Kriminalität in Hessen mit sinkenden Zahlen und einem gefährlichen Trend
Samstag, 07.03.2026
von Redaktion Kinzig News
HESSEN - Hessens Innenminister Roman Poseck hat die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025 vorgestellt. Während die Gesamtzahl der Straftaten um knapp drei Prozent sank, bereitet der Polizei vor allem die Zunahme bei Sexualdelikten, häuslicher Gewalt und politisch motivierter Kriminalität Sorge.
Die Sicherheitslage in Hessen präsentiert sich laut der neuesten amtlichen Auswertung als ein Feld mit Licht und Schatten. Insgesamt registrierten die Behörden im vergangenen Jahr 376.981 Straftaten, was einem Rückgang von 2,9 Prozent entspricht. Innenminister Roman Poseck (CDU) sieht darin eine Bestätigung der aktuellen Sicherheitspolitik, betonte jedoch am Montag in Wiesbaden, dass die sinkende Gesamtquote nicht über problematische Entwicklungen in spezifischen Deliktbereichen hinwegtäuschen dürfe.
Diese Zahlen stammen aus der aktuellen Kriminalstatistik des Landes Hessen, die traditionell das sogenannte Hellfeld – also alle der Polizei bekannt gewordenen und angezeigten Taten – abbildet. Experten geben jedoch zu bedenken, dass diese Statistik nur einen Teil der Realität widerspiegelt, da das Dunkelfeld nicht erfasster Taten sowie das schwankende Anzeigeverhalten der Bürger die Ergebnisse beeinflussen können.
Sicherheit im öffentlichen Raum: Erfolge der Prävention
Ein deutliches Plus an Sicherheit verzeichnet die Statistik im Bereich der Straßenkriminalität. Die Fallzahlen sanken hier um 3,6 Prozent auf rund 63.000 Delikte. Poseck führt dies maßgeblich auf die "Innenstadtoffensive" der Landesregierung zurück, die auf verstärkte Polizeipräsenz, Videoüberwachung und die Einrichtung von mittlerweile zwölf Waffenverbotszonen in hessischen Städten setzt. Auch bei den spektakulären Geldautomaten-Sprengungen zeigt die Prävention Wirkung: Wurden 2023 noch 61 Fälle registriert, schrumpfte die Zahl im Jahr 2025 auf lediglich sechs Taten zusammen.
Ein historischer Tiefstand wurde zudem bei der Jugendkriminalität erreicht. Mit 37.257 tatverdächtigen Jugendlichen markiert das Jahr 2025 den niedrigsten Wert seit Beginn der digitalen Erfassung im Jahr 2001. Auch der Bereich der Ausländerkriminalität entwickelte sich rückläufig; erstmals seit zwei Jahren stellen deutsche Staatsbürger wieder die Mehrheit der Tatverdächtigen, was das Innenministerium unter anderem auf eine verschärfte Migrations- und Abschiebepolitik zurückführt.
Gewalt im Privaten: Die Schattenseite der Bilanz
Trotz der positiven Gesamentendenz verzeichnet Hessen einen besorgniserregenden Anstieg bei Gewalttaten um 5,3 Prozent auf über 40.000 Fälle. Besonders drastisch zeigt sich die Entwicklung in den eigenen vier Wänden. Die häusliche Gewalt stieg um elf Prozent auf 13.189 Fälle, wobei in zwei Dritteln der Taten Körperverletzungen vorlagen. Der Minister hofft hierbei, dass die steigenden Zahlen auch Ausdruck einer gewachsenen Bereitschaft der Opfer sind, ihre Peiniger anzuzeigen.
Noch deutlicher fällt der Zuwachs bei den Sexualdelikten (+9 %) und insbesondere bei Vergewaltigungen aus, deren Zahl um 20 Prozent auf 1.143 Fälle nach oben schnellte. Erschütternd ist dabei die soziale Nähe zwischen Tätern und Opfern: In drei Vierteln der Fälle bestand bereits vor der Tat eine Beziehung, ein Drittel der Verdächtigen stammt sogar aus der eigenen Familie. Auch der sexuelle Missbrauch von Kindern nahm statistisch um fast ein Viertel zu, was die Polizei primär auf eine verstärkte Sensibilisierung und massiven Ermittlungsdruck zurückführt.
Politische Radikalisierung und digitale Gefahren
Ein weiteres Warnsignal sendet die politisch motivierte Kriminalität aus. Die Fallzahlen stiegen hier um 25,1 Prozent auf rund 5.560 Taten. Zwar überwiegen Straftaten aus dem rechten Spektrum weiterhin deutlich, doch verzeichnete der Linksextremismus mit einem Plus von 180 Prozent den stärksten relativen Zuwachs. Diese zunehmende gesellschaftliche Unversöhnlichkeit trifft vermehrt auch Mandatsträger: Die Angriffe auf Politiker haben sich mit einem Anstieg von 107 Prozent mehr als verdoppelt.
Parallel zur gesellschaftlichen Polarisierung verlagert sich die Kriminalität zunehmend in den digitalen Raum. Befeuert durch neue Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz und die fortschreitende Vernetzung stieg die Cyberkriminalität um 23,3 Prozent an. LKA-Präsident Daniel Muth bezeichnete dies als stetig wachsende Herausforderung für die Ermittler.
20-Jahres-Vergleich weist deutlich zurückgehende Zahlen auf
Demgegenüber steht ein statistischer Rückgang der Rauschgiftkriminalität um 30 Prozent, der jedoch schlicht auf die Teil-Legalisierung von Cannabis zurückzuführen ist und somit weniger Kontrollen in diesem Bereich zur Folge hatte. Obwohl die Aufklärungsquote mit 61,1 Prozent leicht sank, unterstrich Poseck kurz vor den Kommunalwahlen am 15. März, dass Hessen im Ländervergleich ein sehr sicheres Bundesland bleibe.
Im 20-Jahres-Vergleich sei die Kriminalität sogar um 15 Prozent gesunken. Opposition und Fachverbände mahnen dennoch an, den Fokus künftig noch stärker auf den Schutz von Frauen und Kindern sowie auf die Prävention im Bereich der häuslichen Gewalt zu legen. (red)