Zukunft in Gefahr? Warum das Geburtshaus in Trier seinen Entbindungsraum nicht mehr nutzen darf
Mittwoch, 18.03.2026
von Redaktion Kinzig News
TRIER - Geburtshaus Trier verliert wichtigen Geburtsraum nach Lärmstreit mit Nachbarn
Das Geburtshaus Trier darf seinen großen Geburtsraum nach einem Rechtsstreit mit einem Nachbarn nicht mehr für Entbindungen nutzen. Die Einrichtung sieht dadurch ihr Angebot und ihre wirtschaftliche Zukunft gefährdet. Auslöser war eine Klage wegen angeblicher Lärmbelästigung durch Schreie von Gebärenden.
Das Geburtshaus Trier steht wenige Monate nach seiner Eröffnung vor einem gravierenden Einschnitt. Wegen eines Streits um angebliche Lärmbelästigung darf der zentrale Geburtsraum der Einrichtung nicht mehr für Geburten genutzt werden. Nach Angaben der Co-Geschäftsführerin Sarah Wolff können nun weniger Frauen aufgenommen werden.
Auslöser war die Klage eines Nachbarn, dessen Wohnung rund zehn Meter von dem Raum entfernt liegt. Er hatte sich durch Lärm gestört gefühlt und gegen die von der Stadt Trier erteilte Baugenehmigung zur Umnutzung ehemaliger Studierendenwohnungen in ein Geburtshaus geklagt. Das Haus hatte im Sommer 2025 eröffnet.
Kein Urteil, aber weitreichende Folgen
Wie der Trierische Volksfreund, der Tagesspiegel und weitere Medien berichten, kam es nach einem Hinweis des Verwaltungsgerichts Trier nicht zu einem Urteil. In der mündlichen Verhandlung hatte das Gericht demnach darauf verwiesen, dass bei der Baugenehmigung die Nachbarrechte womöglich nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Dem Raum fehlten demnach zuvor Schallmessungen in Richtung des Nachbarn.
Daraufhin erklärte sich der Bauträger bereit, den betroffenen Raum nicht mehr als Geburtsraum, sondern nur noch als Vorsorgeraum zu nutzen. Damit war der Rechtsstreit erledigt. Für das Geburtshaus hat die Einigung trotzdem erhebliche Folgen, weil nun nur noch ein kleinerer Geburtsraum bleibt.
Große Wanne fällt weg, Angebot schrumpft
Nach Angaben von Sarah Wolff verfügt der verbleibende Raum nicht über eine feste Badewanne. Gerade diese sei jedoch eine wichtige schmerzlindernde Maßnahme für die Frauen, weil im Geburtshaus keine Schmerzmittel und keine Medikamente gegeben würden. Fällt der große Raum dauerhaft weg, lasse sich das Angebot nach Einschätzung der Leitung finanziell nicht tragen.
Seit der Eröffnung hat das Geburtshaus nach eigenen Angaben 34 Geburten begleitet. Wolff betonte, Schreien sei bei Geburten dort der Ausnahmefall und wenn überhaupt nur kurz. Zudem würden die Fenster in der Regel geschlossen bleiben; gelüftet werde nur zwischen den Wehen.
Spendenkampagne und Solidarität aus der Nachbarschaft
Die beiden Co-Geschäftsführerinnen Sarah Wolff und Lisa Brauns suchen jetzt nach einer Lösung. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte Brauns, man wolle auf jeden Fall weitermachen und strebe Schallschutzmaßnahmen an. Die Finanzierung dafür ist nach ihren Angaben offen. Deshalb sammelt das Geburtshaus auf seiner Homepage Spenden, eine Kampagne sollte am Dienstag offiziell starten.
Rückenwind kommt laut der Bild-Zeitung auch aus der Nachbarschaft. Dort wird berichtet, dass viele Anwohner das Geburtshaus als Bereicherung sehen. Das Angebot wird nach Angaben des Hauses nicht nur von Frauen aus Trier genutzt, sondern auch aus der Eifel, dem Saarland und Luxemburg.
Im Geburtshaus begleiten Hebammen die Entbindungen, ein Arzt ist nicht dabei; betreut werden nach Angaben der Leitung nur Geburten ohne Risiko.