Der Stadtpfarrer bei KN

Impuls von Stefan Buß: MISEREOR-Sonntag 2026 - Fastenaktion: "Hier fängt Zukunft an"

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda - Foto: Hendrik Urbin/KN


Samstag, 21.03.2026
von STEFAN BUß

FULDA / MKK - „Hier fängt Zukunft an“ – ein kurzer Satz, aber ein starkes Wort. Zukunft beginnt nicht irgendwann. Nicht erst morgen. Nicht erst, wenn andere handeln. Zukunft beginnt hier – und sie beginnt jetzt.

Der MISEREOR-Sonntag führt uns jedes Jahr neu vor Augen: Christlicher Glaube ist niemals nur Erinnerung an Vergangenes. Er ist immer auch Hoffnung auf Kommendes – und Verantwortung im Heute. Seit über 60 Jahren steht MISEREOR an der Seite der Armen und Benachteiligten weltweit. Der Name selbst bedeutet: „Ich habe Erbarmen.“ Es ist das Wort Jesu, das uns aufträgt, nicht wegzusehen.

Wir denken bei Zukunft oft an große Pläne: politische Entscheidungen, weltweite Abkommen, wirtschaftliche Strategien. Doch das Evangelium zeigt uns etwas anderes. Jesus beginnt klein. Er ruft einzelne Menschen. Er spricht mit einer Samariterin. Er segnet Kinder. Er teilt Brot. Zukunft beginnt dort, wo ein Mensch einem anderen Würde zuspricht. Zukunft beginnt dort, wo jemand sagt: „Ich sehe dich.“ Zukunft beginnt dort, wo Hoffnung stärker ist als Resignation.

Gerade in einer Welt, die von Krisen geprägt ist – Klimawandel, Ungleichheit, Kriege, soziale Spaltung – scheint Zukunft oft unsicher. Viele Menschen fragen: Wie soll das alles weitergehen Die Fastenzeit lädt uns ein, innezuhalten. Sie ist kein Rückzug aus der Welt, sondern eine Schule der Aufmerksamkeit. Wer fastet, lernt neu zu sehen. Wer teilt, verändert Wirklichkeit.

MISEREOR unterstützt weltweit Projekte, in denen Menschen ihre Lebensbedingungen selbst verbessern:

  • Kleinbäuerinnen, die nachhaltige Landwirtschaft betreiben.
  • Jugendliche, die Zugang zu Bildung erhalten.
  • Gemeinschaften, die sich gegen Umweltzerstörung wehren.

Das sind keine abstrakten Programme. Das sind konkrete Orte, an denen Zukunft wächst. Wenn eine Mutter genug Ernte einfährt, um ihre Kinder zu ernähren – hier fängt Zukunft an. Wenn ein junger Mensch eine Ausbildung erhält – hier fängt Zukunft an. Wenn eine Gemeinde sauberes Trinkwasser bekommt – hier fängt Zukunft an. 

Und auch bei uns gilt: Wenn wir fair einkaufen. Wenn wir bewusster konsumieren. Wenn wir politisch Verantwortung übernehmen. Wenn wir spenden und solidarisch handeln. Dann ist das nicht nur Hilfe – es ist ein Zeichen des Reiches Gottes.

Doch die eigentliche Wurzel liegt tiefer. Zukunft beginnt im Herzen des Menschen. Jesus spricht von Umkehr – von einer inneren Neuausrichtung. Fasten heißt: Platz schaffen für Gott. Verzicht heißt: Raum schaffen für andere. Gebet heißt: Kraft schöpfen für den Einsatz. Wir können die Welt nicht allein retten. Aber wir können Teil einer Bewegung sein, die aus dem Vertrauen auf Gott lebt. Eine Bewegung, die glaubt: Das letzte Wort hat nicht die Angst, sondern die Hoffnung.

Das Motto von MISEREOR sagt bewusst: Hier fängt Zukunft an. Nicht irgendwo in weiter Ferne. Auch hier bei uns. In unserer Gemeinde, wenn wir füreinander einstehen. In unseren Familien, wenn wir Versöhnung wagen. In unseren Entscheidungen, wenn wir Gerechtigkeit wählen. Wir sind nicht ohnmächtig. Jeder Schritt zählt. Jede noch so kleine Tat ist ein Baustein der Zukunft Gottes.

Die Fastenaktion 2026 ruft uns nicht zu großen Worten auf, sondern zu konkretem Handeln. Sie lädt uns ein, Teil einer weltweiten Solidarität zu sein. Sie erinnert uns: Christlicher Glaube ist immer auch sozialer Glaube. „Hier fängt Zukunft an“ – wenn wir Gottes Erbarmen in unserem Leben Wirklichkeit werden lassen. wenn wir teilen statt horten. wenn wir Hoffnung säen statt Angst zu verbreiten.

Bitten wir Gott um ein offenes Herz. Bitten wir um Mut zur Veränderung. Bitten wir darum, dass wir selbst zu Orten werden, an denen Zukunft wächst.

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