Warum eine Ente für einen Faschings-Eklat sorgte
Samstag, 14.02.2026
von ANGELO CALI
WIESBADEN - Ein markenrechtlicher Konflikt zwischen den Fastnachtshochburgen Mainz und Wiesbaden sorgt kurz vor dem Höhepunkt der Kampagne für Wirbel: Weil die Mainzer Carnevalisten Exklusivrechte auf die „Zugen(d)te“ beanspruchen, muss das Wiesbadener Symboltier bis Sonntag modifiziert werden.
Es ist eine Tradition mit Augenzwinkern, die nun vor dem Kadi oder zumindest vor dem Patentamt enden könnte. Wenn sich der Fastnachtssonntagszug durch die Wiesbadener Innenstadt schlängelt, markiert seit jeher eine Ente das Ende des närrischen Lindwurms – ein visuelles Wortspiel, das den Besuchern signalisiert: Der Zug ist zu Ende. Doch damit ist nun vorerst Schluss, zumindest in der gewohnten Form. Wie der Wiesbadener Kurier berichtet, forderte der Mainzer Carneval-Verein (MCV) die Nachbarn auf der gegenüberliegenden Rheinseite unmissverständlich dazu auf, den geschützten Begriff nicht länger zu verwenden.
Markenrecht bremst die Nachbarn aus
Der Anruf kam direkt von der Spitze: Hannsgeorg Schönig, Präsident des Mainzer Carneval-Vereins, stellte klar, dass die „Zugen(d)te“ ein geschütztes Markenzeichen der Mainzer Fastnacht sei. Für Guntram Eisenmann, den künstlerischen Leiter der Dachorganisation Wiesbadener Karneval (Dacho) und verantwortlichen Wagenbauer, bedeutet diese Nachricht eine ungeplante Sonderschicht. Die Mainzer bestehen darauf, dass das Wortspiel in dieser speziellen Schreibweise exklusiv der Landeshauptstadt Rheinland-Pfalz vorbehalten bleibt.
Dabei geht es den Mainzern offenbar nicht um das Tier an sich, sondern primär um den markanten Schriftzug. Das gelbe Federvieh darf als Wagenmotiv im Wiesbadener Umzug erhalten bleiben, doch die Bezeichnung muss verschwinden. Um einen handfesten Rechtsstreit zwischen den befreundeten Narrenlagern zu vermeiden, lenkten die Verantwortlichen in Wiesbaden ein. Eine Provokation wolle man so kurz vor den tollen Tagen keinesfalls riskieren.
Wettlauf gegen die Zeit bis zum Sonntagsumzug
Die Herausforderung für Eisenmann ist nun logistischer Natur, denn die Uhr tickt unerbittlich. Da der Umzug bereits am kommenden Sonntag stattfindet, bleibt kaum Zeit für aufwendige Neukonstruktionen. Die Ente muss sofort in die Werkstatt, um den beanstandeten Schriftzug zu überarbeiten oder zu übermalen. Während in Mainz das Original weiterhin die Massen begeistern wird, müssen die Wiesbadener Wagenbauer nun eine kreative Lösung finden, um ihr Zugende rechtlich einwandfrei, aber dennoch närrisch zu kennzeichnen.
Es bleibt abzuwarten, wie das „enteignete“ Maskottchen am Sonntag aussieht, wenn es den Abschluss des Wiesbadener Spektakels bildet. (red)