Folgenschwerer Baufehler

Wetzlar: Millionenschwere Peinlich-Posse: Warum ein Parkhaus-Neubau für Verwirrung sorgt

Parkhaus-Posse in Wetzlar. (Symbolfoto) - Foto: Pixabay/Toni_Valaulta


Montag, 16.02.2026
von Redaktion Kinzig News

WETZLAR - Ein folgenschwerer Baufehler sorgt in Wetzlar für eine kuriose Situation: Das erst vor zwei Jahren fertiggestellte Parkhaus am Karl-Kellner-Ring muss vollständig abgerissen werden, noch bevor der erste Wagen darin parken konnte.

Die Geschichte des Rohbaus ist geprägt von Stillstand und juristischem Tauziehen. Seit 2024 steht das Gebäude leer, nachdem ein heftiger Frost das Ausmaß des Pfuschs offenbart hatte. In den Parkhausebenen platzten bis zu 18 Meter lange Hohldielen auf, weil nach Angaben der Kreisverwaltung notwendige Entwässerungsbohrungen fehlten. Wie zuerst das Portal mittelhessen.de berichtete, hat sich der Lahn-Dill-Kreis nun mit dem Bauunternehmen auf eine radikale Lösung geeinigt, um einen jahrelangen Rechtsstreit zu vermeiden und die hohen Sicherungskosten für die Ruine zu stoppen.

Die Ursachensuche und der radikale Neustart

Laut der Justiziarin des Kreises liegt die Hauptschuld beim Bauunternehmen, wobei auch eine Mitschuld des Architekten oder des Material-Lieferanten im Raum steht. Um das Projekt dennoch zeitnah zum Abschluss zu bringen, sieht die Vereinbarung vor, dass das Unternehmen das Gebäude bis auf den Keller zurückbaut. An gleicher Stelle soll ein sogenanntes Systemparkhaus entstehen. Diese Konstruktion besteht aus einem Stahlgerüst mit speziellen Betonplatten und erhält eine moderne Holzfassade. Die Kosten für diesen kompletten Neubau trägt das verantwortliche Unternehmen, sodass für den Landkreis keine zusätzlichen Ausgaben für die Errichtung anfallen.

Trotz des doppelten Baus bleibt das Gesamtprojekt im finanziellen Rahmen des Landkreises. Die geplanten Gesamtausgaben belaufen sich auf rund 9,5 Millionen Euro. Das sind zwar drei Millionen Euro mehr als ursprünglich kalkuliert, liegt aber immer noch unter dem im Haushalt reservierten Budget von 10,2 Millionen Euro. Für die technische Ausstattung, wie etwa die Elektronik und die Schrankenanlage, bleibt der Kreis weiterhin selbst verantwortlich.

Dringender Bedarf an 300 Stellplätzen

Die Dringlichkeit des Projekts ergibt sich aus einer baurechtlichen Verpflichtung. Nach dem Ausbau der Kreisverwaltung müssen insgesamt 300 Stellplätze nachgewiesen werden. Da das Parkhaus jedoch seit zwei Jahren eine unbrauchbare Hülle ist, muss die Verwaltung derzeit auf angemietete Ersatzflächen in der Umgebung ausweichen, um Parkmöglichkeiten für Mitarbeitende und Besuchende sicherzustellen. Die Zufahrt zum neuen Gebäude soll unverändert bleiben, und die Anzahl der Parkplätze wird mindestens dem ursprünglichen Entwurf entsprechen.

Bevor die Bagger jedoch endgültig anrollen können, müssen die Kreis-Gremien die Vereinbarung formell beschließen. Zudem stehen noch Gespräche mit der Stadt Wetzlar aus, um zu klären, ob für die neue Systembauweise ein komplett neuer Bauantrag gestellt werden muss. Sobald diese bürokratischen Hürden genommen sind, könnte die unendliche Geschichte des Wetzlarer Parkhauses doch noch ein versöhnliches Ende finden. (red)

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