"Keine Lust-und-Laune-Entscheidung": 44.500 Menschen im MKK arbeiten in Teilzeit
Freitag, 13.02.2026
MAIN-KINZIG-KREIS - So arbeitet der Main-Kinzig-Kreis: Rund 44.500 Menschen haben einen Teilzeitjob. Und die Teilzeitarbeit im Main-Kinzig-Kreis ist weiblich: 77 Prozent davon sind Frauen.
Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hingewiesen. Die NGG Rhein-Main beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur. So liege bei den Vollzeitjobs der Anteil der Frauen im Main-Kinzig-Kreis bei lediglich 31 Prozent.
"Teilzeitarbeit ist keine Bequemlichkeit"
„Einen Teilzeitjob zu machen, ist keine Lust-und-Laune-Entscheidung. Denn wer nicht Vollzeit arbeitet, hat heute schon weniger Geld auf dem Konto und später weniger Rente“, sagt Hendrik Hallier von der NGG Rhein-Main. Teilzeitarbeit sei „keine Bequemlichkeit“, sondern für viele Beschäftigte im Main-Kinzig-Kreis die Voraussetzung, um den Beruf überhaupt mit der Familie und mit der Pflege von Angehörigen vereinbaren zu können.
„Wenn der Wirtschaftsflügel der CDU künftig Menschen, die in Teilzeit arbeiten und gleichzeitig Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, einen Vollzeitjob verordnen will, dann lässt das jedes soziale Gespür vermissen“, so die Kritik von Hendrik Hallier. Der Geschäftsführer der NGG Rhein-Main appelliert an die CDU im Main-Kinzig-Kreis und an die Delegierten aus der Region, Ende Februar den Antrag des Wirtschaftsflügels der Union zur Reform der Teilzeit auf dem Parteitag der CDU in Stuttgart „abzuschmettern“.
"Es bringt nichts, die Daumenschrauben anzuziehen"
Es bringe nichts, den Menschen „die Daumenschrauben anzuziehen, um sie zum Vollzeitpensum im Job zu zwingen“. Solange es nicht mehr Kitaplätze gebe, werde es nicht funktionieren, mehr Menschen in Vollzeit zu bringen. „Immerhin hat der Wirtschaftsflügel der Union diesen Punkt bei seinem Teilzeit-Vorstoß nach langem Hin und Her jetzt aufgegriffen und sich damit wenigstens ein Stück weit näher an die Probleme der Beschäftigten herangerobbt“, so Hallier. Auch wer einen Angehörigen pflege, könne zu Hause nicht alles stehen und liegen lassen, um mehr Stunden im Job zu machen, so Hendrik Hallier. Hierzu sei eine bessere Infrastruktur bei der Pflege nötig.
Wenn Beschäftigte allerdings in der Lage seien, Vollzeit zu arbeiten, dann sollten sie sich „nicht mit einem Teilzeitjob abspeisen lassen“, sagt Hallier. Die NGG Rhein-Main warnt Arbeitgeber im Main-Kinzig-Kreis davor, ihre Beschäftigten – und hier vor allem auch Frauen – „in Teilzeit zu drängen“:
„Entscheidend ist, welches Arbeitspensum man persönlich machen kann und will. Darauf sollten die Beschäftigten pochen. Es darf nicht darum gehen, dem Betrieb mit einem ‚Teilzeit-Kompromiss‘ entgegenzukommen, wenn man lieber Vollzeit arbeiten möchte“, sagt NGG-Geschäftsführer Hallier. (red)