen müde, ängstlich oder resigniert. Viele erleben, wie äußere Konflikte das eigene Herz unruhig machen: Sorgen um die Zukunft, um Kinder und Enkel, um den eigenen Platz in einer immer komplexer werdenden Welt.
Die Frage nach dem Frieden für mein Herz ist deshalb auch eine existenzielle Frage: Was gibt mir Halt, wenn Gewohntes nicht mehr trägt? Woran orientiere ich mich, wenn klare Antworten fehlen? Wo finde ich Vertrauen, wenn Lösungen nicht in Sicht sind?
Die Fastenzeit ist eine Einladung, diesen Fragen nicht auszuweichen, sondern sie auszuhalten und vor Gott zu bringen. Sie lädt ein zur Verlangsamung, zur ehrlichen Selbstprüfung und zur Neuorientierung. Frieden für das Herz wächst nicht aus Verdrängung oder schnellen Lösungen, sondern aus der Bereitschaft, sich der eigenen Sehnsucht, Verletzlichkeit und Hoffnung zu stellen.
Mit der Ergänzung „für mein Herz“ nimmt das Fastentuch zugleich Bezug auf das Motto des kommenden Hessentages: „Im Herzen eins!“ Diese Verbindung ist bewusst gewählt. Sie macht deutlich: Das Herz ist mehr als ein Gefühl – es steht für das Zentrum des Menschen, für das, was ihn im Innersten bewegt. So verbindet sich die geistliche Tiefe der Fastenzeit mit einem Ereignis, das die Stadt Fulda gemeinschaftlich prägen wird.
Frieden beginnt nicht abstrakt auf politischen Bühnen allein. Er beginnt im Herzen jedes einzelnen Menschen: dort, wo Versöhnung möglich wird, wo Vertrauen wachsen kann, wo Angst nicht das letzte Wort behält. Wer Frieden im eigenen Herzen sucht, fragt zugleich nach seiner Verantwortung für andere – im Kleinen wie im Großen.
Das Fastentuch lädt ein, während der Fastenzeit immer wieder innezuhalten und sich dieser Frage zu stellen: Woher nehme ich Frieden für mein Herz? Und weiterführend: Was nährt diesen Frieden? Was raubt ihn? Wo kann ich selbst zu einem Ort des Friedens werden – für andere und für diese Welt?
So wird das Fastentuch zum stillen Begleiter auf dem Weg durch die Fastenzeit: als Spiegel der eigenen Sehnsucht, als Einladung zur Hoffnung und als leiser Zuspruch, dass Frieden – trotz allem – möglich ist.


