Hessen: Gewalt gegen Journalisten nimmt zu - ein Faktor besonders bedrohlich
Sonntag, 22.02.2026
von Redaktion Kinzig News
HESSEN - Medienschaffende in Hessen geraten zunehmend ins Visier politisch motivierter Täter, was die freie Berichterstattung massiv gefährdet. Aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) belegen eine besorgniserregende Zunahme von Angriffen, die sich insbesondere im Umfeld von Demonstrationen häufen.
Die Arbeit vor Ort wird für Reporter in Hessen immer gefährlicher. Zwischen April 2024 und Ende November 2025 registrierten die Behörden im Bundesland insgesamt 28 politisch motivierte Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten. Wie aus einer Mitteilung des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) Landesverband Hessen hervorgeht, basieren diese Daten auf einer offiziellen Anfrage des Bundestagsabgeordneten David Schliesing (Die Linke) an die Bundesregierung.
Radikalisierung auf der Straße
Die Antwort des BKA verdeutlicht, dass die Aggression gegen die Presse kein abstraktes Problem ist, sondern eine reale Bedrohung für die Demokratie darstellt. Besonders Demonstrationen haben sich als gefährliches Pflaster für die Presse erwiesen. Bundesweit wird rund ein Drittel der dokumentierten Fälle dem rechten Spektrum zugeordnet.
Auch in Hessen bestätigen interne Erhebungen des DJV dieses Bild: Eine Umfrage unter den Mitgliedern vom Januar 2026 ergab, dass die Gewalt vor allem von rechts sowie von radikalisierten Gruppen innerhalb von Protestbewegungen ausgeht. Für die Betroffenen bedeutet dies oft nicht nur verbale Einschüchterung, sondern handfeste körperliche Übergriffe und massive Einschränkungen in ihrer beruflichen Ausübung.
Rechtsextreme Tendenzen als größte Bedrohung
Knud Zilian, der 1. Vorsitzende des DJV Hessen, ordnet die Entwicklung mit deutlichen Worten ein. Er betont, dass Übergriffe auf Medienschaffende letztlich Angriffe auf die Grundfesten der Gesellschaft seien. Man werde keine Aggression dulden, völlig ungeachtet der politischen Richtung, aus der sie komme.
Die Rückmeldungen der Verbandsmitglieder zeigen jedoch unmissverständlich, dass rechtsextreme Tendenzen aktuell die größte Bedrohung für die unabhängige Berichterstattung im Land darstellen.
Forderungen an Polizei und Medienhäuser
Angesichts der steigenden Fallzahlen sieht der Verband dringenden Handlungsbedarf und richtet klare Forderungen an die Verantwortlichen. Die Polizei wird in die Pflicht genommen, den Schutz von Journalisten – insbesondere während Demonstrationslagen – spürbar zu verbessern. Hierzu zählen feste Ansprechpartner vor Ort und ein konsequentes Einschreiten bei Übergriffen, gefolgt von einer lückenlosen strafrechtlichen Verfolgung der Täter.
Gleichzeitig stehen die Medienhäuser selbst in der Verantwortung. Der DJV fordert Verlage und Redaktionen auf, sich dem Schutzkodex für Journalistinnen und Journalisten anzuschließen. Ziel ist es, sichere Einsatzbedingungen für alle Beschäftigten zu garantieren.
Dies müsse ausdrücklich auch für freie Mitarbeitende gelten, die oft ohne den Schutz großer Apparate an vorderster Front berichten und dadurch besonders exponiert sind. Nur durch eine konsequente Umsetzung dieser Sicherheitsstandards könne die Pressefreiheit in Hessen auch in Zukunft gewahrt bleiben. (red)