Mitgefühl reicht nicht

"Katzenkolonie" in Bad Orb außer Kontrolle: Tierschützer schlagen Alarm

Katzenkolonie in Bad Orb. - Foto: Tier- und Naturschutzbund Unterer Vogelsberg


Sonntag, 12.04.2026
von Redaktion Kinzig News

BAD ORB - Entlang der Bahngleise der Kleinbahn in Bad Orb hat sich eine große Population verwilderter Katzen angesiedelt. Tierschützer und Helfer versuchen seit Monaten, die Lage mit Fang-, Kastrations- und Versorgungsaktionen einzudämmen. Doch regelmäßige Fütterungen vor Ort treiben die Entwicklung nach den vorliegenden Angaben weiter an.

An den Gleisen der Kleinbahn in Bad Orb ist aus einzelnen Streunern offenbar längst eine größere Katzenkolonie geworden. Das Gebiet wirkt auf den ersten Blick ruhig, tatsächlich wächst dort aber seit geraumer Zeit ein Problem, das Tierschutzvereine, Helfer und Anwohner zunehmend beschäftigt.

Nach den vorliegenden Informationen werden die Tiere dort regelmäßig mit großen Mengen Futter versorgt. Genau dieses ständige Nahrungsangebot gilt als einer der Hauptgründe dafür, dass sich die Population weiter vergrößert und immer neue Tiere anzieht.

Nicht nur Katzen werden angelockt

Mit den Katzen bleibt es an den Gleisen inzwischen offenbar nicht mehr. Wo dauerhaft Futter ausliegt, werden auch andere Fleischfresser angelockt. Für Anwohner und Behörden wächst damit die Sorge vor weiteren Folgen.

Genannt werden unter anderem Hygieneprobleme, Lärmbelästigung und mögliche Gefahren für Mensch und Tier. Aus einem gut gemeinten Akt der Fürsorge ist damit nach Einschätzung der Beteiligten eine Entwicklung geworden, die immer schwerer zu kontrollieren ist.

Tierschutzvereine fangen und kastrieren Tiere

Mehrere Tierschutzvereine versuchen seit Jahren, die Lage einzudämmen. Immer wieder werden Katzen eingefangen, kastriert und medizinisch versorgt. Seit Ende Januar konnten durch die Zusammenarbeit von Katzenzuhause e.V., Tier- und Naturschutz Unterer Vogelsberg e.V. sowie weiteren Helfern nach den vorliegenden Angaben 18 Tiere behandelt werden.

Unterstützt wurden die Maßnahmen demnach auch von engagierten Bürgerinnen aus Bad Orb, die Lebendfallen kontrollierten und gefangene Tiere zum Tierarzt brachten. Begleitet wurden die Aktionen außerdem vom Ordnungsamt Bad Orb.

Das Grundproblem bleibt bestehen

Trotz dieser Einsätze ist die Lage offenbar bisher nicht unter Kontrolle. Nach Schätzungen sollen in dem Bereich weiterhin rund 20 unkastrierte Katzen leben. Solange regelmäßig Futter ausgelegt wird, dürfte die Population weiter wachsen.

Hinzu kommt der Zeitdruck durch das Frühjahr. Viele Tiere sind nach den Angaben bereits trächtig. Dadurch werden nötige Kastrationen zunächst erschwert oder unmöglich gemacht. Die nächste größere Eingriffsphase ist deshalb erst wieder für den Herbst vorgesehen.

Mitgefühl reicht nicht aus

Der Fall in Bad Orb zeigt damit ein klassisches Dilemma im Tierschutz. Wer streunende Tiere füttert, handelt oft aus Mitgefühl. Ohne begleitende Kontrolle, Kastration und abgestimmtes Vorgehen kann genau das aber neue Probleme schaffen.

An den Bahngleisen ist aus einer einzelnen Hilfsaktion nach den vorliegenden Informationen längst ein strukturelles Problem geworden. Für Helfer bedeutet das: Selbst großer Einsatz reicht nicht aus, solange die Ursache vor Ort bestehen bleibt. (red)

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